Grameen Crafts
Uttar Pradesh/lndia,
(Bébé-Tragtücher)
- Organisation
- Leistungen
- Produzentlnnen
- Produkt
Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 in Lucknow,
der Hauptstadt von Uttar Pradesh, einem der ärmsten indischen Bundesstaaten,
steht die einheimische NGO Grameen Development Services (GDS) wie ihr
Name besagt "im Dienst der Dorfentwicklung", wobei sie hauptsächlich Projekte
zur Förderung des Erziehungs- und Gesundheitswesen sowie zur Erschliessung und
Sicherung neuer Verdienstquellen verwirklicht. Um klare Strukturen zu schaffen,
grenzte die Organisation auch auf Juristischer Ebene kommerzielle Aktivitäten
von entwicklungspolitischen Aktionen ab. So entstand im Mai 1995 der gemeinnützige,
nicht gewinnorientierte Vemarktungszweig Grameen Crafts (GC), der von
einem 7-köpfigen Verwaltungsrat geleitet wird und heute 18 Angestellte beschäftigt.
Als offiziell eingetragene Exportgeseilschaft verfügt GC über eine eigene Exportlizenz.
Zur Förderung der Binnenverkäufe wurde zudem 1997 die Grameen Network Society
gegründet.
Während GDS auf Subventionen und Schenkungen angewiesen ist, beruht GC auf dem
Prinzip der Eigenfinanzierung. Das Betriebskapital setzt sich aus den Mitgliederbeiträgen,
den Vorfinanzierungen des Fairen Handels sowie persönlichen Krediten einiger
Mitglieder zusammen. Allfällige Gewinne fliessen In die Produkteentwlcklung
oder werden zur Verbesserung der Infrastrukturen verwendet. An der jährlichen
Generalversammlung können alte Mitglieder zu Worte kommen, auch wenn sie formell
keine Entscheidungen treffen dürfen. Laut der indischen Gesetzgebung haben nämlich
finanzielle Nutzniesser einer Organisation kein Recht auf Mitbestimmung.
Grameen Crafts hat anfangs 2001 die IFAT-Mitgliedschaft beantragt.
Grameen Crafts unterstützt zur Zeit zehn Gruppen mit rund 160 Mitgliedern, die verschiedenste Handwerksartikel - Gegenstände aus Speckstein und Leder, Töpferwaren, Holzschnitzereien, handgewebte Textilien sowie Honig und Gewürze herstellen. Uber 50 % der Mitglieder sind Frauen. Zu den Dienstleistungen gehören Schulungen und Beratungen im Bereich der Produkteentwicklung, der Preisfestsetzung und Betriebsleitung sowie zentrale Einkäufe der Rohmaterialien. Ein grosses Anliegen gilt heute der Einrichtung einer eigenen Produktion von Pflanzenfarben und AZO-freien Farben. Zwar reichen die Bestellungen noch nicht aus, um den Produzentlnnen eine Vollbeschäftigung zu garantieren. Dank der Zusammenarbeit mit Grameen Crafts und dem Fairen Handel stieg jedoch ihr monatliches Durchschnittseinkommen zwischen 1995 und 1997 immerhin von 400 auf 1500 Rupien an. (Zum Vergleich: 1997 betrug der offizielle Mindestlohn im Bundesstaat Uttar Pradesh 35 Rupien pro Arbeitstag). Heute verdienen sie bei entsprechenden Aufträgen monatliche bis zu 3500 Rupien, ein Betrag, der wesentlich über dem Existenzminimum, bzw. der Armutsschwelle liegt.
Für Arztbesuche und Medikamente können die Mitglieder günstige Kredite aufnehmen; im Notfall sorgt GC für die Hospitalisierung. Die Organisation unterstützt den Schulbesuch der Kinder und kommt für deren Gesundheitsvorsorge auf. Ferner wurde eine Sparkasse eingerichtet. Die Produzentinnen zahlen monatlich 10 Rupien ein und verfügen frei über ihre Ersparnisse. Das Erdbeben, das kürzlich Nordindien heirnsuchte, hat die Mitglieder unserer Partnerorganisation verschont; doch befinden sich unter den Opfern zahlreiche Verwandte und Bekannte. Dennoch - oder gerade deshalb - versucht Grameen Crafts, die Produktion aufrechtzuerhalten und die Bestellungen trotz aller Schwierigkeiten termingerecht auszuführen.
Nach einem langen Unterbruch bietet claro erneut Bébé-Tragtücher von Grameen Crafts an. Die WeberInnen, 10 Frauen und Männer, leben in einem abgelegenen Dorf im Gorakhpur-Distrikt, im Nordosten von Uttar Pradesh, rund 300 km von Lucknow entfernt. Die Gegend, eine der ärmsten des Bundesstaates, verfügt weder über ein ausgebautes Strassennetz noch über Elektrizität. Die Produzentlnnen stammen alle aus der landlosen Bevölkerung; 40 % der Männer und über 25 % der Frauen können weder lesen noch schreiben. Die Herstellung von traditionellen BaumwolltextUien verschafft ihnen, dank der fairen Vermarktung, eine wichtige Verdienstquelle und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Arbeit wird zu Hause, auf dem traditionellen pit-loom ("Gruben-Webstuhl") ausgeführt. Dieser einfache, schmale Handwebstuhl steht in einer Bodenvertiefung; die Weberinnen sitzen ebenerdig auf dem Grubenrand.
Kleinkinder werden im Süden nach wie vor von Müttern, Schwestern,
Tanten überallhin auf dem Rücken mitgetragen. Dieser enge Körperkontakt trägt,
wie wissenschaftlich nachgewiesen wurde, wesentlich zur gesunden physischen
und psychischen Entwicklung des Kindes bei. Auch in unseren Breitengraden hat
diese Erkenntnis mehr als eine exotische Mode ausgelöst.
Für die claro-Tragtücher wird einheimische Baumwolle auf dem Lokalmarkt eingekauft,
die GC den Mitgliedergruppen zu günstigen Bedingungen abgibt. Die Weberinnen
färben das Garn eigenständig mit AZO-freien Farben ein.
Die Bébé-Tragtücher können bei 30° in der Maschine mit einem Waschmittel ohne
Bleichstoffe gewaschen werden.