La Florida/Dep. Junin und Lima, Peru

- Hintergrund/Geschichte der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentlnnen
- Zum Produkt


Hintergrund/Geschichte der Organisation
Die Entstehung der Kaffeegenossenschaft La Florida ähnelt der Geschichte der bolivianischen Kaffeegenossenschaft Cenaproc. Auch in Peru sahen sich in den 1960er Jahren unzählige verarmte Menschen - überwiegend indigener Herkunft - genötigt, ihr angestammtes Hochland zu verlassen und in anderen Landesteilen nach einem Auskommen zu suchen. Viele Familien liessen sich im Regenwaldgebiet der Selva Alta nieder, doch der Mangel an Infrastrukturen, Strassen, Transportmöglichkeiten und Geld erwies sich auch hier als Hemmschuh.

La Florida
Zwar eigneten sich die frisch gerodeten Parzellen durchaus für den Anbau von Kaffee, einem der wichtigsten peruanischen Exportgüter, doch blieb das Geschäft, bzw. der Gewinn den Zwischenhändlern vorbehalten, die über die Mittel verfügten, um für den Transport und die Vermarktung zu sorgen.

In der Überzeugung, nur gemeinsam einen Ausweg finden zu können, gründeten 1966 einige Siedler aus dem Dorf La Florida die gleichnamige Kaffeegenossenschaft. Bald schlossen sich Kaffeebauern aus den umliegenden Ortschaften an. In den 1980er Jahren zählte die Genossenschaft rund 800 Mitgliederfamilien, war - u.a. dank günstigen Krediten - finanziell praktisch unabhängig und organisierte in zwei Tälern diverse "integrierte" Entwicklungsprojekte, die der Gesamtbevölkerung von etwa 10 000 Menschen zugute kamen.

Rund 10 Jahre später nahm dieser Aufschwung ein tragisches Ende. Zum einen fiel der Weltmarktpreis für Kaffee in den Keller, zum andern wurde die staatliche Kreditanstalt auf Betreiben des Internationalen Währungsfonds geschlossen. Und schliesslich wurde La Florida, die in der ganzen Region als Muster einer gewaltlosen Produzentengemeinschaft bekannt war, zur Zielscheibe der Guerillabewegung Sendero Luminoso: diese zerstörte nicht nur zahlreiche Felder und Gebäude, sondern ermordete sieben Genossenschaftsmitglieder und den Präsidenten. In der Folge ergriffen mehr als 400 Mitgliederfamilien die Flucht.

Trotz allem versuchte eine Anzahl von Genossenschafterlnnen die Kooperative neu zu beleben. Dank der Unterstützung durch verschiedene internationale Organisationen, darunter die welsche Solidaritätsgruppe "La Florida-Pérou" sowie die "Fédération genevoise de coopéation" kam La Florida in den Genuss von Bankgarantien und den nötigen Mitteln zur Schaffung eines Rotationsfonds. Ferner konnten erste Kontakte zur Max Havelaar-Stiftung geknüpft werden. 1993 wurde La Florida ins FLO-Kaffeeregister aufgenommen.
Gleichzeitig begann die Kooperative mit der Umstellung auf biologische Anbaumethoden; ein Teil der Produktion ist inzwischen zertifiziert.

Heute zählt La Florida wieder mehr als 800 aktive Mitglieder, über ein Fünftel sind Frauen; sie gilt mittlerweilen auch im Inland als Beispiel dafür, dass dauerhafte Entwicklung von unten beginnt und von den betroffenen Bevölkerungsgruppen getragen werden muss.Struktur
La Florida ist als "Cooperativa Agraria Cafetalera" offiziell eingetragen und verfügt über dementsprechende Statuten und Strukturen. Oberstes Entscheidgremium ist die jährlich stattfindende Generalversammlung, die auch die Mitglieder des Verwaltungskomitees sowie des Aufsichtsrates ernennt.

Ziele/Leistungen
La Florida bemüht sich nicht nur, Kaffee und andere Agrarprodukte direkt zu vermarkten um korrekte Preise zu erzielen und damit die Lebensbedingungen der Mitgliederfamilien zu verbessern; sie will auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in ihrem grossen, zum Teil schwer zugänglichen Einzugsgebiet leisten. Als eine der einzigen peruanischen Organisationen fördert sie seit Jahren die Produktediversifizierung mit dem Ziel, Grundlagen zu einer grösseren Ernährungssicherheit zu schaffen sowie neue Erwerbsquellen zu erschliessen. Gleichzeitig soll damit die (allzu) grosse Abhängigkeit vom Kaffeegeschäft verringert werden. Eine eigene Röstfabrik soll ebenfalls zu grösseren Vermarktungschancen auf dem Binnenmarkt und besseren Preisen beitragen sowie die Eigendynamik und Unabhängigkeit der Genossenschaft und ihrer Mitglieder verstärken.
Mit dem Mehrpreis, den claro und weitere Fair-Handelsorganisationen bezahlen, finanziert La Florida Sozialleistungen sowie verschiedene Projekte im Gesundheits- und Erziehungsbereich; über die Verwendung entscheidet die Generalversammlung von Jahr zu Jahr. Ferner konnten in Zusammenarbeit mit der welschen Solidaritätsgruppe "La Florida
- Pérou" Strassen (über 150 km!) ausgebaut sowie Schulen und Gesundheitsposten erstellt werden.

Produzentlnnen
Die Produzentlnnen leben im Departement Junin, genauer gesagt in der Provinz Chanchamayo, in 35 Siedlungen, die in zwei Seitentälern am linken Ufer des Rio Péréné liegen. Die meisten Familien stammen aus indigenen Völkern; viele sind aus dem Hochland zugewandert, bei andern handelt es sich um einheimische Indigenas. Im Rahmen der Diversifikationsbestrebungen bei La Florida pflanzen sie heute verschiedenste Grundnahrungsmittel wie Kochbananen, Mais, Soya, Yamswurzeln, Reis, Bohnen sowie Zitrusfrüchte, Ananas, Papaya und allerlei Gemüse für den Eigengebrauch und den Lokalmarkt an.


Zum Produkt
Auf dem Weltmarkt fällt der peruanische Kaffee mit 1, 2 % der Weltexporte nicht schwer ins Gewicht. Im Lande selbst spielt Kaffee eine grosse Rolle: er wird auf rund 200 000 Ha Land angepflanzt,

La Florida1
beschäftigt über 100 000 Familien und stellt 40 % der Agrarexporte!

Die Erträge sind freilich meist tief; über 95 % der Produzentinnen erzielen durchschnittlich lediglich 8 - 12 Quintale pro Ha. Und die Weltmarktpreise decken mit 2.50 Franken pro Kilogramm (Stand Ende 2000) die Produktionskosten bei weitem nicht.

Im Einzugsgebiet von La Florida wird Kaffee auf etwa 80 % der Landwirtschaftsfläche angebaut; die Mitglieder produzieren durchschnittlich 10 Quintale pro Ha und beabsichtigen, mit entsprechender Ausbildung die Erträge sowohl quantitativ als qualitativ - insbesondere im Bereich von BIO-Kaffee - weiterhin zu steigern. Im fairen Handel erhielten die Produzentlnnen Ende letzten Jahres den existenzsichernden Preis von 4.70 Franken pro Kilogramm.

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