Pro Export
León, Nicaragua

- Geschichte/ Struktur der Organisation
- Ziele/ Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt
- Strassenkinder in Nicaragua


Geschichte/ Struktur der Organisation

Nicaragua war in den Anfangsjahren des Fairen Handels ein wichtiges Symbol für selbstbestimmte Entwicklung und Förderung von gerechteren sozialen Verhältnissen. Seit dem Scheitern der Sandinistischen Revolution, bz.. dem Wahlsieg der bürgerlichen Opposition im Jahr 1990 wecken Naturkatastrophen wie der Hurrikan Match grössere Anteilnahme selbst bei vielen westlichen Solidaritätsgruppen als die katastrophalen Lebensbedingungen der Bevölkerung - allen voran der Kinder - in Nicaragua, nach Haiti dem ärmsten Lund Lateinamerikas (s. Kasten).

Im Lande selber versuchen seit 1990 zahlreiche einheimische Gruppen, trotz oder gerade wegen der neuen politischen Situation besonders benachteiligten Bevölkerungsgruppen zur Seite zu stehen. Dazu gehört die Vermarktungsorganisation Pro Arte, die 1993 mit Unterstützung der kanadischen Nichtregierungs-Organisataon WEDA (Mennonite Economic Development Associates) sowie des niederländischen Entwicklungsdienstes SV zur Förderung traditioneller Handwerksprodukte gegründet wurde. Bald konnte sie ihre Dienstleistungen auf über 50 Produzentengruppen ausweiten und Aufträge verschiedener Fair-Handelsorganisationen, darunter auch claro, übernehmen (s. Kurzporträt Pro Arte, 1997).

Das Projekt sollte mittelfristig die Selbstfinanzierung erlangen, doch blieben die nötigen Gewinne aus, denn der Binnenmarkt in Nicaragua ist angesichts der enormen Armut der Bevölkerung in den letzten Jahren praktisch zusammengebrochen und Touristen wählen heute andere Fernziele.... WEDA und SV beschlossen anfangs 2002, sich zurückzu
ziehen und Pro Arte aufzulösen. Auf Drängen zahlreicher Handwerkerinnen nahm jedoch das ehemalige Leitungsteam im August 2002 im Rahmen der eigens gegründeten privaten Exportfirma Pro Export die Projektarbeit erneut auf; Sitz und Verwaltung befinden sich in Lein, im Nordosten der Hauptstadt Managua. Pro Export zählt gegenwärtig fünf Angestellte und betreut rund dreissig Handwerkergruppen.

Für 2003 plant Pro Export, den Status einer Aktiengesellschaft sowie die Mitgliedschaft bei FIAT (Internationale Föderation oft Alter Trude) zu erlangen

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Ziele/ Leistungen

Pro Export ist in erster Linie eine Vermarktungs-, bz.. Exportorganisation. Dabei geht es dem Betrieb freilich nicht um den eigenen Profit, sondern um die Schaffung und Sicherung würdiger Verdienstquellen für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen, so dass diese eigenständig ihre Lebensbedingungen verbessern und ihre Kinder statt auf die Strasse zur Schule schicken können.
Pro Export koordiniert die Bestellungen, sichert die Qualitätskontrolle und sorgt für die Abwicklung der Exportgeschäfte; zugleich sind den Gruppen .eitere Dienstleistungen zugänglich wie zum Beispiel Produktentwicklung und Beschaffung von kostengünstigem Rohmaterial. Vor allem aber gewährt Pro Export - anders als ortsüblich - eine Vorfinanzierung der Bestellung (50% des Preises) und bezahlt den Rest bei der Lieferung der Waren. Die Vorfinanzierung, die ein eigentliches Arbeitskapital darstellt und eine wichtige Leistung des Fairen Handels ist, verlangt, bzw. erhält Pro Export auch von den konventionellen Abnehmern!


Produzentinnen
Pro Export betreut rund dreissig Gruppen im ganzen Land, die grösstenteils bereits über Pro Arte verschiedenste Handwerksprodukte an Fair-Handels-Organisationen exportierten. Dazu gehören die zwei Familienbetriebe „Hamacas Gloria" sowie „Hamacas Esperanto", von denen claro Hängematten bezieht.
Beide Betriebe liegen im Süden der Hauptstadt Managua, in der Stadt Masaya, dem Lax-deszensrum für Kunsthandwerk schlechthin. Zur Zeit der Saxdixissex sind hier - wie überall im Land - zahlreiche Kooperativen entstanden; aus verschiedenen Gründen haben die meisten Handwerkerinnen diese Organisierungsform inzwischen aufgegeben und sind zu ihrer traditionellen Struktur - der Familienwerkstätte - zurückgekehrt. Heute beherbergen die meisten der einfachen Häuser in Masaya gleich zeitig ein kleines Produktionszentrum.

