Organic Olive Farmers of Albania
Tirana, Albanien

- Hintergrund/Geschichte der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt
- Olivenöl aus Albanien, ein ungehobener Schatz...
- Zija Balla – ein typischer albanischer Kleinbauer


Hintergrund/Geschichte der Organisation

Mit dem Erstimport von zertifiziertem Olivenöl aus Albanien, dem Land des Adlers”, begeht claro, einmal mehr, neue Wege im Fairen Handel. Und stellt sich, wie bereits im Fall der Trockenmangos aus Burkina der des Thai-Reises, der Herausforderung, ein Pilotprojekt von Anfang an zu begleiten, bzw. in Gemeinschaftsarbeit mit den beteiligten Organisationen, vielerlei Hürden zu überwinden.
In der Tat handelt es sich nicht nur in der Schweiz, sondern auf gesamteuropäischer Ebene um die erste faire Handelsbeziehung mit einem Balkanland, dessen Bevölkerung nach jahrzehntelanger Bevormundung, bzw. Unterdrückung durch ein extrem autoritäres Regime schrittweise – manchmal nur zögernd – im Begriff ist, sich neue Verhaltensweisen anzueignen, selber Initiativen zu ergreifen oder gar gemeinsame Strukturen aufzubauen.
Die wirtschaftliche Not – Albanien war bis vor kurzem das ärmste Land Osteuropas – vertreibt unzählige Menschen ins Ausland; schiffsbrüchige Flüchtlinge, die über die Adria nach Italien zu gelangen hofften, sorgen nach wie vor für Schlagzeilen. Zu den Organisationen, die den Aufbau tragfähiger Grundlagen in der Landwirtschaft fördern, der Verarmung weiter Bevölkerungskreise entgegenwirken und damit der Abwanderung Einhalt gebieten wollen, gehört die albanische Vereinigung für biologischen Landbau OAA, die 1997 von einer Gruppe einheimischer Agronomen gegründet wurde. Wenig später kam es, im Rahmen eines Aufbauprogramms der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), zur Zusammenarbeit zwischen der OAA und dem Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL aus Frick. Von Anfang an richteten sich die Bestrebungen von OAA und FiBL darauf, mit der Förderung von BIO-Landbau neue Absatzmärkte im In- und Ausland zu erschliessen und damit die wirtschaftliche Lage der Landbevölkerung zu verbessern.
In diesem Rahmen kam die Idee auf, auch die traditionelle Produktion von Oliven und Olivenöl, einem wichtigen kulturellen Erbe des Landes (s. Kasten), durch die Einführung von biologischen Anbaumethoden aufzuwerten und das Fertigprodukt direkt zu vermarkten. Oliven und Olivenöl gehören in Albanien zum alltäglichen Speisezettel, und ein-heimische, natürliche Nahrungsmittel finden bei allen Bevölkerungskreisen grossen Anklang.

Der Startschuss erfolgte dank der Initiative eines OAA-Mitgliedes, Frau Shpresa Shkalla, die als eigentliche Vorreiterin nicht nur ihren eigenen Olivenhain nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet, sondern auch, mit Unterstützung des deutschen Entwicklungsdienstes GTZ, eine moderne Olivenmühle installiert hat und diese selbständig betreibt.


Ziele/Leistungen

Hauptziel des Projektes ist es, durch Umstellung auf biologische Anbaumethoden sowie direkter Vermarktung auf dem Binnenmarkt und künftig im Fairen Handel Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Dazu gehört auch die Befähigung der Kleinbauern und deren Familien, die Notwendigkeit neuer Gemeinschaftsstrukturen wahrzunehmen und diese mitzugestalten. So soll mo­dellhaft eine Alternative zur Landflucht und Emigration aufgezeigt und ein Beitrag an die Demokratisierung des Lan­des geleistet werden.

So hat die OAA als erstes, in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL, mehrere Bauernhöfe bei der Umstellung auf biologische Anbaume­thoden unterstützt. Die OAA ist zwar anerkanntes Mitglied des internationalen Verbandes IFOAM, ist jedoch noch nicht in der Lage, die internationale Zertifizierung durchzuführen. Der Aufbau einer anerkannten nationalen Inspektions- und Zertifizierungsinstanz ist ein wichtiger Teil des Projektes und wird vermutlich, ähnlich wie es beim Fair-Handelspartner Green Net der Fall war, einige Zeit in Anspruch nehmen. Vorläufig sorgt deshalb die Schweizerische Inspektions- und Zertifizierungsorganisation für biologi­sche Produkte Bio Inspecta für die Kontrolle und Zertifizierung des fairen Olivenöls. Gleichzeitig bemüht sich die OAA, ihre Mitglieder - fast ausschliesslich Kleinbauern - zu gemeinsamem Handeln, bzw. zur Gründung einer formellen, demokratischen Or­ganisation zu befähigen. Das Olivenölprojekt, dessen Aufbau von einer jungen OAA­- Mitarbeiterin sowie von FiBL begleitet wird, vereint zur Zeit eine Gruppe von rund 35 Oli­venbauern aus verschiedenen Dörfern in der Umgebung von Tirana; die Bauern nehmen an Ausbildungskursen im BIO -Landbau und Organisationsma­nagement sowie an Treffen teil, bei de­nen beispielsweise über die Verwendung der Gewinne diskutiert wird. So wurde beschlossen, allfällige Gewinne aus dem Erstexport an claro für die weitere Ver­besserung der Ölqualität zu verwenden, bzw. die bisher äusserst rudimentären Erntemethoden mit der Anschaffung von Netzen, Schüttelrechen sowie Gebinden für den möglichst raschen Transport zur Mühle zu modernisieren.

