Gospel House Handicrafts
Madampe, Sri Lanka
- Geschichte/ Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Der letzte Schliff...
- Fair play auch in der Spielzeugproduktion?
| Geschichte/ Struktur der Organisation Die Ortschaft Madampe liegt rund 60 km nördlich von Colombo an der Westküste der Insel Sri Lanka, am Rand eines grossen Trockengebietes. Die Lebensbedingungen sind hart, Arbeitsplätze sind rar, die Ernten decken nur knapp den eigenen Bedarf. In den 1970er Jahren gründete eine einheimische Familie, die zum Christentum übergetreten war, eine kleine Holzwerkstatt, um Jugendlichen eine Ausbildung und eine korrekt bezahlte Beschäftigung zu verschaffen. 1977 konnte der Betrieb mit Unterstützung der britischen FairHandelsorganisation Traidcraft unter dem Namen Gospel House Handicrafts (GHH) als Privatfirma mit beschränkter Haftung offiziell eingetragen werden. Seit 1983 wird GHH von den Söhnen des Gründers geleitet; beide fühlen sich dem Fairen Handel und umweltfreundlicher Produktion verpflichtet und achten darauf, dass das Wachstum ihres Unternehmens den Kriterien der nachhaltigen Entwicklung entspricht. So ist Gospel House Handicrafts trotz dem religiösen Hintergrund der Leiter- |
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Ziele/Leistungen
Gospel House Handicrafts geht es nach wie vor in erster
Linie darum, der Landbevölkerung, allen voran Jugendlichen und Frauen,
zu Ausbildung, Arbeit und Einkommen im Einzugsgebiet der Ortschaft Madampe zu
verhelfen. Im Laufe der Zeit hat sich GHH nebst Karten und Artikeln aus KokosnussFasern
auf EU-konformes Spielzeug spezialisiert, das unter der Marke „Woodbrix
Toys" vertrieben wird. Da neue, originelle Produkte wichtig sind, um den
Absatz zu steigern, bzw. die Arbeitsplätze zu sichern oder gar zusätzliche
zu schaffen, ist Produkteentwicklung bei GHH ein ganz besonders wichtiges Anliegen.
So besteht seit geraumer Zeit eine eigene Abteilung für diesen Bereich.
Dabei geht es nicht nur um originelle Designs, sondern auch um die Entwicklung
von umweltfreundlichen Produkten sowie um die Verwertung von Abfällen aus
der Produktion.
GHH verwendet für die Herstellung der kleinen Magnetfiguren eine eigens
kreierte Mischung aus Altpapier, Sägespänen und Holzstaub; ein umweltfreundliches,
biologisch abbaubares Verpackungsmaterial wurde im Jahr 2001 in Bangkok mit
einem ersten Preis ausgezeichnet.
Gleichzeitig setzt sich GHH stark für die Produzentinnen ein. Alle Angestellten
erhalten ein Grundgehalt, das deutlich über dem offiziellen Mindestlohn
liegt und erhalten ein 13. Monatsgehalt sowie eine Mengenprämie; ferner
sind sie Unfall- und krankenversichert und haben Anrecht auf Altersvorsorge.
Solche Leistungen sind in Sri Lanka äusserst selten! Anfangs 2003 wurde
GHH gar von der Handels- und Wirtschaftskammer als bestes Unternehmen des Landes
preisgekrönt; in der Begründung heisst es, GHH zeige beispielhaft
auf, dass Handel nicht aufgrund der Prinzipien des freien Handels betrieben
werden solle, sondern Kriterien eines Fairen Handels berücksichtigen könne...
Der Faire Handel trägt zu diesen Leistungen entscheidend bei. So konnte
GHH Gewinne erwirtschaften, die zur Modernisierung der Produktionsmittel benutzt
wurden. Als nächstes ist die Erweiterung der zentralen Werkstatt geplant.