Die Besitzerfamilien von „Hamacas Gloria" und „Hamacas Esperanto" stellen seit vielen Generationen Hängematten für den Eigengebrauch und den Lokalmarkt her; im Lauf der Jahre und mit Unterstützung durch Pro Arte haben beide Betriebe zusätzlich Arbeiterinnen, mehrheitlich Frauen, einstellen können. Mangels Bestellungen handelt es sich freilich nicht um eine Wollbeschäftigung, doch erlaubt der Lohn den Arbeiterinnen - oft alleinstehende Mütter -, ihre Familien zu ernähren und das Schulgeld der Kinder zu bezahlen.
Die Gewinne werden in beiden Betrieben nicht nur in de Werkstatt investiert, sondern kommen auch direkt den Arbeiterinnen zunutze; beispielsweise erhalten diese im Notfall Nahrung- und Arzneimittel



Zum Produkt

Traditionell werden die Hängematten in Gebiet von Masaya aus Fasern tropischer Wildpflanzen - insbesondere Agavengewächse - geknüpft oder geflochten; heute kommt überwiegend Baumwollgarn aus der einheimischen Industrie zur Verwendung.

Die Hängematten, die claro von Pro Export bezieht, sind aus reiner Baumwolle und können bei 400 in der Waschmaschine schonend (Schonwäsche) gewaschen werden. Die-farbigen Hängematten bitte sicherheitshalber separat waschen.
Juni 2003/ep



Strassenkinder in Nicaragua

Über 50% der nicaraguanischen Bevölkerung ist unter 16 Jahre alt; Strassenkinder stellen einen grossen Teil davon und gehören mittlerweile überall in Nicaragua zum Alltagsbild. Dort, wo Hilfsprogramme die gefährdetsten Kinder aus der Verelendung befreien, erfasst der Teufelskreislauf der Armut ständig neue.

Mindestens sechzig Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos; unzählige Menschen müssen mit weniger als einem Eure pro Tag auskommen. Wie lässt sich damit eine Familie ernähren? Umso weniger als auch in Nicaragua - wie in allen armen Ländern - eine Vielzahl von Kindern als Reichtum und Lebensversicherung gilt; Familien mit mehr als sieben
Kindern sind eher die Regel als die Ausnahme! Ein fataler Irrtum.

Denn bis Kinder die Familie mit einem geregelten Einkommen unterstützen können, vergehen Jahre. Um diese Spanne zu verkürzen, werden unzählige Kinder schon mit fünf Jahren auf die Strasse geschickt, zumal die öffentliche Schule, die zur Zeit der Sandigsten gratis war, heute für die Mehrheit der Bevölkerung zu viel kostet; eine Lehrerin verdient allerdings monatlich nur rund 60 Eures - der Staatschef weit über 10'000 ... Ganz ähnlich steht es im medizinischen Bereich. Das Landeseinkommen reicht nicht aus, um Regierungsbeamten einen sehr hohen Lebensstandard und zugleich so vielen Armen und Kindern minimale Sozialleistungen zu gewähren...

Strassenkinder müssen sich entweder ganz allein durchschlagen oder zum Familienunterhalt beitragen. Dazu verkaufen sie alles mögliche, bieten sich als Hilfskräfte an und rutschen meist sehr schnell in die Prostitution ab. Nicht selten kommt es vor, dass Kinder sogar zum Kauf angeboten werden. In allen Situationen werden sie meist zu Opfern von sexueller Gewalt und Ausbeutung Ein besonders schlimmes, grundlegendes Problem des sexuellen Missbrauchs, das wenig bekannt ist und selbst in detaillierten Länderanalysen kaum auftaucht, ist die Schwangerschaft von minderjährigen Mädchen. Im heutigen Nicaragua ist eine auf drei Frauen, die ein Kind gebären, selbst noch ein Kind...
(frei zitiert aus Martin Haslbeck's Berichterstattung aus Masaya vom 26. März 2003 sowie aus einem Interview vom 13. April 2003 mit Maria Lobes Vigio, Chefredakteurin der Zeitschrift „envío").
Quelle:
www.werkhof- darmstadt.de/html/Aktuelles/Proiektarbeit-Ausland.shtml)

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