COSATIN
Cooperativa de Servicios Agropecuarios Tierra Nueva/Boaco, Nicaragua

- Hintergrund/Geschichte der Organisation
- Produzentinnen
- Zum Produkt
- Für Teresa zahlt sich die Arbeit aus!


Hintergrund/Geschichte der Organisation
Boaco, einer der 16 Verwaltungsbezirke Nicaraguas, liegt nordöstlich der Hauptstadt Managua, im hügeligen, bewaldeten Zentrum des Landes. Jahrelang

war das Gebiet Schauplatz der Kämpfe zwischen der Contra und der sandinistischen Regierung; zahlreiche Einwohnerinnen ergriffen die Flucht, andere sahen sich aus finanzieller Not gezwungen, ihr Land zu verkaufen und abzuwandern. Seit der Regierungswende anfangs der 1990er Jahre und der Entwaffnung der Contras sowie der Zuspitzung der wirtschaftlichen Not, welche die Stadtbevölkerung besonders hart trifft, sind viele Familien in ihr Dorf zurückgekehrt und versuchen, trotz der dürftigen Infrastruktur, mit Viehzucht und Anbau von Kaffee und weiteren Agrarprodukten ein Auskommen zu finden. Infolge der übermässigen Produktionssteigerung kam es in kurzer Zeit zu Überweidung und Wasserknappheit. Die erhofften Gewinne blieben und bleiben deshalb aus. 75% der Einwohnerinnen leben unter der Armutsschwelle.

Doch ist die Region nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und kulturell im Rückstand. Die Analphabetenrate liegt hier bei 40%, für Frauen gar bei über 50%. Der allgemeine Gesundheitszustand ist prekär, Frauen und Kinder sind besonders gefährdet.
1995 beschlossen 22 Kleinbauern aus der Umgebung der Stadt Boaco, gemeinsam ein Wiederaufforstungsprogramm durchzuführen, das ihnen erlauben sollte, neue Kaffeegärten anzulegen. Dabei entstand die Idee, auch die Vermarktung des Kaffees gemeinsam durchzuführen. Gleichzeitig wurden die ersten Kontakte zum Fairen Handel geknüpft. 1997 kam es zur Gründung der Dienstleistungsgenossenschaft COSATIN (Cooperativa de Servicios Agropecuarios Tierra Nueva R.L.). Ihr Einzugsgebiet umfasst heute 25 Dörfer. ..
COSATIN gehört – wie CECOCAFEN (s. Aktuell Dez. 2002) – zu den nicaraguanischen Kooperativen, die seit der Niederlage der Sandinisten versuchen, Alternativen zur Privatisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft zu schaffen und demokratische Strukturen aufrechtzuerhalten. Oberstes Entscheidungsgremium ist die Generalversammlung, die u.A. die Mitglieder der verschiedenen Arbeitsausschüsse sowie den siebenköpfigen Verwaltungsrat ernennt, an dessen Sitzungen Vertreterinnen der Produzentengruppen teilnehmen können.

1999 wurde COSATIN ins FLO - Kaffeeregister, anfangs 2003 auch ins FLO - Honigregister aufgenommen. claro bezieht von COSATIN zur Zeit ausschliesslich Honig.

Zu COSATIN's Hauptzielen gehört die Erschliessung regelmässiger Verdienst-quellen sowie die Verbesserung der Er­nährungssicherheit durch Umstellung auf BIO-Landbau. Dank Ausbildungsmöglich­keiten und Beratungen sollen die Mitglieder befähigt werden, eigenständig zur Umsetzung dieser Ziele beizutragen. Besonders grosse Anstrengungen gelten von Anfang an der Bildung und Beglei­tung der Mitglieder im Hinblick auf die BIO- Zertifizierung von Kaffee und Honig. Zum einen hat COSATIN eine spezielle Beraterkommission ernannt, zum andern werden, in Zusammenarbeit mit der la­teinamerikanischen Zertifizierungsorga­nisation BIOLATINA einheimische Inspek­toren ausgebildet, die für die Vorarbeiten der Zertifizierung sorgen können. Dies trägt entscheidend zur Verringerung der hohen Zertifizierungskosten bei. Heute verfügt COSATIN bereits über ein Netz von 30 so genannten "precertificadores". Die Kooperative legt Wert darauf, dass die Mitglieder, die eine Ausbil­dung absolvieren, ihr neues Wissen in ihrer jeweiligen Gemeinde weitergeben, und damit zur Entwicklung ihrer Region beitragen.

COSATIN stellt den Mitgliedern ferner Kleinkredite zu niedrigen Zinsen zur Ver­fügung. Die Finanzierung des umfangrei­chen Bildungs- und Beratungsangebots wird wesentlich aus den Mehrpreiszah­lungen bestritten, die der Faire Handel leistet: Ebenso wichtig sind die Vorfinan­zierungen, die der Faire Handel den Partnern gewährt, denn COSATIN ist es bisher nicht gelungen, einen Rotationsfonds zu äufnen.

So leistet COSATIN einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Gemeinschaftsar­beit und Solidarität sowie zur Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die — hier wie anderswo — zusehends durch multinationale Agrarkonzerne verdrängt wird.