Die Gruppe nennt sich „Organic Olive Farmer of Albania”, ist aber derzeit noch nicht bereit, den Schritt zu einer formel­len, juristisch abgesicherten Struktur zu wagen. Die negativen Erfahrungen mit staatlich verordneter Kollektivierung aller Arbeitsbereiche während des kommuni­stischen Regimes bilden hier - wie fast überall im ehemaligen Ostblock - nach wie vor gewichtige Hemmschuhe.

Doch der Stein ist im Rollen... und der Erstexport von Olivenöl an claro wird zweifellos entscheidend dazu beitragen, Verständnis für die neuen Herausforderungen und gegenseitiges Vertrauen zu wecken.


Produzentinnen

In den letzten zehn Jahren finden in den albanischen Dörfern grosse Veränderun­gen statt. Jeder Familie wurde nach dem Regimewechsel ein kleines Stück Land — im Durchschnitt zwei Hektaren — zuge­teilt, von dem sich freilich nicht leben lässt. Da aber der Familienclan in Alba­nien weiterhin die eigentliche gesell­schaftliche Struktur stellt, gelingt es vielfach, durch das Zusammenlegen der einzelnen Landstücke und Olivenhaine, zumindest die Selbstversorgung zu si­chern. Geld lässt sich damit aber kaum verdienen. Deshalb sehen sich unzählige Menschen, insbesondere junge Leute unter 25, gezwungen, entweder in die Stadt oder ins Ausland abzuwandern.

Unter diesen Bedingungen ist jede Form von Unterstützung höchst willkommen — auch wenn sie vorerst bescheiden ausfällt! Am Erstexport von Olivenöl an claro sind sieben Produzentinnen aus der Um­gebung von Tirana beteiligt, darunter auch die Mühlenbesitzerin Shpresa Shkalla, die ebenfalls einen kleinen Olivenhain besitzt und für den Betrieb der Mühle weitgehend allein, manchmal mit Hilfe ihres Bruders, sorgt. Die anderen Lieferanten, alles Kleinbauern, leben in verschiedenen, teilweise nur auf einer Schotterstrasse erreichbaren Dörfern, wo sie für die Selbstversorgung Mais, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und allerlei Gemüse anbauen. Die Perspektiven, die OAA schafft, haben bereits dazu geführt, dass die Bauern vermehrt Olivenbäume anpflanzen und sich beraten lassen möchten, um ihre alten Bäume fachmännisch zu pflegen.


Zum Produkt

Alle Produzentinnen sowie die Olivenmühle haben, mit der intensiven Unter­stützung durch die OAA, biologische Richtlinien eingeführt und wurden von der Bio Inspecta als „Betriebe in Umstellung” ausgezeichnet. Dementsprechend trägt das albanische Olivenöl den Vermerk „in Umstellung”. Doch schon jetzt handelt es sich um ein hochwertiges extra vergine 01.

Für die Mühlenbesitzerin Shpresa Shkalla war es in der Tat von Anfang an klar, dass nur erstklassige Qualität, d.h. tiefer Säuregehalt und leichter, fruchtiger Geschmack, Absatzchancen auf dem Exportmarkt hat. In der traditionellen, für die Selbstversorgung bestimmten Produktion sind aber bisher grosse Mengen und ein Öl mit sehr schwerem Geschmack ausschlaggebend. Mit entsprechendem Fachwissen ausgestattet, stellt sich Shpresa Shkalla der grossen Herausforderung, den Bauern klar zu machen, dass zur Herstellung von extra vergine 01 nur frische, mehrheitlich noch grüne Oliven verwendet werden dürfen, die keinen Befall von Olivenfliegen aufweisen. Dieses schwierige Unterfangen, das einen geringeren Ertrag bedeutet, hat natürlich auch seinen Preis. Doch Shpresa Shkalla ist überzeugt davon, dass sich dieser hohe Qualitätsstandard auszahlt. Dass sie bereits heute ein 01 herstellen kann, das den neuen, sehr strengen Anforderungen an die Qualitätsklasse extra vergine entspricht, ist für das schwierige Umfeld in Albanien eine beachtliche Leistung.


Olivenöl aus Albanien, ein ungehobener Schatz...

