Cooperativa Integral de Producción Artesanal San Pedro
Unido R.L (CreArte)
Dep. San Marcos/Guatemala (Handwerkartikel,
Hängematten)
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Organisation
Nach dem Scheitern eines gemeinsamen Hühnerzucht-Projektes gründete eine Gruppe von Kleinbauernfamilien in Tonala, einer Gemeinde im Westen Guatemalas, nahe der Grenze zum mexikanischen Bundesstaat Chiapas, die gleichnamige Handwerksgenossenschaft. Da sich das Einzugsgebiet im Laufe der Zeit auf den gesamten Bezirk von San Pedro erweiterte, wurde sie dementsprechend umgetauft. Heute zählt die Cooperativa Integral de Producción Artesanal San Pedro Unido R.L. 70 Mitglieder je zur Hälfte Frauen und Männer; grösstenteils handelt es sich um Ehepaare, die ihre Arbeit gemeinsam verrichten.
Die Produktion von San Pedro Unido - ausschliesslich handgewebte Baumwolltextilien -wird seit vielen Jahren, z.T. auch über den Fairen Handel, exportiert. Im Jahr 2000 konnten die ersten Beziehungen zu CreArte geknüpft werden. Diese guatemaltekische Organisation entstand 1998 im Rahmen der lateinamerikanischen Vereinigung für faire Vermarktung Crecer, der weitere Faire Handelspartner (Proarte, Copavic, Xochiquetzaf) angehören. Heute ist CreArte als anonyme Gesellschaft unter dem Namen International Fair Trade Co. offiziell registriert; Crecer besitzt 51 % des Kapitals. Ihr Hauptziel ist die Schaffung würdiger Verdienstquellen zugunsten von organisierten Kleinproduzentlnnen sowie die Förderung des guatemaltekischen Handwerks.
Zur Zeit unterstützt CreArte drei Genossenschaften, zwei organisierte H andwerkergru ppen sowie fünf Kleinbetriebe. Seit 1999 wird CreArte von Fair Trade Organisatle (FTO), dem niederländischen EFTA Mitglied, in verschiedenen Bereichen (insbes. Entwicklung neuer Produkte, Qualitätsverbesserung, Stärkung der Organisation) finanziell gefördert. In diesem Rahmen veranlasste claro die Lancierung der neuen Produktelinie Hängematten, deren Ausführung den Mitgliedern der Genossenschaft San Pedro Unido zusätzliche Verdienstquellen eröffnet hat.
Die Kooperative San Pedro Unido ist offiziell anerkannt und verfügt über die vorgeschriebenen Instanzen; die oberste Entscheidungskompetenz liegt bei der Generalversammlung. Zur Zeit beschäftigt sie zwei Angestellte. Zur Deckung der Unkosten wird den Mitgliedern bei der Vermarktung der Produkte eine Marge von 5 % verrechnet; ausserdem werden Kleinkredite gewährt, deren Zinsen (2 % monatlich) in den Rotationsfonds fliessen. Produzentinnen
Alle Genossenschaftsmitglieder stammen aus dem Maya-Volk Mam. Sie leben in San lsidro Chamac und Llano Grande, zwei Dörfern des Bezirkes San Pedro, und bewirtschaften ein Stück Land zur Selbstversorgung. Der Verkauf von Kartoffeln, Karotten und Salathäuptern auf dem Lokalmarkt bringt etwas Geld ein; zur Zeit sind Verhandlungen im Gange, um einen Teil der Agrarprodukte auch in Guatemala City vermarkten zu können.
Die Produktion wird in Heimarbeit auf insgesamt 43 Pedal-Webstühlen ausgeführt. Gewöhnlich sorgen die Männer für das Weben der Stoffe - eine harte, kräfteraubende Arbeit. Die Frauen helfen beim Aufziehen der Kettfäden, bestellen die Felder und sind als Kleinhändlerinnen tätig. Die Bevölkerung von San Pedro ist berühmt für ihre traditionelle Webkunst. Früher diente sie ausschliesslich dem Eigenbedarf. Heute verschafft die Herstellung von Textilien hier wie anderswo einen dringend notwendigen Zusatzverdienst. Doch ist dieser Erwerbszweig inzwischen stark bedroht. Zum einen wird der nationale Baumwollmarkt von einigen wenigen Monopolgeselischaften beherrscht, die eine ausbeuterische Preispolitik betreiben, so dass das Rohmaterial immer teurer wird. Zum anderen wächst die Konkurrenz durch multinationale Industriebetriebe, den sogenannten Maquilas, ins Uferlose. In diesen Betrieben werden halbfertige lmportprodukte zu Niedrigstpreisen fertiggestellt und exportiert; doch die Arbeits- und Lohnbedingungen laufen den elementarsten Forderungen der Internationalen Arbeits-Organisation (IL0) zuwider. Mindestens 75 % der Belegschaft sind Frauen unter 18 Jahren, die meist weder lesen noch schreiben und nur selten ihre Rechte wahrnehmen, geschweige denn verteidigen können. Anwendung von Gewalt, (sexuelle) Ausbeutung, willkürliche Entlassungen sind gang und gäbe. Schreiten Gewerkschaftsvertreterlnnen ein, wird der Betrieb anderswohin verlegt.
Für die Mitglieder der Genossenschaft San Pedro Unido hat sich im finanziellen und sozialen Bereich bereits vieles verbessert, so dass sie sich weder veranlasst sehen, in die Stadt abzuwandern noch genötigt sind, in einem Maquila-Betrieb zu schuften. Doch ist das Ziel der Vollbeschäftigung noch nicht erreicht. Die Ausführung der Hängematten für claro ermöglicht nun einen wichtigen Zusatzverdienst. Genäht werden die Hängematten in einem kleinen Familienbetrieb in Chimaltenango.
Guatemala ist für die ausserordentliche Vielfalt von farbenprächtigen
Stoffen und Trachten berühmt; je nach Stammes- oder Dorfzugehörigkeit weisen
die Stoffe, bzw. die Kleider die unterschiedlichsten Muster und Farben auf.
Weniger bekannt ist wohl, dass dieser Reichtum von den spanischen conquistadores
nicht nur gefördert, sondern aus strategischen Gründen geradezu verordnet worden
ist: Anhand ihrer spezifischen Tracht konnten die indigenen Bevölkerungsgruppen
jeweils mühelos identifiziert und kontrolliert werden.
Bei San Pedro Unido wird einheimisches, synthetisch gefärbtes Baumwollgarn verwoben.
Grundsätzlich ist die Genossenschaft zur Neueinführung von pflanzengefärbtem
Garn bereit. Doch setzt dies voraus, dass die Fair-Handelspartner Bereitschaft
zeigen, entsprechend höhere Preise in Kauf zu nehmen.
Die Hängematte nimmt bei vielen indigenen Völkern buchstäblich und symbolisch einen wichtigen Platz ein. Das "Bett des Windes", auch "Halbmond des Schlafes" genannt, ist vielerorts noch heute für unzählige Familien eines der einzigen "Möbelstücke"; kleinere Modelle dienen als Sitzgelegenheit.
Die Hängematten bestehen aus reiner Baumwolle und färben nicht
ab; sie können in der Maschine bei 400° gewaschen werden.