Manushi
Kathmandu, Nepal
- Geschichte/ Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Hintergrund: Kastenwesen und Frauendiskriminierung
in Nepal
| Geschichte/ Struktur der Organisation Frauen sind in Nepal nach wie vor sozial, wirtschaftlich und politisch benachteiligt (s. Kasten). Zahlreiche Selbsthilfegruppen sowie Frauen aus oberen Gesellschaftskreisen kämpfen seit Jahren gegen diese Diskriminierung und treten auf allen Ebenen für Frauenförderung ein. Zu den hartnäckigsten Verfechterinnen einer fortschrittlichen „Gender"-Politik gehören die Leiterinnen der zwei einheimischen Fair Trade-Partner Association for Craft Producers (ACP, claro-Code 281) und Manushi. |
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Ziele/Leistungen
Hauptziel ist die Befähigung zur Analyse der eigenen
Situation und zum selbständigen Handeln; die Förderung von traditionellem
Handwerk und dessen Vermarktung an Fair-Handelsorganisationen sollen die dafür
nötigen Grundlagen schaffen und sichern. Gleichzeitig geht es Manushi darum,
die Frauen in verschiedenen - nicht nur produktionstechnischen - Bereichen auszubilden.
Ebenso wird die Bereitstellung von Kleinkrediten mit Bildungsmassnahmen verknüpft.
Ein wichtiges Anliegen gilt neuerdings einer Reihe von Entwicklungsprogrammen,
die Manushi in mehreren Dorfgemeinschaften durchführt. Viele dieser Massnahmen
trifft Manushi in Absprache mit anderen, gleichgesinnten Organisationen. Ohne
eine solche Vernetzung auf lokaler und nationaler Ebene würden Bewusstseinsbildung
und Frauenförderung, wie sie Manushi realisieren will, wohl kaum zum Tragen
kommen. Im Produktionsbereich bietet Manushi den Handwerkerinnen Vorfinanzierungen,
die den Kauf von Rohmaterialien und Zubehör ermöglichen, und bezahlt
höhere Preise als üblich, da die Produkte fast ausschliesslich an
Fair-Handelsorganisationen verkauft werden.
| Produzentinnen Manushi legt Wert auf die Erhaltung und Weiterentwicklung des traditionellen einheimischen Handwerks und dessen ausserordentlicher Vielfalt. Nepal ist ein Vielvölkerstaat, mit über 60 nepalesischen und indischen Volksgruppen. Je nach ihrer geographischen und ethnischen Herkunft verwenden die Produzentinnen unterschiedliche Rohmaterialien und sind auf ganz bestimmte Produkte oder „Designs" spezialisiert. So stammt die „Mithila"-Schachtel, die claro gegenwärtig anbietet (Code 286.001), aus Janakpur, dem Zentrum des so genannten Mithila-Gebietes, das sich über das südliche Tiefland Nepals und den nördlichen Teil des indischen Bundesstaates Bihar zieht. „Mithila" heisst auch die typische Malkunst, mit der die einheimischen Frauen traditionell ihre Lehmhäuser sowie wertvolle Papiere schmücken. Heute dient diese Kunst zur Verzierung verschiedenster Gegenstände, die bei Touristen und auf dem Exportmarkt grossen Anklang finden. |
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Hintergrund: Kastenwesen und Frauendiskriminierung in Nepal
Das Königreich Nepal ist, wie sein Nachbarland Indien,
vom Hinduismus, der Staatsreligion, und dessen Kastensystem geprägt. Den
untersten Rang nehmen auch hier die „Unberührbaren" ein; selbst
elementare Rechte werden ihnen verwehrt, auch wenn sie immerhin schätzungsweise
ein Fünftel der Gesamtbevölkerung stellen... Das weltberühmte
„Dach der Welt" gehört trotz blutigen Kämpfen zwischen
Rebellen und regierungsfreundlichen Kreisen nach wie vor zu den beliebtesten
Touristenzielen. Nepal ist aber auch trotz zahlreicher Entwicklungsprojekte
weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt. 42 % der Bevölkerung
- etwa 9 Millionen Menschen - leben unter der absoluten Armutsgrenze. Mehr als
2,6 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren sind gezwungen, für den Lebensunterhalt
ihrer Familien hart zu arbeiten; unzählige Kinder müssen für
sich allein sorgen und leben auf der Strasse.
