Dhaka Handicrafts
Bangladesh

- Geschichte/Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt

Geschichte/Struktur der Organisation

Bangladesh liegt im Mündungsdelta des Ganges und des Bramapturas. Als Grossbritannien 1947 den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit entliess, wurde das Gebiet dem fernen Pakistan zugeteilt. Nach einem blutigen Bürgerkrieg zwischen Ost- und Westpakistan erlangte es 1971 die nationale Souveränität; seit 1988 ist der Islam Staatsreligion. Die Folgen der blutigen Auseinandersetzungen sind noch heute zu spüren. Nach wie vor handelt es sich um eines der ärmsten Länder der Welt; nach wie vor lebt mehr als die Hälfte der über 126 Millionen Einwohnerlnnen unterhalb der Armutsschwelle, ohne Zugang zu Land, Nahrung, Geld, medizinischer Versorgung...

Zu den einheimischen und internationalen NGO's, die nach dem Ende des Krieges einen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Bevölkerung leisten wollten, gehört das private schweizerische Hilfswerk Enfants du Monde (EDM). Zunächst startete es in fünf Dörfern ein Rehabilitierungsprogramm für Flüchtlingsfamilien, die aus Indien in die Heimat zurückkehrten. Bald schon konnte das Programm, das vor allem Frauen und Kindern zunutze kommen sollte, in über 1000 Dörfern durchgeführt werden. EDM verfolgte dabei nebst allgemeineren Wiederaufbauhilfen die Einrichtung von Ausbildungszentren für alleinstehende Mütter, von Schulen (insbes. für Strassenkinder) und Gesundheitsposten sowie Therapiezentren für misshandelte junge Mädchen. Zur Schaffung von Verdienstquellen für Frauen verlegte sich EDM mit der Zeit auf die Vermarktung von Handwerk; anfangs handelte es sich dabei in Absprache mit der Exportorganisation Jute Works - einer der ersten fairen Handelspartner, der unzählige weitere Gruppen betreut - ausschliesslich um Korbwaren.

Inzwischen hat sich das Handwerksprojekt von EDM zu einer finanziell und strukturell eigenständigen Organisation namens Dhaka Handicrafts entwickelt; bei claro läuft sie weiterhin unter dem Code ihrer Schwesterorganisation Jute Works (211), die nach wie vor einen Teil des Exportes abwickelt. Dhaka Handicrafts beschränkt sich heute nicht mehr auf Körbe, sondern vermarktet auch Keramik und andere handwerklich hergestellte Artikel. Als Verfechterin fairer Produktions- und Vermarktungsbedingungen exportiert sie ausschliesslich an - insgesamt 35 - 'faire' Handelsorganisationen in Europa, Amerika, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland.

Ziele/Leistungen

Hauptziel von Dhaka Handicrafts ist die nachhaltige Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Regelmässige Verdienstmöglichkeiten zu fairen Bedingungen sowie verschiedene Entwicklungsmassnahmen wie produktionstechnische Weiterbildungskurse, günstige Darlehen und Sparkonten sollen die Handwerkerlnnen zur Selbsthilfe befähigen.

Dhaka Handicrafts sorgt im Handwerksbereich für zinslose Vorfinanzierung der Aufträge, kostengünstige Beschaffung von Rohmaterialien unter Berücksichtigung ökologisch nachhaltiger Kriterien, prompte Bezahlung sowie Produkteentwicklung und Qualitätskontrollen. Die Produzentlnnen haben ein Recht auf Mitbestimmung bei der Festlegung der Preise und bei weiteren Entscheidungen auf Organisationsebene, die sie betreffen. Ferner werden sie bei Krankheiten und Unfällen sowie im Bereich der Gesundheitsvorsorge und Familienplanung beraten und unterstützt und können eine Art Altersrente geltend machen.

Produzentinnen

Dhaka Handicrafts unterstützt gegenwärtig 64 Gruppen, die etwa 3'200 Handwerkerinnen beschäftigen und diesen ermöglichen, den Lebensunterhalt ihrer Familien - insgesamt rund 16'000 Menschen - zu bestreiten.
12 Gruppen mit rund 800 Mitgliedern stellen traditionelle Schilfrohrkörbe her wie sie claro zur Zeit bezieht. So beispielsweise das 1974 gegründete Ha n dwerkszentru m Kaloi Cane Basket Center in Jhita, einem Dorf im Manikgonji Distrikt; es beschäftigt gegenwärtig 25 Produzentinnen, darunter ein paar Lehrlinge. Da die Bestellungen nicht ausreichen, um die Handwerkerlnnen das ganze Jahr über zu beschäftigen, versuchen diese, mit ihren Ersparnissen Hühner oder gar eine Kuh zu erwerben, um mit dem Verkauf von Eiern und Milch zusätzlich Geld zu verdienen. Die meisten besitzen kein Land, hoffen aber, mit der Zeit eine Parzelle erstehen zu können.
Immerhin erlaubt ihnen die Arbeit im Handwerkszentrum, nicht nur fürs Nötigste aufzukommen, sondern auch den Schulbesuch der Kinder bezahlen zu können.

Zum Produkt

Schilfrohr, eine wilde, dornige Sumpfpflanze, wächst in den unzähligen Wasserläufen, die zu den einzigen Reichtümern des Landes gehören, in Hülle und Fülle; seit altersher werden damit die verschiedensten Körbe hergestellt. Sie dienen der einheimischen Bevölkerung traditionell nicht nur für den Transport, sondern auch für die Aufbewahrung von Lebensmitteln, Kleidern, u.a. Heute werden sie freilich je länger je mehr durch billige Plastikbehälter verdrängt.

Für das Reinigen und Einweichen des Rohmaterials in Wasser sorgen die Frauen; das beschwerliche Flechten mit dem kaum biegsamen Rohr ist in der Regel den Männern vorbehalten.

Weitere Informationen zur Organisation, den Produkten sowie den verwendeten Rohmaterialien finden Sie auf www.dhaka-handicrafts.com. Eine Produzentinnen-Beschreibung gibt es auch auf der gepa-homepage www.gepa.org.

Dezember 2001/ep

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