„Olivenbäume sind so alt wie unser Land”, heisst es in Albanien. Verschiedene Landesgegenden, so auch das Hügelgebiet in der Umgebung von Tirana, sind seit alters her für ihre oft terrassenförmig angelegten Olivenhaine berühmt. Viele Bäume sind Hunderte von Jahren alt. Oliven spielen hier wie in andern Mittelmeerländern eine grosse Rolle im alltäglichen Leben, aber auch im kulturellen Bereich. Früher mussten frisch verheiratete Paare als erstes einen Olivenbaum pflanzen, bevor die Behörden die Heirat anerkannten. Und noch heute gilt die Volksweisheit, ein Mann könne erst heira­ten, wenn er zehn Olivenbäume gepflanzt habe... Wie dem auch immer sei: die typische Bohnensuppe, eines der Hauptgerichte der Landbevölkerung, wird nie serviert, ohne diese kurz mit zwei, drei Löffeln Olivenöl aufgekocht zu haben!
Mit dem Anlegen von Steinmauern wurde früher der Bodenerosion entgegengewirkt. Die Bodenbedeckung mit Mulchgut und dessen Verteilung um die Bäume trugen ebenfalls zur Bodenverbesserung bei. Heute sind diese alten Bewirtschaftungstechniken zum Teil vergessen, doch wachsen in den Olivenhainen weiterhin vielerlei Gräser und Kräuter, die meist ein paar Ziegen und Schafen, seltener einer Kuh als Weide dienen. Damit ist auch für etwas Dünger gesorgt. Die Bedingungen für die Umstellung auf biologischen Landbau sind sehr günstig, denn die
meisten Kleinbauern haben bislang - aus finanziellen Gründen - auf den Einsatz von Chemikalien, z.B. Insektiziden, verzichtet. Und OAA hilft den Bauern, sich zum einen das Wissen ihrer Grossväter wieder anzu­eignen, zum andern, die Landwirtschaft behutsam zu modernisieren.

So werden ,die Oliven weiterhin von Hand, mit einfachsten Mitteln, geerntet. Der Grossteil dient der Selbstversorgung, sei es als Tafeloliven, sei es als 01, das in einer benachbarten Mühle gepresst wird. Überschüsse werden auf dem Binnenmarkt verkauft. Während vielen Jahren bestand übrigens das Angebot der meisten albanischen Läden fast nur aus einheimischem Olivenöl...

Zur Zeit des osteuropäischen Wirtschaftsbündnisses COMECON war auch der ausländische Absatzmarkt gesichert, doch seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme ist der Export bislang völlig eingebrochen. Die Zusammenarbeit mit dem Fairen Handel schafft nun neue, nachhaltige Perspektiven!


Zija Balla – ein typischer albanischer Kleinbauer

Der sechzigjährige Zija Balla ist ein typischer albanischer Kleinbauer. Jahrelang hat er in Tirana als Agrarökonom gearbeitet und am Stadtrand gewohnt, wo er nach wie vor ein kleines Haus besitzt. Doch wie die meisten Albaner hängt er an seinem Heimatdorf und am Leben auf dem Land. Nach dem Regimewechsel ist er in sein Dorf Vrap, das im südlichsten Zipfel des Bezirks Tirana liegt, zurückgekehrt. Mit seiner Frau zusammen bewirtschaftet er heute den kleinen Bauernhof, den er von seinen Eltern geerbt hat. Ihre Kinder leben nicht im Dorf. Beide Töchter sind in der Stadt verheiratet; manchmal kommen sie zu Besuch und helfen auf dem Hof mit. Die zwei Söhne haben Arbeit in Grossbritannien gefunden. Wie seine Vorfahren betreibt Zija Mischwirtschaft und hält ein paar Tiere. Die meisten Erträge dienen der Selbstversorgung. Oliven und überschüssige Feldfrüchte werden verkauft. Zija ist für seine Gastfreundschaft und seinen feinen Humor überall bekannt und wird von den anderen Dorfbewohnern hoch geachtet. Seit sich verschiedene Bauern von Vrap mit Unterstützung von OOA zusammengeschlossen haben, ist er deshalb mit der Koordination der Gruppe betraut.

Zija hängt zudem nicht nur an der traditionel­len Lebensweise, sondern ist bereit, neue Wege zu beschreiten. So hegt er mancherlei Pläne: Er möchte, sobald die Schotterstrasse ausgebessert ist, einen Campingplatz für seine Landsleute und Touristen einrichten. Er denkt auch daran, ein Restaurant im traditionellen Baustil und mit traditioneller Küche zu eröffnen. Wenn ihm dies gelingt, sagt er, könnte einer seiner Söhne aus Grossbritannien zurückkehren und hier arbeiten.
(Quelle: Enilda Doho, Projektverantwortliche bei OOA)

Weiterführende Informationen
zur OAA finden Sie auf : www.organic.org.al,
zu Albanien auf www.albanien .ch

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