HEED Handicrafts

Korb- und Tonwaren, Bangladesh
- Geschichte und Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Zum Produkt


Geschichte und Struktur der Organisation

Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1971 (siehe Aktuell-Kurzporträts Corr—The Jute Works und MCC) gilt Bangladesh, eines der ärmsten und dichtbesiedeltsten Län-der, als hoffnungsloser Fall. Zwar hat das Wachstum der Bevölkerung (über 124 Millionen) in den letzten Jahren deutlich abgenommen, doch fehlt es an Land und Mitteln für eine ausreichende Nahrungsmittelproduktion. Dürre und Uberschwemmungen setzen Bevölkerung und Wirtschaft Jahr für Jahr existentiel-len Bedrohungen aus. Bodenschätze fehlen fast völlig, die Industrie ist kaum entwickelt. 74% der Frauen und 51% der Männer können weder lesen noch schreiben, und um den allgemeinen Gesundheitszustand ist es schlecht bestellt.
Nichtsdestotrotz versuchen unzählige Selbsthilfegruppen, nicht nur zu überleben, sondern eine bessere Zukunft aufzubauen. Zu den Organisationen, die ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen, gehören mehrere Faire Handelspartner. Einer davon ist HEED Handicrafts, ein Zweig der nicht gewinnorientierten NGO „Health, Education & Eco-nomic Development“ (HEED), die seit anfangs der 1970er Jahre wie ihr Name besagt Programme in den Bereichen Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Entwicklung durchführt. Da Handwerk für die grosse Mehrheit der Bevölkerung eine der einzigen Verdienstmöglichkeiten darstellt, sollte und soll dieses Kleingewerbe besonders gefördert werden. So wurde 1978 die Abteilung HEED Han-dicrafts eingerichtet, die inzwischen über eigene Strukturen verfügt, doch in gewissen Bereichen — wie beispielsweise Ausbildungsprogrammen — Hand in Hand mit der „Mutterorganisation“ zusammenarbeitet.
Sitz und Verwaltung von HEED Handicrafts befinden sich in Tongi, einem Aussenquartier der Hauptstadt Dhaka; zu den 65 Angestellten (grösstenteils Frauen) gehören sechs Designers, die gemeinsam mit den Mitgliedsgruppen neue Produkte entwickeln, sowie Handwerkerlnnen, die im hauseigenen Produktionszentrum handgewebte Baumwollstoffe herstellen und zu Endprodukten verarbeiten. Zur Stärkung der In-landsverkäufe, bzw. dem Aufbau direkter Beziehungen zwischen Handwerkerlnnen und Verbraucher/ innen betreibt HEED Handicrafts in Dhaka unter dem Namen „Shetuli“ (zu deutsch „Brückenbauer“) vier Läden. In den Export gelangen zur Zeit rund 60% der Waren; Hauptabnehmer sind Faire Handelsorganisationen.
HEED Handicrafts ist Mitglied bei IFAT (International Federation of Alternative Trade) sowie beim nationalen Netzwerk ECOTA Fair Trade Forum.


Ziele/Leistungen

Hauptziel ist es, mit der Unterstützung des einheimischen Handwerks und der direkten Vermarktung der Produkte sowie diversen Dienstleistungen (Vorfinanzierung, kostengünstige Rohmaterialien, Produkteentwicklung und Qualitätskontrolle) Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und damit Grundlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung, bzw. zur Bekämpfung der Armut, Ausbeutung, Verschuldung und Landflucht zu schaffen.
In diesem Rahmen wird Frauenförderung seit Jahren konsequent verfolgt: Frauen werden auf allen Ebenen dazu angehalten und in Kursen befähigt, Verantwortung für ihr eigenes Leben sowie leitende Stellen in ihrer Gruppe zu übernehmen. So obliegt die Geschäftsführung von HEED Handicrafts einer Frau. Und gegen 90% der Gruppenmitglieder sind Frauen. Produzent/ innen
HEED Handicrafts betreut in 20 Landesdistrikten gegen 250 Gruppen; die Handwerkerlnnen — rund 9500 — stammen aus der bengalischen Bevölkerung oder gehören Minoritäten wie den Biharis, Manipuri und Garos an und sind An-hänger der islamischen, hinduistischen oder christlichen Religion.
Je nach geografischer und ethnischer Herkunft der Gruppen sind ganz spezifische Handwerkstraditionen vertreten.

Für alle Gruppenmitglieder haben sich die Lebensbedingungen ganz entschieden verbessert, auch wenn sie mangels Bestellungen oft weit unter ihrer Produktionskapazitäten arbeiten müssen. Immerhin liegt ihr durchschnittliches Jahreseinkommen deutlich höher als der Mindestlohn eines Fabrikarbeiters. Viele Handwerkerlnnen betonen, es sei nun weniger kalt, weniger Winter, da sie mehr Nahrung und Kleider erstehen und ihre Häuser besser ausstatten kön-nen.

Die Artikel, die gegenwärtig im claro-Sortiment zu finden sind, stammen von mehreren Gruppen. Die Dattelpaim-Körbe werden in zwei grossen, offiziell eingetragene Gruppen im Südwesten des Landes hergestellt; insgesamt sind gegen 1500 Frauen und Männer zwischen 20 und 55 Jahren mit der Aufbe-reitung des Rohmaterials und dem eigentlichen Flechten beschäftigt.
Für das Töpfern diverser Tonwaren wie beispielsweise Pflanzentöpfe (code 215.011) sorgen sieben
Dorfgruppen, bzw. rund 250 Handwerkerlnnen im zentralen und südlichen Teil des Landes.
Teelichter sind ein ganz neues Produkt, das in Zusammenarbeit zwischen einer
Töpfer- und zwei Kerzenproduktionsgruppen aus Dhaka entstanden ist.


Zum Produkt

Korb- und Tonwaren bilden seit alters her den traditionellen Hausrat der einheimischen Bevölkerung und sind auch heute noch weitgehend im Gebrauch, obwohl sie vielerorts immer mehr von billigen, knallbunten Plastikartikeln verdrängt werden. Auch Kerzen gehören in Bangladesh, wo nur wenige Haushalte in Stadtgebieten über Elektrizität verfügen, zu den elementarsten Grundbedürfnissen.

Rohmaterialien (Gräser und Fasern aller Art, Tonerde, Naturfarben, Brennholz...) gibt es vor Ort. Die Herstellung ist nicht sehr aufwändig verlangt aber Geschick, Fingerspitzengefühl und Zeit. Geflochten wird von Hand, fürs Töpfern wird eine einfache, fussbetriebene Töpferscheibe verwendet.

Weiterführende Informationen zu HEED Handicrafts und ECOTA Forum gibt‘s auf Internet:
www. heedbangladesh.org/handicrafts oder http://peoplink.org/ecota/
August 2002/ep

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