- Geschichte/Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Zum Produkt
Geschichte/Struktur der Organisation
Winzergenossenschaften gibt es in Chile seit 1939, nachdem ein Erdbeben den privaten Weingütern zum Verhängnis geworden war. Dank der Unterstützung durch die Regierung, die für Subventionen und Darlehen sorgte, entwickelte sich der genossenschaftliche Weinsektor zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Doch Pinochet' s Militärputsch im Jahr 1973 zog auch in diesem Bereich verheerende Folgen nach sich. Zum einen wurden die staatlichen Förderungen für Genossenschaften abgeschafft, zum anderen führte die Wirtschaftskrise in den 1980er Jahren zum Rückgang des inländischen Weinkonsüms; gleichzeitig zerfielen die Preise, da der Markt von Billigweinen überschwemmt wurde.
Eine der einzigen Genossenschaften, die vom Bankrott verschont blieb, - der Diktatur standhalten konnte und noch immer den Produzentinnen gehört, ist die Winzergenossenschaft Curico, die in der gleich-namigen Gegend im Süden der Hauptstadt Santiago tätig und unter dem Beinamen Los Robles (,,Die Steineichen") bekannt geworden ist. Während sie in der Anfangszeit nur einfachen Landwein erzeugte, keltert sie seit den 1970er Jahren anspruchsvollere Weinsorten.
In der Krisenzeit ging ihre Mitgliederzahl von anfänglich
150 auf 50 Winzer zurück, doch tragen ihre Bemühungen, neue Mitglieder
zu gewinnen, bereits Früchte: gegenwärtig zählt sie bereits wieder
etwas über 60 Mitglieder. Vor allem aber konnte sie allen Widerwärtigkeiten
zum Trotz ihre Strukturen nachhaltig festigen. Heute verfolgt Los Robles eine
Geschäftspolitik, die siöh auf den ersten Blick hin kaum von den Strategien.
einer kommerziellen Firma unterscheidet; doch sind die Weinbauern, die die Trauben
liefern, gleichzeitig Aktleninhaber und verfügen somit über ein Mitbestimmungsrecht.
Ein Genossenschaftsanteil entspricht dabei dem Gegenwert der Traubenmenge, die
zur Herstellung von 40 Litern Wein notwendig ist; die Mitglieder sind verpflichtet,
Anteilscheine im Wert der Träubenmenge, die sie im Durchschnitt pro Jahr
ernten, zu erwerben.
Los Robles wird von einem 12-köpfigen Vorstand geleitet, den die Mitglieder
für eine Amtszeit von drei Jahren wählen; . an der Generalversammlung,.
die zweimal, Jährlich stattfindet, fällen sie weitere grundlegende
Entscheidungen.
Die flämische Fair-Handelsorganisation Oxfam-Wereldwinkels (OWW) unterstützt
die Winzergenossenschaft seit über 10 Jahren; sie ist nun auch auf EFTA-Ebene
für das "Partner Attending" für Los Robles zuständig - d.h. sie
sorgt nicht nur für die Bestellungen der anderen EFTA-Mitglieder sowie
im Bedarfsfall für die Betreuung der Partner im produktionstechnischen
und finanziellen Bereich, sondern gewährleistet auch die Einhaltung der
Fair Trade-Kriterien, bzw. informiert über die Verwendung der Gewinne.
Der chilenische Weinsektor wird vorwiegend von grossen Handelshäusern dominiert, die die Trauben möglichst billig einkaufen, zu günstigen Bedingungen verarbeiten lassen und den Gewinn aus dem Fertigprodukt in die eigene Tasche stecken. Im Gegensatz dazu geht es Los Robles darum, den Weinbauern bessere Preise sowie den Angestellten im Verarbeitungsbetrieb und den Saisonarbeiterinnen korrekte Löhne bezahlen zu können.
