JUTE WORKS
JUTETASCHEN UND –TIERE, HANDPUPPEN UND BLUMENHÄNGER
BANGLADESH

- CORR – The Jute Works
- Die Produzentinnen
- Vorteile für die Produzentinnen

„Die Herstellung von Handwerk ist die einzige Möglichkeit der Handwerkerinnen, die Abhängigkeit und Schinderei ihres von Landwirtschaft und Haushalt geprägten Lebensstils zu durchbrechen. Dieser kreative Akt gehört einzig und allein ihnen und ist individueller Ausdruck ihrer Weiblichkeit, Kultur und ihres Daseins. “
Najma Habib – Jute Works

Bei seiner Entstehung als souveräner Staat im Dezember 1971 übernahm Bangladesh eine stark rückständige Landwirtschaft und eine nur sehr schwach entwickelte Industrie. Bis heute stellt Jute nach den Menschen Bangladeshs die wichtigste Ressource dar. 75% der Exporterlöse stammen aus dem Verkauf von Jute und Juteprodukten. 43% der arbeitenden Bevölkerung finden im Juteanbau und der Verarbeitung von Jute Beschäftigung. Insofern lag es nahe bei dem Beschäftigungsprojekt für Frauen an diese Tradition der Juteverarbeitung anzuknüpfen. Jute Works bietet den vor allem alleinstehenden und verwitweten Frauen nicht nur eine Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeit, sondern darüber hinaus die Möglichkeit sich weiterzubilden, zu organisieren und vor allem – sich zu emanzipieren. Denn Frauen sind in Bangladesh noch ganz in ihrer traditionellen Rolle verhaftet. Auf den Straßen Bangladeshs sieht man kaum Frauen. Sie verbringen den größten Teil ihres Alltags in ihren Häusern. Die Frau ist in dieser Situation wirtschaftlich total vom Mann abhängig, was mit einer sozialen Benachteiligung und Minderwertigkeit gleichzusetzen ist. Die Gelegenheit durch die Einbindung in unsere Partnerorganisation Jute Works ein eigenes Einkommen zu verdienen, führt zu einer neuen Wertschätzung dieser Frauen, die noch vor einer Generation vollkommen undenkbar gewesen wäre. Unabhängig wo die Frauen produzieren, ob zu Hause oder in Werkstätten, als Mitglieder einer der Produzentinnengruppen haben sie die Gelegenheit aus ihrem traditionellen Rollenbild und Umfeld auszubrechen und sich mit anderen Frauen auszutauschen.

CORR – The Jute Works

Jute Works ist eine nicht-gewinn-orientierte Vermarktungsorganisation zur Förderung von juteverarbeitenden Frauenkooperativen. Sie wurde 1973 mit Unterstützung der Caritas gegründet. Ausschlaggebend war vor allem die triste soziale und wirtschaftliche Situation der vielen Kriegswitwen nach Ende des Unabhängigkeitskrieges 1971. Mittlerweile ist Jute Works zu einem großen Dachverband herangewachsen und arbeitet mit über 200 Frauengruppen und Kooperativen, die insgesamt über 6000 Mitglieder zählen, zusammen. Die Hauptaufgaben der Organisation sind die Vermarktung von Juteprodukte, die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für Frauen und vor allem die Bewußtseinsbildung unter den Frauen. Es wird der Versuch unternommen, die Frauen zu einer aktiven Lebensgestaltung zu motivieren und ihnen Problemlösungskompetenz zu vermitteln. Jute Works bietet in diesem Zusammenhang Bildungsprogramme, Alphabetisierungskurse, finanziert Programme zum Umweltschutz z. B. regionale Wiederaufforstungsprogramme und stellt den Kooperativen Kredite zur Verfügung. Um der schwankenden Nachfrage nach Juteartikeln vorzubeugen, wird versucht, den Frauen auch noch andere Einkommensmög-lich-keiten zu eröffnen (z.B. die Kleintierzucht oder der Gemüse- und Obstanbau).

Die Produzentinnen

Jute Works arbeitet ausschließlich mit Frauen am Land zusammen, die in Kooperativen oder Gruppen organisiert sind. Für die Frauen bedeutet das selbstverdiente Geld einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit und trägt zur Aufwertung der Stellung der Frau in der benga-lischen Gesellschaft bei. Die meisten Produzentinnen leben in weit abgelegenen Dörfern und produzieren zu Hause. Teilweise wird auch in gemeinsamen Werkstätten produziert. Bezahlt werden die Frauen auf Stücklohnbasis, dabei werden die notwendige Arbeitszeit und die Kosten für die Materialien eingerechnet. Die Frauen erzielen so einen Tageslohn der über dem üblichen – allerdings extrem niedrigen – Löhnen für Landarbei-terInnen liegt. Ein Problem stellt die rückgängige Auftragslage dar. Kabulazan beschreibt die Situation wie folgt: „Die Aufträge gehen zurück. Nun müssen zwei Personen an einem Auftragsstück arbeiten, so daß wir die vorhandene Arbeit und Bezahlung unter uns teilen können. Die Überschwemmungen haben die Situation verschärft, weil wir unsere Nahr-ungs-grund-lage verloren haben. Einkommen und Nahrung, das sind unsere größten Anliegen.“

Vorteile für die Produzentinnen

Zusätzlich zum Lohn (siehe oben) erhalten die Produzentinnen am Jahresende einen Bonus, mit dem ein Teil der Gewinne von Jute Works an die Frauen ausbezahlt wird. Weiters wurde von Jute Works ein „Sicherheitsfonds“ zugunsten der Produzentinnen eingerichtet. Monatlich wird ein bestimmter Betrag auf dem Konto jedes Mitglieds verbucht. Im Fall des Ausscheidens steht jeder Frau der bis zum Ausscheiden angelaufene Betrag zu. Die Erlöse aus dem Export der Produkte werden von Jute Works zur Gänze in diverse Programme reinvestiert und zur Kostenabdeckung der eigenen Verwaltung verwendet.
(Quelle: EZA 3.Welt)

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