YWCA
Dhaka, Bangladesh

- Hintergrund
- Geschichte der Organisation
- Ziele/Leistungen
- ProduzentInnen

Mehrere eigenständige Organisationen in Bangladesh besitzen selber keine Exportlizenz und exportieren über Corr- The Jute Works. Dazu gehört auch die Frauenorganisation YWCA.


Hintergrund

Wie alle claro-Partner in Bangladesh ist auch die Young Womens Christian Association Dhaka (YWCA) anfangs der 1970er Jahre, nach dem Unabhängigkeitskrieg, bzw. nach der Trennung des Landes von Pakistan entstanden, als es galt der Zivilbevölkerung beim Aufbau der zerstörten Infrastrukturen zu helfen. Doch trotz der grossen Anstrengungen zahlreicher einheimischer und internationaler Nicht-Regierungs-Organisationen und der aktiven Beteiligung der Bevölkerung zählt Bangladesh weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der über 144 Millionen EinwohnerInnen leben unter der Armutsschwelle, ohne Zugang zu Land, Nahrung, Geld, medizinischer Versorgung. Machtkämpfe zwischen Opposition und Regierung führen oft zu Bombenanschlägen, blutigen Ausschreitungen und Generalstreiks. Schwere Überschwemmungen wie die Flutkatastrophe im Sommer 2004 (s. claro Aktuell September 2004) und deren weniger sensationellen, doch nicht minder bedrohlichen Nachwirkungen wie Hungersnot, Epidemien, Verlust von Wohnungen und Arbeitsplätzen beeinträchtigen das Alltagsleben und haben viele – an sich nachhaltige – Projekte zunichte gemacht.
Mehr zu Bangladesh finden Sie unter wvvw.bangladesch.org


Geschichte der Organisation
1973 gründete die internationale Frauenorganisation YWCA ein Zentrum in Dhaka, mit dem Ziel, durch die Förderung handwerklicher Tätigkeiten Frauen aus besonders bedürftigen Familien zu würdigen Verdienstquellen und größerem sozialen Ansehen zu verhelfen. Zunächst wurden 18 Frauen ausgebildet und beschäftigt. Dank der Unterstützung durch die europäischen Fair-Handels-Organisationen und der Schwesterorganisation Corr- The Jute Works nahm die Bedeutung des YWCA-Zentrums, das als Nicht-Regierungsorganisation offiziell anerkannt ist, schnell zu. Bereits 1977 war das Ziel der Selbstfinanzierung erreicht. Zum selben Zeitpunkt wurde die Leitung einer einheimischen Frau überantwortet; heute sorgt ein Team von neun Frauen für die Produktentwicklung, die Qualitätskontrolle, die Verwaltung und das Management. Im Gegensatz zu den anderen claro- Partnern in Bangladesh ist YWCA kein Dachverband, der Dutzende von Gruppen betreut, sondern eine relativ kleine Organisation, die heute etwa 400 Frauen beschäftigt. Dementsprechend ist auch die Produktpalette recht beschränkt. Doch dank der Unterstützung durch die italienischen Fair-Handelsorganisation CTM ist YWCA zur Zeit dabei, in Zusammenarbeit mit der claro-Partnerorganisation Selyn aus Sri Lanka (code 239) neue Produkte zu entwickeln.
YWCA verkauft ausschliesslich an Fair-Handelsorganisationen und beteiligt sich aktiv an der nationalen und internationalen Lobby-Arbeit zugunsten des Fairen Handels. So hat diese engagierte Frauenorganisation wesentlich zur Gründung des nationalen Netzwerkes ECOTA Fair Trade Forum beigetragen und ist seit 2002 Mitglied bei der IFAT.


Ziele/Leistungen
YWCA geht es nach wie vor darum, benachteiligten Frauen durch Ausbildung und Vermarktungshilfen im Handwerksbereich zu würdigen Verdienstmöglichkeiten zu verhelfen. Dabei hat sich YWCA auf die Herstellung von Juteprodukten sowie deren Verzierung mit Stickereien spezialisiert. Gleichzeitig führt YWCA seit geraumer Zeit verschiedene Massnahmen durch, die zur ganzheitlichen Bildung der Frauen führen sollen, wie Alphabetisierung, Kurse in Hygiene, Ernährung, Gesundheit, Familienplanung sowie Beratungen zur Verteidigung ihrer Rechte. Dabei wird ganz besonders Wert darauf gelegt, die Frauen in sozialer, spiritueller und ethischer Hinsicht zu fördern und ihnen zu helfen, sich aus eigener Kraft, doch im Dialog mit den männlichen Familienmitgliedern, aus den festgefahrenen, starren Traditionen der mehrheitlich islamisch geprägten Gesellschaft zu befreien.
YWCA finanziert diese Leistungen mit ihren Gewinnen. Da die Organisation mangels Bestellungen zur Zeit weit unter ihrer Produktionskapazität arbeitet, sind ihr freilich Grenzen gesetzt. Dies ist umso gravierender, als die Flutkatastrophe auch zahlreiche Produzentinnen in Mitleidenschaft gezogen hat, und YWCA gegenwärtig Aufbauhilfe leisten muss.
Die Handwerkerinnen äufnen ihrerseits mit einem gemeinsam festgesetzten monatlichen Betrag einen Fonds, der bei Krankheiten oder Notsituationen, in denen sie juristischen Beistand benötigen, beansprucht werden kann.


