- Vorbemerkung
- Geschichte/ Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zur wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung des
Produkts
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Vorbemerkung
Trotz Strassenkontrollen und Abriegelungen, Landkonfiskationen,
trotz der Zerstörung unzähliger Oliven- und Obstbäume und weiterer
landwirtschaftlicher Güter, trotz adminis-trativer Schikanen durch den
israelischen Staat, die ein Exportgeschäft wie die faire Vermarktung von
Olivenöl in einen zeitraubenden, kostspieligen Hürden/auf verwandeln,
setzen sich seit Jahrzehnten verschiedene palästinensische Organisationen,
darunter UAWC, für den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau ihres Landes
und für würdige Le-bensbedingungen der einheimischen Bevölkerung
ein. Angesichts der Hungersnot, der die Menschen in den besetzten Gebieten heute
infolge der Verschärfung des Krieges ausgesetzt sind, versucht UAWC derzeit,
rund tausend Familien die wichtigsten Grundnahrungsmittel zu verschaffen. Der
Verwaltungsrat der claro fair trade AG hat in diesem Rahmen beschlossen, einen
Beitrag zum UAWC-Notfonds zu leisten.
Der Text des nachstehenden Kurzporträts wurde Mitte März geschrieben. Aktuellere In-formationen stehen uns zur Zeit nicht zur Verfügung. Während der Besetzung Ramallahs drang die israelische Armee auch in den UAWC-Sitz ein. Ob dabei die Infrastrukturen ebenso radikal zerstört wurden wie bei PARC, einer anderen Olivenölproduzierenden Gruppe, ist noch ungewiss. Bei Redaktionsschluss war UAWC nicht in der Lage, Auskunft über die Auswirkungen der jüngsten Ereignisse auf die Projektarbeit zu erteilen, geschweige denn Prognosen für die nahe Zukunft, bzw. für die diesjährigen (Oliven-) Ernten aufzustellen. Selbstverständlich bemüht sich claro fair trade, den Kontakt mit den Partnern in Palästina aufrecht zu erhalten und Sie entsprechend zu informieren.
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Geschichte/ Struktur der Organisation
In den 1980er Jahren begannen zahlre-che Landwirtschaftsexperten Kleinbau-ernfamilien
in den seit 1967 besetzten Gebieten ehrenamtlich zu unterstützen. In der
Folge entstanden vielerorts in der Westbank und im Gazastreifen eigen-
ständige Selbsthilfegruppen. 1986
schlossen sich 57 lokale Gruppen auf nationaler Ebene zusammen und liessen ihre
Vereinigung unter dem Namen Union of Agricultural Work Committes (UAWC) als
nicht gewinnorientierte NGO offiziell eintragen. Mittlerweile hat sich UAWC
zu einer Dachorganisation mit rund 50 Freiwilligen, 65 Büroangestellten
und über 200 Feldarbeiter/innen entwickelt, die für die Koordination
mehrerer landwirtschaftlicher Projekte, Ausbildungsprogramme sowie für
die Vermarktung von Agrarprodukten sorgt.
UAWC arbeitet in mehreren Bereichen eng mit PARC (Palestinian Agricultural Relief
Committee) zusammen, einem Fair Trade-Partner, der ebenfalls Agrarprodukte (Couscous,
Mandeln, Oliven und Oliven-öl) im europäischen Weltladen-Netz vermarktet.
Als 1991 — im Zusammenhang mit dem Golfkrieg sowie der Steigerung der
Produktion in Jordanien — der arabische Markt für Olivenöl aus
Palästina zusammenbrach, lancierte UAWC ein Pilotprojekt zur Förderung
der Herstellung von Olivenöl und dessen Vermarktung in Europa. 1993 konnten
dank der Zusammenarbeit zwischen dem „Verein Palästina-Aufbauprojekt“
und dem „Christlichen Friedensdienst Zürich“ erstmals 1700
Liter in der Schweiz verkauft werden. Bis zur claro-Gründung liefen die
Bestellungen über das Regionallager Zürich.
