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Green Net, eine in Bangkok ansässige thailändische NGO, setzt sich seit mehr als 10 Jahren engagiert und kompetent für den Auf- und Ausbau des ersten fairen Reisprojektes ein. Hauptziel ist, den Bauern existenzsichernde Preise zu garantieren, so dass sie sich zum einen eigenständig aus dem gängigen Verschuldungszirkel befreien können, zum anderen nicht mehr genötigt sind, auf der Suche nach Arbeit abzuwandern. Die Reisernte wird in organisationseigenen Mühlen verarbeitet, das Fertigprodukt vor Ort verpackt. Weitere Massnahmen wie professionelle Qualitätssicherung, Umstellung auf BIO-Anbau und Zertifizierung der Ernten sowie direkte Vermarktung in fairen Absatzkanälen tragen ebenfalls zur Schöpfung von Mehrwert bei. Zur Senkung der Zertifizierungskosten und zwecks grösserer Eigenständigkeit hat Green Net 1996 die Gründung der thailändischen Zertifizierungsorganisation ACT veranlasst. Bis zu ihrer Akkreditierung durch IFOAM steht die schwedische Organisation Krav für die Zertifizierung des fairen Reises ein, doch führt ACT die obligatorischen Feldkontrollen bereits eigenständig durch.
Gleichzeitig entwickelt Green Net in Thailand ein Vermarktungsnetz für einheimische und südostasiatische biologische Produkte, wobei folgende Prinzipien eingehalten werden: ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit anhand von Fair Trade Kriterien, Vernetzung von Bauern und Konsumentlnnen sowie finanzielle Wirtschaftlichkeit.
Ein besonderes Anliegen gilt auch der Frauenförderung, nicht nur, aber auch im Bereich der Reisproduktion, wo 65 % der anfallenden Arbeiten von Frauen bewerkstelligt werden. In diesem Rahmen gab Green Net 1993 in Zusammenarbeit mit Surin Farmers Support eine "gender"-Studie in Auftrag. Als Resultat erschien 1996 das (nur auf thailändisch veröffentlichte) Buch "Gender - Rollen und alternative Landwirtschaft".
Im Hinblick auf grössere Transparenz hat sich Green Net im Dezember 2000 neu strukturiert: Green Net Cooperative trägt die Verantwortung für die faire Produktion und Vermarktung des Reises, die neue Earth Net Foundation Ist für technische Beratung, Produkteentwicklung sowie Quelitätssicherung zuständig.
Der fair gehandelte, heute mehrheitlich biozertifizierte Reis stammt aus Surin und Yasothorn, zwei der neun Provinzen des Isan. In Surin wird er von den Mitgliedern der Bauernorganisationep NAG Surin und Tatoom angebaut und in ihrer neuen Mühle NAG Rice Mill bei Kokmaka verarbeitet. In Yasothorn sorgen die Mitglieder der Nature Care Group sowie der Bakruea Farmer Group nicht nur für den Anbau Reis, sondern auch für dessen Verarbeitung in zwei eigenen Mühlen. Für die Verpackung und den Weitertransport der gesamten Reismenge nach Bangkok ist die Bauemgruppe Kaeyai in Surin zuständig.
Dank der langjährigen Aufbauarbeit durch Green Net und dem Fairen Handel haben sich die Lebensbedingungen von über 1000 Bauernfamillen entschieden verbessert.
In Bangkok sorgen 24 Angestellte für die Erledigung der administrativen Aufgaben und den Versand des fairen Reises nach Europa; ihre Arbeits- und Lohnbedingungen liegen über dem örtlichen Durchschnitt.
Green Net vermarktet ausser geringen Mengen von zart-gelbem Lüeng-On vor allem Horn Mali-Reis, den thailändischen aromatischen Reis, der in unseren Breitengraden unter dem Namen Jasminreis bekannt ist - wie sein Name Horn Mali (duftender Jasmin) besagt, erinnert das zarte Aroma, das der Reis beim Kochen entwickelt, an den delikaten Duft von Jasminblüten. Beide Reissorten werden seit eh und je fast ausschliesslich für den Verkauf auf dem Binnen- und dem Exportmarkt angebaut; sie stehen nur zu festlichen Anlässen auf dem Speisezettel der Bauernfamilien.
Wie im Fall, des Basmati-Reises gilt auch für Jasminreis, dass er nur in einigen wenigen Gegenden optimal gedeihen kann. Sein spezifisches Aroma entwickelt sich nämlich nur auf den trockenen, salzhaltigen Böden des Isan. im Laufe der Zeit wurden hier von einheimischen Kleinbauern über 200 standortgerechte Sorten - darunter auch Roter Jasmin - gezüchtet. Heute befürchten sie, dass diese kostbare Sortenvielfalt von profitgierigen transnationalen Firmen beschlagnahmt, bzw. patentiert wird, wie es 1997 für den Basmati made in USA geschehen ist. Bereits wurde in den Vereinigten Staaten ein neuer Reis mit der vielversprechenden Marke "Jasmati" geschützt; dabei handelt es sich allerdings nur um die schlichte Weiterzüchtung eines norditahenischen Reises, der ausser seinem trügerischen Namen rein gar nichts mit Parfümreis gemein hat.
Tatsächlich gehört Jasminreis nebst Basmati aus Indien und Pakistan seit ein paar Jahren zu den Weltmarkt-Rennern. Jasminreis stellt etwa einen Viertel der gesamten thailändischen Reisexporte dar, bringt aber dank Höchstpreisen auf dem Weltmarkt vergleichsweise viel mehr ein als die anderen Reissorten. Doch das grosse Geschäft bleibt den internationalen Handelsgesellschaften (TNCs) vorbehalten, die gewöhnlich in ihren Mühlen auch die Weiterverarbeitung des frisch geernteten Reises kontrollieren. Heute entziehen sie den Kleinbauern freilich nicht nur die finanzielle Existenzgrundlage, sondern usurpieren unter der Schirmherrschaft der WTO auch das elementare Bauernrecht auf Reis-, bzw. Saatgutproduktion, so dass die Emährungssicherheit unzähliger Familien noch stärker gefährdet ist.
Wie
in vielen südostaslatischen Ländern kämpfen deshalb auch in Thailand Bauernorganisationen
und entwicklungspolitische NGO, darunter Green Net und die angeschlossenen Reisbauern,
gegen die Vormachtstellung der TNCs, die Patentierung von Lebewesen und die Einführung
von genmanipulierten Pflanzen. Im Rahmen dieser Kampagne namens "No patent on
ricel No patent on life!" spielt Jasminreis eine zentrale Rolle. Um es mit den
Worten eines NGO-Vertreters aus Thailand zu sagen: "Unsere Zukunft - und die Zukunft
der Kleinbauern im Nordosten des Landes - hängt davon ab, ob uns unser Gemeinschaftserbe
erhalten bleibt und ob wir über unsere Jasmin-Produktion weiterhin frei verfügen
können."
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