Produzentinnen
YWCA unterstützt zur Zeit etwa 400 Frauen, die in den Armenvierteln sowie am Rand der Millionenstadt Dhaka leben und aus verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen stammen. Dabei handelt es sich heute nicht nur um allein stehende Mütter, sondern auch um verheiratete Frauen aus benachteiligten Familien, denn als Rikschafahrer, Strassenverkäufer oder Handwerker – den wichtigsten Berufsmöglichkeiten in der Stadt – verdienen die Männer bei weitem nicht genug für den Lebensunterhalt ihrer Familien, die in der Regel vier bis sechs Kinder zählen. Die meisten Frauen führen die Aufträge in Heimarbeit aus und bringen die Produkte ins YWCA - Zentrum; dort sorgen 40 fest angestellte Frauen für die Endverarbeitung, die Verpackung und den Versand.
Oktober 2004/ep

Kalpana Palma stammt aus Bandhakhola, einem Dorf unweit von Dhaka. Ihre Familie gehört zu den unzähligen Kleinbauern, die zwar im angestammten Dorf leben, doch ihr Land verkauft haben. Oft ist dies angesichts von fehlenden Verdienstquellen und steigender Verschuldung die einzige Möglichkeit, zumindest eine gewisse „Galgenfrist” zu erlangen und nicht in die Stadt abwandern zu müssen.

Kalpana 's Vater wollte im Dorf bleiben, auch wenn er nicht mehr sein eigenes Land bewirtschaften konnte. So arbeitete er als Taglöhner bei einem reicheren Bauern, bis er plötzlich starb. Vorher hatten Kalpana und ihre vier Geschwister zwar in äusserst ärmlichen Verhältnissen gelebt, doch gab es jeden Tag wenigstens zu essen. Nach dem Tod des Vaters gelang es der Mutter nicht einmal mehr, fürs Nötigste zu sorgen. In dieser schwierigen Zeit hörte Kalpana von YWCA. Kurzerhand machte sie sich auf den Weg nach Dhaka, klopfte bei YWCA an und fragte die Geschäftsleiterin, ob sie mitarbeiten könne. Obwohl YWCA zwar tagtäglich Anfragen dieser Art erhält, es aber an entsprechenden Aufträgen mangelt, wurde das junge, zielbewußte Mädchen sofort als Lehrtochter aufgenommen. Ferner durfte sie sich im organisationseigenen Gästehaus einquartieren. Da sie sich schnell zu einer geschickten, tüchtigen Handwerkerin entwickelte, wurde sie schon nach drei Monaten als reguläre Mitarbeiterin eingestellt. Fünf Jahre lang wohnte sie weiterhin im Gästehaus. Dann heiratete sie. Heute lebt sie mit ihrem Mann und dem zweijährigen Töchterchen in einem kleinen, bescheidenen Mietshaus, dessen Wände aus Bambusrohren gefertigt sind. Das Essen bereitet sie auf einem einfachen Gasherd zu. Die sanitären Anlagen muss sie, wie die meisten Familien ihres Quartiers, mit mehreren Nachbarn teilen. Ihr Mann verdient als Strassenverkäufer monatlich rund 1500 Taka, Kalpana erhält bei YWCA mehr als das Doppelte. Damit können sie ihren Lebensunterhalt einigermassen decken. Doch für Kalpana zählt auch, dass sie dank der Arbeit bei YWCA selbstständig auf ihren Füssen steht. Ferner hat sie gelernt sich auszudrücken und für ihre Rechte zu kämpfen und fühlt sich heute in der Lage, Zukunftspläne zu schmieden, selbst wenn ihr Haus in diesem Sommer von der Flutkatastrophe beschädigt worden ist und sowohl ihr Mann und sie selbst mehrere Tage lang nicht zur Arbeit gehen konnten. Wie alle Frauen, die für YWCA arbeiten, hofft sie heute, nach der Hut, stärker denn je mehr Bestellungen zu erhalten..."
(Eine „producer-story”, die uns freundlicherweise YWCA zur Verfügung gestellt hat.)


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