Treasures of Africa
Machakos/Kenya
- Geschichte, Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Zum Produkt und deren Produzentinnen
- claro‘s Produkte-Auswahl
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Geschichte, Struktur der Organisation
Der Machakos-Distrikt im Süden Nairio-bis gehört
zu den Gebieten Kenyas, die seit Jahrzehnten unter grosser Trockenheit, Ernteausfäl
len und dementspre-chender Landflucht leiden. Nach der Unabhängigkeit des
Landes im Jahre 1963 schlossen sich, unterstützt von der damaligen Regierung,
unzählige Kleinbauernfamilien zu Selbsthilfegruppen zusammen, mit dem Ziel,
einkommensschaffende Projekte in der Landwirt-schaft und im Kleingewerbe aufzubauen.
In diesem Rahmen entstand, u.a., nicht nur der Verband Machakos District Co-op
Union (claro-code 051), sondern auch das 1991 offiziell eingetragene Privatun-ternehmen
Treasures of Africa, das nach wie vor von der Gründerin, einer sozial engagierten
einheimischen Frau, geleitet wird und seinen Sitz in Machakos hat. In der Anfangszeit
betreute das Unterneh-men ausschliesslich Frauengruppen aus dem gleichnamigen
Bezirk, so dass sich das Angebot fast ausschliesslich auf die typischen "
Kiondo“-Sisalkörbe konzentrierte. Aufgrund der grossen Nachfrage
nach einer abwechslungsreichen Produk-tepalette weitete sich Treasures of Africa‘s
Einzugsgebiet schon bald auf ganz Kenya aus, da je nach Region und Stamm sehr
unterschiedliche Artikel hergestellt werden.
Für Treasures of Africa ist es nach eigener Aussage wichtig, als privates
Unternehmen zu funktionieren, denn wirtschaftliche Unabhängigkeit sei der
beste Nährboden für soziale Verbesserungen, vorausgesetzt, dass demokratische
Strukturen innerhalb der Zielgruppen gewährleistet sind. Die Gruppen werden
dazu angehalten, einen Vorstand zu ernennen und ein eigenes Bankkonto zu
führen, wobei Treasures of Africa einzig darauf pocht, dass die Leiter/innen
ausser ihrer jeweiligen Umgangssprache entweder Englisch oder die offizielle
Landessprache Suaheli verstehen.
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Ziele/Leistungen
Hauptziel von Treasures ofAfrica ist es, benachteiligten
Handwerkerlnnen, insbesondere jungen Frauen und alleinste-henden Müttern,
mit der Vermarktung ihrer Produktion würdige Verdienstquellen zugänglich
zu machen und sie zu Eigenverantwortung („self-reliance“) zu befähigen.
Ferner soll, wie der Name des Unternehmens andeutet (zu deutsch „Schätze
aus Afrika“), ein Beitrag zur Förderung der afrikanischen Handwerkskunst
geleistet werden; dabei legt Trea-sures of Africa auch Wert darauf, dass die
einzelnen Produzentengruppen, die sehr verschiedene ethnische und kulturelle
Wurzeln aufweisen - in Kenya gibt es 42 unterschiedliche Stammesvölker!
- den Austausch pflegen und sich vernetzen.
Treasures of Africa bietet den Produzent/innen ausser Vermarktungshilfen
auf dem Binnen- und dem Exportmarkt verschiedene Dienstleistungen wie Beratungen,
Kurse in Buchhaltung, Marketing oder Produkteentwicklung sowie Vorfinanzierung
der Bestellungen. Ferner werden die Gruppen befähigt, die kollektive Arbeit
und die Verteilung der Gewinne gemeinsam zu organisieren. Im Hinblick auf grössere
wirtschaftliche Selbständigkeit unterstützt das Unternehmen den Aufbau
weiterer einkommensschaffender Projekte wie Bienen- und Geflügelzucht,
kollektive Getreidemühlen
u.a.m. Grundlage der Preise, die die Produzentinnen erhalten, sowie der Löhne
der fest angestellten Mitarbeiterinnen bilden die vom Staat festgesetzten, regional
unterschiedlichen Mindestlöhne.
Parallel dazu ist Treasures of Africa - u.a. dank der Unterstützung durch den Fairen Handel - dabei, ein breitgefächertes Entwicklungsprogramm namens Outreach Foundation zugunsten von ländlichen Kleinbetrieben durchzuführen.
