SIPA
Chennai, Indien
Geschichte/ Struktur der Organisation
In Chennai, wie die von den britischen Kolonialherren „Madras" getauf-te
Hauptstadt des Tamil Nadu neuerdings heisst, wurde anfangs der 1980er Jahre
mit Hilfe der Fair Trade-Organisation OXFAM UK ein Treffen organisiert, bei
dem Produzentengruppen und Nichtregierungsorganisationen über ihre Erfahrungen
und Probleme im Handwerksbereich diskutierten. In der Folge kam es zur Gründung
der Federation of South India Producer Association, kurz SIPA genannt.
Startkapital stellte, u.a., das HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirche Schweiz)
zur Verfügung.
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SIPA ist seit 1986 als nicht gewinnorientierte Dienstleistungsorganisation
offiziell anerkannt, funktionierte aber von Anfang an als Dachverband gleichberechtigter
Mitgliedergruppen; dementsprechend trifft die jährliche Generalversammlung
die grundlegenden Entscheidungen und ernennt den Vorstand, der sich regelmässig
zur Besprechung des Jahresprogrammes trifft.Verschiedene in Kommissionen
bearbeiten Themen wie „Marketing", „Finanzen" oder „Entwicklungs-
und Sozialprojekte" und vermitteln dem Vorstand Analysen und Vorschläge. Sitz und Verwaltung des Verbandes befinden sich in Chennai; für die Geschäftsleitung sorgen vier, für die laufenden Büroarbeiten, bzw. die Exportabwicklung sorgen 23 Angestellte. Als Verfechterin fairer Handelskriterien war SIPA 1989 an der Gründung der International Federation of Alter Trade (IFAT) beteiligt und gehört nach wie vor zu deren aktivsten Mitgliedern. SIPA hat ebenfalls massgebend zur Vernetzung mehrerer indischer Fair-Handelspartnern beigetragen; dieses Fair Trade Forum India tritt seit April 2000 vielfach gemeinsam auf. |
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Ziele/Leistungen
SIPA geht es in erster Linie darum, mit der Förderung, bzw. fairen Vermarktung
von Handwerk besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen - insbesondere
Frauen, Behinderte, Leprakranke, ... - zu unterstützen. So strengt sich
SIPA an, den Leitsatz „Lernen durch Teilen" auf allen Organisationsebenen
umzusetzen und die Mitglieder zum eigenen, verantwortungsvollen Handeln zu befähigen.
Dabei wird versucht, ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen und den
sozialen Fördermassnahmen herzustellen.
Ein eigenes Bildungszentrum, das „Human Ressourcen ans Entrepreneurship
Development Centre", bietet - auch für Aussenstehende - dementsprechend
Kurse in verschiedenen Bereichen an, wie z.B. Aus- und Weiterbildung in traditionellen
und neuen Handwerkstechniken, Produkteentwicklung, Gesundheitsvorsorge, frauenspezifische
Entwicklungsprogramme... Ein grosses Anliegen gilt der Vernetzung der Grup-pen,
dem Informationsaustausch und der Steigerung der Absätze auf dem Binnenmarkt.
Als Höhepunkt dieser Bemü-hungen konnte im März 2000 mitten im
Zentrum von Kenia ein grosses Geschäft - SIPA's Craftlink - eröffnet
werden; in diesem „Fair Trude Handicrafts shoppé" sind nebst den
SIPA-Mitgliedern auch Gruppen anderer Organisationen wie Tara (claro code 262)
oder Sasha (claro code 226) vertreten. Auf politischer Ebene setzt sich SIPA
u.a. für eine Änderung, bzw. Demokrati-sierung des Genossenschaftswesens
ein, das in der jetzigen Gesetzgebung dem Staat untersteht und allzu oft von
korrupten Funktionären verwaltet wird. Über die Verwendung der Gewinne
aus dem Export bestimmt die Generalversammlung; in der Regel benutzt SIPA die
eine Hälfte als Beitrag zur Finanzierung der Dienstleistungen; die andere
Hälfte wird unter einer bestimmten Anzahl von Mitgliedergruppen verteilt,
die frei entscheiden können, ob sie das Geld in ihre Produktion investieren,
als Rotations-fonds äufnen oder für soziale Belange verwenden.
