Salay Handmade Paper Industries, Inc. (SHAPII)
Salay, Philippinen

- Geschichte und Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen

ProduzentInnen
- 1. Zutieferanten
- 2. Produzenten und Betriebsangestellte
- Zum Produkt


Geschichte und Struktur der Organisation
Während mehr als 24 Jahren herrschten auf der Insel Mindanao im Süden der Philippinen bürgerkriegsähnliche Zustände; zwar setzte diesem die Unterzeichnung eines Friedensabkommens 1997 ein — zumindest formelles — Ende, doch schwelen die Konflikte zwischen der Regierung und verschiedenen Rebellen-gruppen weiter. Nach wie vor werden die Auseinandersetzungen auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausgetragen — Zerstörung der Ernten und Häuser, Geiselnahmen und willkürliche „Hinrichtungen“... Tausende von Menschen sehen sich genötigt, aus entlegenen, besonders unsicheren Gebieten in Stadt-nähe zu fliehen.
So haben auch viele Familien seit den 1980er Jahren Zuflucht in Salay gefunden. Der Grossteil der Bevölkerung dieser kleinen Küstenstadt in der Provinz Misamis Oriental, zu deren Einzugsgebiet 18 Dorfgemeinden gehören, versucht seit eh und je mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft und Fischfang zumindest die Selbstversorgung sicher zu stellen. Verdienstmöglichkeiten sind in Salay, wie in allen Landesgegenden, äusserst selten.
Als einzige Alternative, die nachhaltige Perspektiven ermöglicht hat, zählt die Herstellung von handgeschöpftem Papier aus Naturfasern und dessen Verarbeitung zu verschiedenen Papeterie-Artikeln, ein bisher unbekanntes Handwerk auf Mindanao. Die Gründung dieses Pilotprojekts geht auf die Initiative eines Ehepaars aus Salay zurück, das anfangs der 1980er Jahre Arbeitsplätze für die Angehörigen von vertriebenen Familien schaffen wollte. Mit Unterstützung der philippinischen Nicht-Regierungsorganisation People ‘s Economic Council (PEC) wurde 1987 ein Atelier mit 10 Angestellten in Betrieb genommen. 1990 liess sich Salay Handmade Paper Industries (SHAPII) als Aktiengesellschaft offiziell eintragen; mangels finanzieller Mittel musste damals auf die Gründung einer Stiftung oder einer Genossenschaft verzichtet werden. Im Hinblick auf grössere Transparenz konnten nun vor kurzem die Grundlagen zu einer Stiftung geschaffen werden; dieser obliegt künftig die Verantwortung für die Verwendung der Gewinne und die Ausführung der sozialen Aktivitäten. Doch hat SHAPII von Anfang an Wert darauf gelegt, die Arbeiterinnen nicht nur an den Entscheidungen, sondern auch am Betriebskapital zu beteiligen. Arbeiterinnen, die Anteilscheine erwerben möchten, wird ein Teil des Lohnes abgezogen, bis genügend Geld vorhanden ist. Bisher stammen 14 der 50 Aktionäre aus der Arbeiterschaft.
Leseraum
Sitz und Betrieb von SHAPII befinden sich in Salay, wo es bisher keine Telefonanschlüsse gibt; deshalb wird ein Teil der Verwaltung in der etwas grösseren Stadt Cagayan de Oro (per Bus eine Fahrstunde entfernt) abgewickelt. SHAPII verfügt seit 1991 über eine eigene Exportlizenz.
Die Hauptkunden sind Fair-Handels-organisationen in Europa und den Vereinigten Staaten. Seit Ende 2002 ist SHAPII Mitglied bei IFAT (International Federation of Alternative Trade), deren Prinzipien seit Jahren für die Ziele und Leistungen des Betriebes massgebend sind.

Computer-Unterricht


Ziele/Leistungen

Zu SHAPII‘s Hauptzielen gehört es, der einheimischen Bevölkerung in Stadt und Land Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten sowie mit der Aufwertung von natürlichen, meist ungenutzten Ressourcen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Ein wichtiges Anliegen ist ferner, die Frauen — die meist keinen Schulabschluss haben — nicht nur im Produktionsbereich auszubilden, sondern auch dazu zu befähigen, verantwortlich, selbständig und kreativ zu handeln. SHAPII hält sich an eine transparente Lohn- und Preispolitik, wobei der offizielle Mindestlohn berücksichtigt wird, und gewährt überdurchschnittlich gute Sozialleistungen, u.a. sowohl im Gesundheitsbereich als in der Altersvorsorge. SHAPII übernimmt auch die Schulkosten von bisher 21 Kindern und organisiert Englisch- und Informatikkurse für alle Angestellten und ArbeiterInnen! 1994 wurde eine Sparkasse gegründet, die von einer Gruppe von 40 ArbeiterInnen eigenständig verwaltet wird. Im Jahr 2001 entstand ferner eine Genossenschaft, die 120 Mitglieder zählt und für die Bereitstellung
kleiner Darlehen sowie die Führung eines organisationseigenen Lebensmittelladens sorgt.
Zur Steigerung der Verkäufe führt SHAPII mehrere Massnahmen durch; ausser der ständigen Produktentwicklung durch professionelle MitarbeiterInnen wird grosser Wert auf Austausch und regelmässige Kontakte mit Papierproduzenten und Spezialisten, insbesondere aus Japan, gelegt.