Ziele/Leistungen
UAWC beabsichtigt mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und Verdienstquellen
im landwirtschaftlichen Bereich die Le-bensbedingungen der Mitglieder zu verbessern.
Gleichzeitig soll damit der wei-teren Beschlagnahmung palästinensischer
Gebiete zu Siedlungs- und Militär-zwecken Einhalt geboten werden.
Zu den einkommensschaffenden Projek-ten gehören nebst der Herstellung von
erstklassigem Olivenöl u.a. die Bienenzucht — worin insbesondere
Frauen aus-gebildet werden — der Anbau von Salbei, Thymian, Kamille sowie
die Produktion von Saatgut und Baumsetzlingen sowie 0l ivenöl-Seife.
Hauptleistung des Olivenölprojektes ist es, die Bauern und Bäuerinnen soweit auszubilden, dass sie in der Lage sind, den Produktionsprozess zu steuern und exportgerechtes 01 herzustellen; de-mentsprechend wurden zahlreiche Schulungen und Beratungen durchgeführt. Traditionell wird nämlich in Palästina aus Geschmacksgründen, aber auch mangels knowhow 01 mit einem allzu hohen, ja gesundheitsschädlichen Säuregrad erzeugt. Inzwischen ist es UAWC dank der Zusammenarbeit mit einem italieni-schen Experten gelungen, kalt gepresstes Olivenöl „Extra Vergine“, dessen Säuregehalt unter 1 % liegt zu produzieren wie es den hohen Ansprüchen der europäischen Abnehmer entspricht.
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Produzentinnen
Zur Zeit stammt das Olivenöl von UAWC aus der Westbank, genauer gesagt
aus mehreren Dörfern, die im Einzugsgebiet von Ramallah und Nablus liegen;
UAWC hofft, bei entsprechenden Bestellungen in Zukunft Kleinbauern aus anderen
Gegenden, insbesondere aus dem Norden Palästinas einbeziehen zu können.
Das 01 wurde bisher in kleinen Dorfbe-trieben gepresst und anschliessend in
die UAWC-Zentrale transportiert. UAWC möchte eine eigene, zentrale Presse
einrichten, doch fehlt es vorderhand an den nötigen finanziellen Mitteln.
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Zur wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung des Produkts
Oliven und Olivenöl stellen bislang den wichtigsten Wirtschaftsbereich
Palästinas dar; sie bringen etwa einen Drittel der gesamten Agrarerlöse
ein, bzw. 13 % des BNP. 1996 liessen über 46‘800 Kleinbauern den
Hauptteil ihrer Olivenernte in 230 Dorfpressen zu 01 verarbei-ten.
In den letzten Jahrzehnten wurden Tau-sende von Olivenbäumen gepflanzt:
Zum einen gedeihen sie auch auf den kargen, äusserst trockenen Böden
Palästinas (in der Westbank wird über 80 % des Was-serbestands von
den israelischen Kolonien genutzt!), zum anderen kommen sie ohne grosse Pflege
aus, so dass die Ernte nicht unbedingt verloren ist, wenn die Bauern vor der
Reifezeit durch israe-lische Strassensperren verhindert werden, ihren Hain aufzusuchen.
Gleichzeitig stellen Olivenbäume eine wirtschaftliche Nutzung der Parzellen
dar, so dass diese im Prinzip weniger Gefahr laufen, wegen „Nichtnutzung“
konfisziert zu werden.
Seit Beginn der 2. Intifada, die im September 2000 einsetzte, wächst aber
die Zahl der Olivenbäume, die von israelischen Truppen entwurzelt werden,
ins Uferlose... Ganz zu schweigen vom Anschnellen der Anzahl Checkpoints, die
jegliche Aktivität der Palästi nenser/ innen erschweren, ja unterbinden.
So ist nun auch dieser Bereich wenn nicht bereits weitgehend zerstört,
so zumindest schwer geschädigt. Mancherorts werden bereits wieder neue
Setzlinge vorbereitet — wird es der Bevölkerung dank ihrem zähen
Überlebenswillen gelingen, die Ernten weiterhin einzubringen?
Mai 2002/ep
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