Da Frauen nach wie vor eine untergeordnete Stellung zugewiesen wird, werden
Mädchen von Geburt an stark benachteiligt, sowohl was ihre Ernährung
als ihre medizinische Versorgung anbelangt. Deshalb sterben wesentlich mehr
Mädchen als Buben vor dem fünften Lebensjahr. Während rund 80%
der Buben die Primarschule besuchen, kommen nur 46 Prozent der Mädchen
in den Genuss dieses Privilegs. Kein Wunder, dass über 80 Prozent der erwachsenen
Frauen weder lesen noch schreiben können! Dementsprechend schlecht ist
es auch mit ihren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten bestellt. Ganz besonders
schlimm ist die Situation der „verstossenen" und alleinerziehenden
Frauen. Oft lassen sie sich verleiten, entweder selber den Versprechungen von
vermeintlichen Wohltätern nachzugeben oder gar ihre jungen Töchter
zu verkaufen, in der Meinung, damit eine vielversprechende Heirat oder eine
gute Arbeit in die Wege zu leiten. In den meisten Fällen landen diese Frauen
und jungen Mädchen freilich auf der Strasse oder in einem Bordell.
Die Verschleppung von nepalesischen Frauen und Kindern in indische Bordelle
zählt weltweit zu den erschreckendsten bekannten Fällen des organisierten
Menschenhandels. Menschenhandel ist zum höchst profitablen Geschäft
geworden, begünstigt durch die offene Grenze zu Indien und die Verstrikkungen
der Polizei in die Machenschaften der Menschenhändler und Bordellbesitzer.
Jährlich werden mehr als 10'000 Mädchen zwischen neun und sechzehn
Jahren aus Nepal und Bangladesh in die Bordelle Indiens verschleppt. Mittlerweile
arbeiten nach Schätzungen von Expertinnen und Experten 200'000 bis 250'000
nepalesische Frauen und Kinder in der Prostitution in Indien. Durch den in vielen
asiatischen Ländern kursierenden Irrglauben, Geschlechtsverkehr mit jungfräulichen
Kindern habe eine verjüngende und stärkende Wirkung, halten die Menschenhändler
auch in Nepal nach immer jüngeren Kindern Ausschau. Diese Entwicklung steht
im Zusammenhang mit dem verbreiteten Aberglauben, dass sich Kinder weniger leicht
mit dem HIV-Virus infizieren. Dem ist natürlich nicht so. Gerade für
Kinder, deren Immunsystem durch die Folgen der Armut oft geschwächt ist,
besteht ein hohes Risiko zur Infektion mit dem Virus beim erzwungenen Geschlechtsverkehr
mit Erwachsenen, da sie dabei häufig nicht nur seelisch, sondern auch körperlich
schwer verletzt werden.
Nach Schätzungen von UN-AIDS und der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization) waren Ende 1999 etwa 34'000 Menschen in Nepal mit dem HIVVirus infiziert, darunter waren 10'000 Frauen und 930 Kinder. Im selben Jahr starben 2'500 Nepalesinnen an den Folgen der Viruserkrankung.
Nepal hat am 14. September 1990 die UN Konvention über die Rechte des Kindes ratifiziert und sich verpflichtet, Kinder vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen, was die Verschleppung von Kindern zur Prostitution in anderen Ländern einschliesst. Mit der Umsetzung der Konvention, bzw. der Durchführung von Massnahmen, die Menschenhandel in jeder Form unterbinden, hapert es allerdings auf der Regierungsebene. Umso wichtiger sind die Initiativen von NGO's und deren Verbündeten, die sich für das Recht der Kinder und ihrer Familien auf würdige Lebensbedingungen einsetzen.