- Pueblos del Sur
- ProduzentInnen und Produktion
- Der faire Preis
"Das neoliberale Wirtschaftsmodell, das unserem Land aufgezwungen wurde, förderte vor allem die weitere Produktions- und Exportsteigerung zugunsten der bereits wirtschaftlich starken Unternehmen und Eliten. Gleichzeitig wurden die kleinen Produzenten und die Kleinindustrie, stark vernachläßigt und ihrem Schicksal überlassen. Ihnen wurden keine Alternativen aufgezeigt und keinerlei Unterstützung bei der Produktion bzw. der Exportabwicklung zuteil. Dies führte zu einer extremen Verarmung und Marginalisierung breiter Bevölkerungsteile, womit Armut in unserem Land zum dominierenden Faktor in Stadt und Land wurde."
Aus: Produktkatalog Pueblos del Sur
Chile wird von den Verfechtern des Neoliberalismus als Vorbild mit Modellcharakter dargestellt. In der ganzen Welt wurde das Bild eines Landes verbreitet, in dem die Wirtschaft expandiert und sich gut entwickelt. Chile gilt so als Beweis dafür, daß die kapitalistischen Rezepte geeignet sind, den Fortschritt der Völker und Nationen zu sichern. Die jüngsten Entwicklungen zeigen freilich, daß dieses neoliberale Paradies ein Trugbild ist, und die Wirtschafts- und Sozialpolitik des Landes neben dem Reichtum in wachsendem Ausmaß Armut produziert. So ist im Entwicklungsbericht der Weltbank 1995 zu lesen, daß sich die ungleiche Einkommensverteilung verschärft habe, und die Gebiete mit extremer Armut gewachsen seien. Die Umfrage zur sozioökonomischen Lage (CASEN) zeigt, daß es für die unteren 7/10 der Bevölkerung keine Verbesserung bzw. eine Verschlechterung der Anteile am Gesamteinkommen gibt, obwohl die Produktion des Landes 1995 um 7,5% stieg. Zuwächse verzeichnen hingegen die oberen 3/10 der Bevölkerung. So leben trotz der hervorragenden Wirtschaftsdaten heute noch 28,5% der ChilenInnen unter der Armutsgrenze (8% davon in extremer Armut). Besonders betroffen sind davon auch die kleinen HandwerkerInnen und Handwerksstätten. Diese ProduzentInnen zu unterstützen, hat sich Pueblos del Sur zur Aufgabe gemacht.
Pueblos del Sur versteht sich als alternative Vermarktungsorganisation für KleinproduzentInnen im Handwerksbereich. Gegründet wurde Pueblos del Sur 1991. Der Aufbau der Organisation erfolgte mit Hilfe der Unterstützung von Magasin du Monde, der belgischen Importorganisation für fairen Handel. Die Ziele der Organisation sind die Unterstützung benachteiligter ProduzentInnen bei der Vermarktung ihrer Produkte, um einen Beitrag zur Verbesserung der ökonomischen Lage der Betroffenen und deren Familien zu leisten. Außerdem organisiert Pueblos del Sur verschiedene Sozialprogramme und Fortbildungsmaßnahmen und arbeitet eng mit anderen Organisationen und sozialen Einrichtungen zusammen, die den Mitgliedern von Pueblo del Sur psychologische Betreuung und finanzielle Hilfe zuteil werden lassen (Zielgruppen sind Alleinerzieher-Innen, mißhandelte Frauen, Süchtige, Waisen, Opfer der Diktatur, Wohnungssuchende, etc.). In Kooperation mit anderen Einrichtungen wurden Ausbildungsprojekte realisiert, die den Aufbau von Kleinstgewerbebetrieben und die Ausbildung arbeitsloser Jugendlicher zum Ziel hatten. Oberstes Entscheidungsgremium ist die Generalversammlung, an der alle in Pueblos del Sur involvierten Personen teilnehmen (HandwerkerInnen, BeraterInnen, Angestellte). Verwaltet wird Pueblos del Sur von einem 6 Personen-Komitee, in dem auch die HandwerkerInnen selbst vertreten sind.
Zu Beginn arbeitete Pueblos del Sur mit rund 20 kleinen Werkstätten (Familien- und Gruppenwerkstätten und Werkstätten von Einzelpersonen), heute sind es rund 100. Ca. 70% der Mitglieder leben in der näheren Umgebung von Santiago de Chile, es gibt aber auch Kontakte zu 5 Werkstätten der Mapuche-IndianerInnen. Um Mitglied bei Pueblos del Sur werden zu können, muß man selbst HandwerkerIn sein und in der Lage sein, in Exportqualität zu produzieren, wobei die ProduzentInnen bei der Produktentwicklung unterstützt werden. Die Produzent-Innen sind selbst in alle Bereiche (Verwaltung, Ausbildung, Finanzen, ...) der Organisation eingebunden. Produziert wird in Heimwerk-stät-ten oder Gemeinschaftswerk-stätten. Hergestellt werden Schmuck, Tongefäße, Figuren, Lederwaren, Körbe und Regen-stäbe. Das Rohmaterial für die Regenstäbe (abgestorbene Kakteenteile) kommt aus dem trockenen Norden Chiles. Pueblos del Sur verfügt über die Exportlizenz für diese vom Washingtoner Artenschutzabkommen geschützten Pflanzen. Die Kakteen für die Regenstäbe von Pueblos del Sur stammen aus garantiert nachhaltiger Produktion. Ziel von Pueblos del Sur ist die Vermarktung von Produkten, die der chilenischen Kulturtradition entsprechen. Die Produktion geht fast zur Gänze in den Export.
Der Preis für die Produkte wird von den ProduzentInnen festgesetzt.
Pueblos del Sur verrechnet einen 20%igen Aufschlag auf alle Produkte. Der faire
Handel bezahlt 50% der Auftragssumme bei Bestellung. Der Rest folgt nach Lieferung.