Sindyanna oft Galilei

Mahd al Krim und Jaffa, Israel

- Geschichte / Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen


Geschichte / Struktur der Organisation

In Israel setzen sich zahlreiche Gruppen für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung sowie ihrer arabischen Mitbürgerinnen ein; eine davon ist Sindyanna of Galilei ("Eiche aus Galiläa"), ein Zweig der jüdisch-arabischen Menschenrechtsorganisation Hanitzotz - A Sahara, die seit 1985 unter dem Motto "Bewusstwerden und Handeln" in verschiedenen Bereichen aktiv ist. Seit 1992 arbeitet Hanitzotz in erster Linie im Einzugsgebiet von Mahd al Krim, einer arabischen Gemeinde im westlichen Galiläa; eine der Hauptleistungen ist der Aufbau der zwei gleichnamigen Kulturzentren Al Aqua in Mahd al Krim und Jaffa, denen die Durchführung verschiedener sozialer Projekte obliegt; Zielgruppe sind dabei vor allem Frauen. In diesem Rahmen kam es 1996 zur Gründung von Sindyanna oft Galilei, ein nicht gewinnorientierter Verein, dessen Leitung von Anfang an in Frauenhänden liegt. Wie Hanitzotz besteht auch Sindyanna ohne Unterscheidung aus jüdischen und arabischen Mitgliedern, die mehrheitlich als Volontäre arbeiten. Beide Organisationen .eisen demokratische Strukturen auf; bei Sindyanna .erden auch alle Produzentinnen zur jährlich stattfindenden Generalversammlung eingeladen.
Sindyanna, eine der zwei einzigen FairHandelsorganisationen Israels, setzt seit der Gründung die Kriterien des Fairen Handels um und steht in Kontakt mit dem palästinensischen claro-Partner UAWC (code 440). Die Organisation hat an der diesjährigen IFAT-Konferenz teilgenommen und die Mitgliedschaft beantragt. Sie ist auch im Biobereich Pionierin; so hat sie erstmals in Israel die Zertifizierung für Olivenöl arabischer Herkunft erlangt.


Ziele/Leistungen

Eines der Hauptziele von Hanitzotz und Sindyanna ist es, eine Brücke zwischen Juden und Arabern zu schlagen, um gemeinsam für die Gleichberechtigung der nicht jüdischen Bevölkerung Israels und für die Anerkennung Palästinas zu kämpfen. Die beiden Organisationen arbeiten eng zusammen, wenn auch mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Hanitzotz ist auf Öffentlichkeitsarbeit in Israel, in den Besetzten Gebieten sowie im Ausland spezialisiert und informiert mit Medienarbeit und Menschenrechtskampagnen über die Diskriminierung der arabischen Bevölkerung im eigenen Land und in Palästina. Bei Sindyanna geht es darum, wirtschaftliche Grundlagen, bz.. Verdienstquellen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu schaffen und zu festigen.

So konzentriert sich die Organisation auf die Bereiche, die direkt mit Produktion und Vermarktend zu Dun haben, wobei sie sich im erster Linie für die Aufwertung des Olivensektors und die faire Vermarktend von Fertigprodukten (biozertifiziertes Olivenöl, Olivenseife, Za'atar Gewürzmischung) einsetzt. Am vielem Aktionen - beispielsweise der juristischen Verteidigung vom Landtiteln oder der Pflanzend vom gratis verteiltem jungen Olivenbäumen durch Volontäre, um Land vor der Konfiszierend zu schützen - sind beide Organisationen beteiligt.

Ein eben so wichtiges Anliegen gilt der Förderung der Frauen, die im islamisch geprägtem Kulturkreis mach wie vor besonders benachteiligt sind. Hanitzotz führt seit Jahren zahlreiche frauenspezifische Projekte durch; Sindyanna schafft nicht nur in erster Linie Arbeit für Frauen, sondern bindet die Produzentinnen im diese Projekte ein. Aufgrund der Isolierend der palästinensischen Bevölkerung ist es freilich zur Zeit nahezu unmöglich, im dem Besetzen Gebieten Treffen und Veranstaltenden zu organisieren.



Produzentinnen
Vorbemerkung
Angesichts der Spannungen zwischen Israel un d den Bürgerinnen arabischen Ursprungs sowie den Verhältnissen in den Besetzten Gebieten - insbesondere seit der zweiten Intifada - hütet sich Sindyanna, in ihren Informationen die Produzentinnen genauer zu identifizieren, um diese und die eigene Organisation nicht zu gefährden. Sindyanna arbeitet vorwiegend mit Kleinbauernfamilien und Kleinproduzentinnen, die im Israel leben; Hauptgebiete sind der westliche Teil vom Galiläa, bzw. die Gemeinde Mahd al Krem sowie die Umgebung von Nazareth. Vereinzelt hat die Organisation Kontakte zu Produzentinnen in der Westbank, insbesondere im der Gegend vom Nablus. Während das Team und das Personal von Sindyanna Juden und Araberinnen vereint, gehören die Produzentinnen ausnahmslos der arabischen Bevölkerung an. Die Olivenseife, die claro neu ins Sortiment aufgenommen hat, stammt aus Nablus, dem im ganzen Nahem Osten berühmtem Produktionszentrum - genauer gesagt aus einem kleinen Familienbetrieb, der 10 Menschen beschäftigt.
Während der häufigem Ausgangssperren, die auch über Nablus verhängt werden, liegt der Betrieb freilich am vielem Tagen still; im „normalen" Zeiten arbeiten deshalb die Produzentinnen, die den Lebensunterhalt ihrer Grossfamilien bestreiten müssen, fast rund um die Uhr...

Die Seife wird im traditionellen Verfahren hergestellt. Für die Qualitätskontrolle und die Verpackung wird sie von Sindyanna aus der Westbank ins Lagerhaus in Majd al Krim transportiert; zur Vermeidung der Checkpoints werden dabei Langstrecke Nebenstrassen benutzt. Während einer besonders langen Ausgangssperre musste die Seife gar auf Schmuggelwegen nach Israel gebracht werden!
Für die Herstellung der Za'atar-Gewürzmisching sorgen mehrere Familien aus der Gegend von Nazareth; die Kräuter - in der claro-Mischung handelt es sich um arabischen Majoran - pflücken sie auf den Hügeln, die ihre Dörfer umgeben. Neuerdings ist Wildpflückung von Za'atar in Israel allerdings verboten, obwohl es nach wie vor Kräuter in Hülle und Fülle gibt und von Raubbau nicht die Rede sein kann. Gleichzeitig wird den arabischen Bauern die obligatorische Lizenz für Kräuteranbau verweigert. Zweifellos zielen beide Massnahmen darauf, eine allfällige Konkurrenz durch arabische Kleinbauern auszuschalten und die Za'atar-Produktion der jüdischen Siedler zu fördern, die ohnehin dank modernen Landwirtschaftsmethoden und künstlicher Bewässerung grössere Mengen anbieten können. Die Vermarktung der Za'atar-Mischung durch Sindyanna setzt wichtige Zeichen: zum einen handelt es sich um eine der wenigen, wenn nicht einzigen Verdienstquellen für die beteiligten Familien, zum andern unterstützt Sindyanna den Widerstand der Kleinproduzentinnen gegen diese ungerechten Massnahmen.

Mehr zu Sindyanna finden Sie auf www.sindyanna.com, zu Hanitzotz auf www. hanitzotz.com.
September 2003/ep

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