So sollen auf dem unmittelbaren Nachbargelände ein weiteres Atelier, ein
Gemeinschaftsraum für die Angestellten sowie neue Sanitäranlagen entstehen.
| Produzentinnen Die zentrale Werkstatt beschäftigt zur Zeit 45 fest angestellte Handwerkerlnnen, überwiegend junge Männer. Nach der Ausbildung steht es diesen frei, ob sie weiterhin bei GHH oder eigenständig arbeiten wollen. Seit 1988 betreut das Unternehmen ausserdem einige Gruppen und Familienbetriebe in der näheren und weiteren Umgebung Madampe's. claro bezieht von GHH - nebst ein paar anderen Produkten (beispielsweise Karten) und Spielwaren - vor allem Puzzles. GHH verwendet als Grundmaterial ausschliesslich das Holz des einheimischen Plantagenbaums „Albizia falcataria". |
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Weitere Informationen zum Albizia-Baum, der Puzzle-Produktion und den verschiedenen Aktivitäten von Gospel House Handicrafts finden Sie auf der homepage www.woodbrix.com.
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Der letzte Schliff...
Zu den Familien, die fürs Schleifen der Puzzleteile
sorgen, gehört die Familie Seelawathi in einem Dorf unweit von Madampe.
Wie es hier noch gang und gäbe ist, leben vier Generationen unter einem
Dach. Frau Seelawathi ist 53; sie ist seit zehn Jahren bei Gospel House beschäftigt.
Auch ihr Mann, ihr alter Vater und die zwei Enkeltöchter helfen mit. Tochter
und Schwiegersohn, die beide einen Arbeitsplatz in der Nähe gefunden haben,
springen am Wochenende ein, wenn dringende Aufträge vorliegen. In der Regel
ist das Bestellvolumen so gross, dass zusätzlich mehrere Frauen aus der
Nachbarschaft an der Produktion teilnehmen können.
Die siebzehnjährige Enkeltochter Gayani Apsara arbeitet nur am Nachmittag.
Morgens geht sie zur Schule. Das Puzzleschleifen macht ihr Spass, und sie ist
froh über den Verdienst, mit dem sie sich Kleider oder Bücher für
die Schule kaufen kann. Den grössten Teil legt sie allerdings auf ein Sparbuch,
für später, sagt sie.
(Quelle: EZA; Fotos: Gospel House)
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Fair play auch in der Spielzeugproduktion?
Puzzles sind auch im Zeitalter der Game-Boys noch immer
bei vielen Kindern höchst beliebt. Die meisten Puzzles werden freilich
in asiatischen Spielzeugfabriken hergestellt, unter Missachtung der elementarsten
Menschenrechte und der Vorschriften der Internationalen Arbeitsorganisation
(ILO).
Betroffen sind vor allem Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren, die den grössten
Teil der Belegschaften stellen. Wenn die Produktion für das Weihnachtsgeschäft
auf Hochtouren läuft, sind die Arbeitszeiten extrem lang - 12, 13 Stunden
am Tag sind gang und gäbe, sieben Tage in der Woche! Meist gibt es keinen
Kündigungsschutz; gesetzliche Mindestlöhne werden unterschritten,
Arbeitsschutzbestimmungen grob verletzt. Oft werden gewisse Produktionsphasen
ausgelagert, vielfach stellen dabei Kinder die billigsten Arbeitskräfte.
In mehreren europäischen Ländern laufen zur Zeit, parallel zur „Clean
Clothes-Kampagne", Aktionen, die für faire Regeln in der Spielzeugproduktion
eintreten. Fair-Handelspartner wie Gospel House Handicrafts, Golden Palm (claro-Code
238) oder Aruna Arutala ( Code 305) bürgen seit langem für Spielwaren,
mit denen Kinder spielen können, ohne dass es auf Kosten anderer Kinder
geht.
Informationen zur deutschen Aktion „fair spielt"
finden Sie auf www.fair-spielt; für französischsprachige Leserinnen
sei auf die spannende Untersuchung von Carole Crabbé und Isabelle Delforge
hingewiesen, die unter dem Titel „Jouets de la mondialisation. Dans le
monde désenchanté de Walt Disney" bei Editions Vista (2002)
erschienen ist.
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