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Zum Produkt und deren Produzentinnen
Treasures of Africa betreut heute landesweit über 50 Gruppen und über
100 individuelle Handwerkerlnnen; Frauen stellen den Hauptanteil. Am Geschäftssitz
in Machakos sorgen 12 fest angestellte Frauen und Männer für Koordinations-
und Verwaltungsaufgaben, Produkteentwicklung und Qualitätskontrollen; die
meisten sind auch beauftragt, regelmässig die Produzentinnen zu besuchen.
In der zentralen Werkstatt kümmern sich 20 Frauen und 23 Männer um
die Weiterverarbeitung, Fertigstellung und Verpackung verschiedener Artikel.
Das Mindestalter ist im Prinzip auf 18 Jahre festgelegt, doch werden ausnahmsweise
auch junge Mütter ab 16 Jahren berück-sichtigt.
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claro‘s Produkte-Auswahl betrifft gegenwärtig vier Produkte-Gruppen:
Die Ostereier aus Speckstein stammen,
wie die Specksteinprodukte von MDCU (claro-code 054) aus der Kisii-Region, wo
es ganz besonders schöne, weiche Specksteine gibt. Früher wurden sie
von den Angehörigen des einheimischen Abagusii-Volkes zur Herstellung von
Ess-und Trinkgeschirr benutzt. Seit einigen Jahren verarbeiten Steinschnitzer
in ganz Kenya den Stein zu den verschiedensten Gebrauchsgegenständen und
Kunstwerken; dabei wird jedes Stück einzeln und ausschliesslich in Handarbeit
herge stellt. Seit Alters her handelt es sich um eine Männerarbeit, doch
übernehmen heute zunehmend Frauen die Ausführung der Produkte: Die
Männer holen die Blöcke in den Steinbrüchen und stellen die Rohform
her; die Frauen sorgen für die Weiterverarbeitung, insbes. die künstlerische
Dekoration, bis zum letzten Schliff.
Bananenstauden wachsen vielerorts in Hülle und Fülle; nach der Ernte bleiben die Stauden meist ungenutzt, doch eignen sich Fasern, die aus der Staude gewonnen werden können, zur Herstellung vieler Gebrauchsgegenstände, insbes. Korbwaren. In der Umgebung von Gachie, im Zentrum des Landes, hat sich eine Frauengruppe darauf spezialisiert, neue Modelle aus Bananenfasern zu entwickeln; dazu gehört auch die „Ondo“-Tasche, die bei claro erhältlich ist.
Kalebassen und andere Kürbissorten werden traditionell als Essgeschirr, zur Aufbewahrung von Saatgut sowie für die Herstellung von Bier und weiteren fermentierten Lebensmitteln gebraucht; sie dürfen in keinem Haushalt fehlen und sind das Hauptgeschenk, dass Mütter ihren Töchtern auf dem Pflichtbesuch kurz nach der Heirat sowie bei der Geburt eines Enkelkindes mitbringen. Ferner werden Kalebassen für gewisse tra-ditionelle Musikinstrumente wie Daumenklaviere und Rasseln verwendet. Ein Beispiel dafür ist die „Rondo“-Rassel bei claro, die bei einer Treasures of Africa-Gruppe in einem Aussenquartier von Nairobi gefertigt wird.
Traditionell wurden nur Häute von geschlachteten Tieren beispielsweise für die Bespannung von Trommeln verwendet. Horn und Knochen blieben ungenutzt. Eine Männergruppe in Kibera stellt damit verschiedenste Schmuckelementen, Knöpfe sowie Besteckgeräte wie die Kellen im claro-Angebot her; neuerdings wurden Modelle entwickelt, bei denen auch Holz aus Plantagenanlagen verar-beitet wird.
Jede Gruppe bestimmt eigenständig die Verwendung der Gewinne,
die sie dank der überdurchschnittlichen Bezahlung bei Treasures of Africa
erwirtschaftet. Manchmal dienen diese für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen,
Ankauf von Geräten und andere produktionstechnische Hilfen; in anderen
Fällen wird das Geld unter den Gruppenmitgliedern geteilt, so dass diese
das Schulgeld der Kinder, Medikamente oder auch Hochzeiten und Begräbnisfeiern
bezahlen können.
März 2002/ep