| Produzentinnen
SIPA zählt mittlerweile mehr als 50 Mitgliedergruppen, verstreut in den fünf südindischen Bundesstaaten Tamil Nadu, Kerala, Karnataka, Pondicherry und Andhra Pradesh; nur knapp die Hälfte davon produziert Artikel für den Export, fast ausschliesslich an Fair-Handelsorganisationen. Unter den 9000 Handwerkerinnen stel-len die Frauen den grössten Anteil. Produkte aus SIPA-Gruppen gibt es im claro-Sortiment seit vielen Jahren; schon 1985 importierte OS3 - wie claro damals noch hiess - Webartikel der Bethany Leprosy Colony Association, übrigens eines der Gründungsmitglieder von SIPA. Wie der Name besagt, handelt es sich um eine „Kolonie", bzw. eine Gemeinschaft von Leprakranken und deren Familien, die seit 1965 in Bethany, einem Dorf in der Nähe von Bapatla im Bundesstaat Andhra Pradesh, im äussersten Süden Indiens, versucht, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Leprakranke waren damals - selbst nach ihrer Heilung - von der Gesellschaft völlig verstossen; zwar hat sich die Situation im Lauf der Jahre et-was verbessert, doch finden die meisten angesichts ihrer Körperbehinderungen sowie der weiterhin schwelenden Vorur-teile und Ängste vor Ansteckung nur sel-ten Arbeit. Um so wichtiger sind Organisationen wie die Bethany Association, die seit 1980 Rehabilitations- und Haus-bauprogramme durchführt, für den Schulbesuch der Kinder sorgt - u.a. mit der Einrichtung einer Krippe und einer Primarschule - und für die Erwachsenen Alphabetisierungskurse organisiert. |
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Alle Mitglieder und deren Kinder erhalten in der eigenen Krankenstation
eine umfassende medizinische Betreuung und kostenlose Medikamente. Für
ältere Menschen gibt es ein spezielles Programm;so arbeiten sie zum
Beispiel - gegenEntgelt - in der Gemeinschaftsküche mit. Im
Notfall verschafft Bethany
Essen, Kleidung sowie etwas Bargeld. Die meisten
Familien bewirtschaften ein kleines Stück Land zur Selbstversorgung,
manche betreiben etwas Fischzucht. Zur Schaffung von festen Arbeitsplätzen hat Bethany schon vor Jahren eine Web-und Nähatelier eingerichtet. Heute sind dort rund 170 Frauen und 50 Männer - dank der Aufträge, die SIPA von den Fair-Handelsorganisationen erhält - voll beschäftigt; sie stellen Baumwollstoffe auf kleinen Bandwebstühlen oder auf den etwas breiteren Handwebstühlen her und verarbeiten diese zu verschiedenen Fertigprodukten wie z.B. zu den Krishna-Taschen im claro-Sortiment. |
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| Im Rahmen der „Madres del Mundo"-Plakate, die claro alljährlich zum Muttertag veröffentlicht, wurde für 2003 das Bild einer jungen Handwerkerin aus Pondicherry ausgewählt; Kannan Kalpana ist nämlich an der Herstellung der „Kerzen in Tonschälchen Fleurs" (Art.Nr. 229.005 und 229.262) beteiligt, die claro speziell für den diesjährigen Muttertag beim SIPA-Mitglied Society for Crafts service (SCS) bestellt hat. Diese Dienstleistungsorganisation entstand 1996 mit Unterstützung durch SIPA; | |
| sie betreut in der Umgebung von Pondicherry
verschiedene Handwerksgruppen, darunter auch Kannan Kalpana's Gruppe, die
sich auf Tonwaren und Kerzen spezialisiert hat und derzeit 37 Frauen und
17 Männer beschäftigt. Die Handwerkerin-nen stammen aus Kleinbauernfamilien,
die hauptsächlich zur Selbstversorgung Reis, Linsen und Gemüse
anbauen. Die Handwerksproduktion stellt meist die einzige Möglichkeit dar, Bargeld zu verdienen, bei SCS erhalten die Produzentinnen - anders als sonst üblich - korrekte Preise. |
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Was ist Lepra?
Lepra, auch Aussatz genannt, ist eine der ältesten Infektionskrankheiten
der Menschheit. Die Übertragungsweise des Erregers ist nach wie vor nicht
eindeutig geklärt; schlechte Ernährung, schmutziges Wasser und beengte
Wohnräume scheinen allerdings eine Rolle zu spielen.
Die Ansteckungsgefahr ist jedoch wesentlich geringer als früher angenommen.
Lepra kann nur im Direktkontakt übertragen werden, sie ist auch nicht vererbbar.
Die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit kann Monate, bisweilen auch Jahre dauern.
Entscheidend für den Krankheitsverlauf ist - wie immer - der Allgemeinzustand
der Infizierten. Des-halb ist Lepra besonders in Bevölkerungsgruppen verbreitet,
die ohnehin unter Mangelerscheinungen, Hunger und Armut leiden.
Heute ist Lepra zwar heilbar, doch lässt sie Spuren und Behinderungen zurück, die ehemalige Leprakranke lebenslang beeinträchtigen. Die häufigsten Verstümmelungen betreffen die Haut, das Gesicht, manchmal die Augen sowie Füsse und Hände. Oft sind gewisse Körperteile gelähmt oder unempfindlich, vielfach führt dies zu neuen Verletzungen und zur Infektion offener Wunden.
Heutzutage leiden schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen weltweit an Lepra, jedes Jahr gibt es etwa 700'000 Fälle von Neuerkrankungen, im Jahr 2001 waren es der Weltgesundheitsorganisa-tion (WHO) zufolge sogar 790'000 (Quelle: medicine-worldwide).
Die Länder mit den meisten Leprakran-ken sind Indien, Brasilien, Bangladesh, Myanmar und Nigeria, aber die meisten ärmeren Entwicklungsländer sind eben-falls betroffen. Aus bisher unbekannten Gründen ist die Krankheit im 16. Jahr-hundert in Europa bis auf ein paar iso-lierte Orte fast ausgestorben.
Weitere Informationen zu SIPA, bzw. ver-schiedenen Mitgliedsgruppen finden Sie auf www.sipacrafts.com oder www.peoplink.org/sipa
Mai 2003/ep