Produzentinnen
COSATIN zählt zur Zeit rund 340 Mitglie­der, darunter 60 — meist allein stehende — Frauen. Dabei handelt es sich in der Regel um Klein- und Kleinstbauernfamili­en, die weit verstreut im unwegsamen Hügelgebiet um Boaco auf 900 - 1400 M.ü.M. leben. Zur Selbstversorgung pflanzen sie hauptsächlich Mais, Bohnen und Pfefferschoten, für den Lokalmarkt Bananen, Zitrusfrüchte, Ingwer und Ka­kao an. Für die meisten ist Kaffee nach wie vor die Haupterwerbsquelle, doch spezialisieren sich zusehends mehr Mitglieder auf Imkerei. So sind heute be­reits 68 Bienenzüchter in der Lage, biozertifizierten Honig zu liefern.

Dank der Umstellung auf BIO - Landbau und der Befolgung der Richtlinien für biologische Honigproduktion sowie der Auf­nahme ins FLO - Register erhalten die Mitglieder von COSATIN heute Preise, die sich auszahlen. Vom Gewinn, den sie erwirtschaften, fliesst ein Teil in den Kreditfonds der Kooperative; ein weiterer Teil dient dem Kauf von Neupflanzungen.


Zum Produkt
BIO-Honig wird nach strengen Richtlinien erzeugt. So muss z. B. der Abstand zwischen den Bienenstöcken und konventionell bewirtschafteten Flächen sowie Strassen mindestens 3 km betragen – weiter entfernen sich die Bienen zur Honigsuche normalerweise nicht vom Stock. Ferner dürfen im Bienenstock keine konventionellen Behandlungsmittel verwendet werden. Diese Bedingungen sind bei COSATIN erfüllt: Zum einen leben die Mitglieder in einer entlegenen Gegend, wo fast ausschliesslich kleinbäuerliche
Landwirtschaft ohne Chemie-Einsatz betrieben wird; zum andern verwenden die Imker, die eigens durch COSATIN ausgebildet werden, beispielsweise für die – bisher in der Gegend von Boaco äusserst seltene – Bienenkrankheit "Varoa" ausschliesslich natürliche Ameisensäure.

Vor Ort sorgt BIOLATINA, eine südamerikanische, in der EU anerkannte Zertifizierungsorganisation, für die Zertifizierung des Honigs und seiner Weiterverarbeitung bis zum Fertigprodukt. In der Schweiz steht IMO dafür ein.


Für Teresa zahlt sich die Arbeit aus!
"Ich bin Gründungsmitglied von COSATIN und bin seit der Ausbildung, die mir die Kooperative ermöglicht hat, selber BIO - Beraterin in meiner Gemeinde. Seit wir unsere Produkte direkt vermarkten können, merke ich, dass mir die Arbeit etwas bringt. Wenn man an die Händler auf der Strasse verkauft, hat man das Gefühl, das ganze Jahr für rein gar nichts zu arbeiten. Ich persönlich betreibe nebenbei einen kleinen Laden. Dafür habe ich einen Teil meiner Gewinne investiert, doch verdiene ich nun auch mehr. Der Gewinn aus dem Laden ermöglicht mir, Lebensmittel zu kaufen. Mit dem Geld, das der Kaffee einbringt, bezahle ich alles andere, Kleider, Schuhe, Schulgeld für meine Kinder. Mit einem anderen Teil des Mehrpreises hab ich eigenhändig eine Baumschule angelegt, um schrittweise meine Kaffeepflanzung zu verjüngen. Andere COSATIN - Mitglieder in der Gemeinde haben sich Tiere gekauft, ihr Haus repariert oder wie ich eine eigene Baumschule angelegt, ohne gezwungen zu sein, sich dafür zu verschulden.

Auf meinem Land baue ich Mais, Bohnen und Gemüse für die Selbstversorgung an. Seit fünf Jahren produziere ich etwas Wurzelgemüse; wenn die Ernte gut ausfällt, kann ich dieses auf dem Lokalmarkt verkaufen. Vor drei Jahren habe ich mit Zitrusfrüchten und Maracuja angefangen; bisher reicht die Ernte erst für den Eigenbedarf, die Pflanzen sind noch jung, doch bald werde ich auch verkaufen können. Zur gleichen Zeit habe ich auch begonnen, Kakao sowie Achiote (einen Farbstoff für Kosmetik und Gewürze) zwischen die Kaffeestauden zu pflanzen. Die erste Ernte wird nächstes Jahr möglich sein. Seit ich bei COSATIN bin, habe ich keine Vermarktungsprobleme mehr. Schulden hab ich nur bei der Kooperative, doch kann ich sie mit Kaffee zurückzahlen, zu erschwinglichen Zinsen. Anderswo sind die Zinsen viel zu hoch. Der Kreditfonds unserer Organisation ist eine echte Alternative. Ich selber habe nie Kredite bei einer Bank aufgenommen, im Gegensatz zu anderen Leuten aus meiner Gemeinde; die meisten haben schliesslich ihr Vieh oder gar ihr Land verkaufen müssen, um die Schuld zurückzuzahlen."

(Quelle: http:!/www.dwp-rv.de/cosatin, Interview mit Teresa del Carmen Morala Hernandez, Kaffeebäuerin aus der Gemeinde "Mombachito")

claro fair trade AG, 2552 Orpund, August 2004

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