Voraussetzung dafür sind die selbständige Herstellung,
Abfüllung und Vermarktung von Qualitätswein. Da die Genossenschaft
erpicht ist, zugleich einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in
der Region zu leisten, berücksichtigt sie zwar als Zulieferanten in erster
Linie die Mitglieder, ist aber auch bereit, Trauben von Nichtmitgliedern zu
verarbeiten. Los Robles unterstützt dabei insbesondere kleine Winzerbetriebe,
die im konventionellen Weinsektor keine Absatzchancen haben. Unter anderem hat
sie, in Zusammenarbeit mit OWW, Massnahmen ergriffen, um eines ihrer schwächsten
Mitglieder, die Kleinbauerngenossenschaft El Corazon, zu stärken. Als erstes
erhielt EI Corazon einen von von OWW finanzierten Kredit von 25'000 Dollar,
der für die Erneuerung der Rebstöcke, bzw. die Verbesserung der Traubenqualität
dienen soll.
Ferner bietet Lös Robles den über 90 Angestellten, die in der Verarbeitungsanlage
das ganze Jahr über beschäftigt sind, korrekte Arbeits- und Lohnbedingungen;
das gleiche gilt auch für die Arbeiterinnen, die zur Erntezeit tempprär
eingestellt werden. Dies stellt ebenfalls eine Ausnahme dar zu den Gepflogenheiten,
die im chilenischen Weinsektor herrschen.
Als weitere Pionierleistung vermarktet die Genossenschaft ihren Wein nicht nur
im Inland, sondern exportiert ihn eigenständig der Export von Qualitätswein
liegt ansonsten fast ausschliesslich in den Händen dreier Grosshandelshäuser
(Concha y Toro, Santa Rita und San Pedro)! Los Robles kann dabei mit der Unterstützung
mehrerer FairHandelsorganisationen, darunter neu auch von claro, rechnen; diese
vertreiben gegenwärtig bereits rund 20% der gesamten Produktion.
Mit den Gewinnen aus dem Exportgeschäft finanziert Los Robles verschiedene
Investitionen (z.B. für die Modernisierung der Verarbeitungsanlagen) sowie
landwirtschaftliche Beratungen und Ausbildungsmöglichkeiten zu Gunsten
der beteiligten Bauern. Ein Mehrpreis aus den Verkäufen im Fairen Handel,
den OWW neuerdings erhebt, fliesst in einen Fonds für soziale und ökologische
Projekte wie z.B. Schulstipendien für Arbeiterkinder, Gesundheitsvorsorge
oder Kurse zur Umstellung auf biologischen Weinbau; bisher konnten 50000 Dollar
in den Fonds einbezahlt werden.
Vorbemerkung: Wein aus Chile - wie lässt sich der Import eines Produktes, das auch in unseren Breiten graden erzeugt wird, bzw. sein Verkauf im Fairen Handel rechtfertigen? Zum einen betont OWW, dass die Mitglieder von Los Robles in ihrem (Uberlebens-) Kampf gegen Handeismonopole ebenso auf Unterstützung, bzw. auf Absatzmöglichkeiten zu fairen Bedingungen angewiesen sind wie andere Klein produzentinnen. Zum anderen wurden die Frachtkosten der Verschiffung berechnet: der Treibstoff, der für die Strecke zwischen Chile. und Europa benötigt wird, kostet pro Flasche rund 8 Rappen!
Los Robles bietet mehrere Weiss- und Rotweinsorten an; claro
beschränkt sich vorerst auf einen Weiss- und einen Rotwein aus Sauvignon-Trauben.
Die Weinernte findet je nach Wetterlage zwischen Mitte März und Mitte April
statt; nach der Kelterung der Trauben reift der Rotwein während 6 Monaten
in Eichenfässern.
Bisher befolgt Los Robles konventionelle Anbau- und Verarbeitungsmethoden; doch
dank des günstigen Klimas und der guten Bodenbeschaffenheit kann im Gebiet
von Curico weitgehend auf den Einsatz von Chemikalien verzichtet werden. Los
Robles erwägt die Umstellung auf BIO-Wein; zur Zeit fehlen allerdings die
Mittel für die extrem teure Zertifizierung.
Dezember 2001/ep
home