Produzentinnen
1. Zutieferanten
So weit wie möglich bezieht SHAPII das Rohmaterial für die Papierherstellung —fasrige Pflanzen — bei Kleinbauernfamilien aus der näheren Umgebung, bzw. dem gebirgigen Hinterland von Salay, die ganz besonders hart von den Konflikten zwischen Regierung und Rebellen betroffen sind. Anfangs brachten die Bauern das Pflanzengut mit einer Büffelfuhre in die Stadt; heute wird es in der Regel im Auftrag von SHAPII von einem motorisierten Transportmittel im Produktionsgebiet abgeholt. Die Kleinbauern erhalten einen korrekten Preis für das Pflanzengut und können mit Abnahmegarantien rechnen. Doch ist es angesichts der politischen Unruhen oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Rohmaterial aus gewissen Berggebieten zu beziehen. Nichtsdestotrotz versucht SHAPII, den Kontakt mit den betroffenen Dorfgemeinschaften aufrecht zu erhalten und diesen mitzuteilen, dass sie weiterhin auf Unterstützung rechnen können! Im Notfall kauft SHAPII das Rohmaterial vorübergehend auf dem Lokalmarkt ein.


2. Produzenten und Betriebsangestellte

Insgesamt beschäftigt SHAPII heute über 370 Angestellte, mehrheitlich Frauen; allerdings handelt es sich bisher — mangels Aufträgen — nicht um eine Vollzeitbeschäftigung rund ums Jahr, doch gibt es in Salay keine anderen nennenswerten Verdienstmöglichkeiten...
Im zentralen Gebäude stellen etwa 60 Menschen das Rohpapier her, weitere 40 sorgen für dessen Weiterverarbeitung zu verschiedensten Papeterieartikeln; 12 Mitarbeiterinnen sind für die Produkteentwicklung zuständig, etwa 25 für die Koordination, die Verwaltung und die Vermarktung. Die Verzierung der Gegenstände mit Trockenblumen und anderen dekorativen Elementen ermöglicht etwa 195 Heimarbeiterinnen, den Lebensunterhalt ihrer Familien zu bestreiten und den Schulbesuch der Kinder zu bezahlen; zur Schonung ihrer Sehkraft hat SHAPII ausserdem den Anschluss an das öffentliche Stromnetz finanziert! Für viele Frauen hat die Arbeit für SHAPII ganz entscheidend zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins geführt und darüber hinaus ihre Stellung innerhalb der Familie verbessert!
Seit 2002 betreut SHAPII ferner eine Frauengruppe aus dem nahe gelegenen Dorf Lagonglong, deren Mitglieder — bisher 25 — sich auf die Papierherstellung aus Abacafasern (auch Manilafasern oder Faserbanane genannt) spezialisiert hat. Falls es gelingt, mehr Absatzmärkte zu finden, will SHAPII weitere Frauen-gruppen ins Projekt einbinden.


Zum Produkt

Bei SHAPII wird fast ausschliesslich von Hand gearbeitet, von der Aufbereitung der Pflanzenfasern über die Herstellung der Papierblätter bis zum Fertigprodukt! So ist jeder SHAPII-Artikel ein Einzel-stück!
Cogon Grass
In der Regel besteht das Rohpapier bisher aus Cogon-Gras, ein höchst unbeliebtes Unkraut, das wie in vielen Gegenden auf Mindanao auch in der Umgebung von Salay wild wuchert und für die Bauern eine Plage darstellt. Aus einem Kilo Cogon-Gras können 28 Papierblätter hergestellt werden; der Fotorahmen, den claro gegenwärtig anbietet, benötigt 3-4 Blätter.
Neuerdings experimentiert SHAPII mit anderen einheimischen Naturfasern sowie mit Kozo, einer japanischen Maulbeersorte, deren Verarbeitung zum einen weniger Chemikalien erfordert, zum andern neue Texturen erschliesst.

Weitere Informationen zum Projekt und den Produkten finden Sie auf der SHAPII - Homepage www.salayhandmade.com

claro fair trade AG, 2552 Orpund, April 2003