Comparte

Chile, Regenstäbe, Holzschmuck

- Geschichte/ Struktur der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen



Geschichte/ Struktur der Organisation

Nach dem Tode von Salvador Allende am 11. September 1973 (s. Kasten) und der Errichtung des Militärregimes durch den General Pinochet kam es im wirtschaftlichen Bereich zu einer enormen Einkommenskonzentration, zum Niedergang der kleinen und mittleren Betriebe, zu hoher Arbeitslosigkeit und Verelendung weiter Bevölkerungskreise. Der Erfolg der Opposition am Ende der 1980er Jahre erlaubte auch den Wiederaufbau von Basisgruppen und Organisationen, die sich für benachteiligte Bevölkerungsgruppen und Kleinproduzentlnnen einsetzen und der chilenischen Gesellschaft erneut demokratische Grundlagen verschaffen wollten. Dazu gehört Comparte (zu deutsch „Teilen"), eine nicht gewinnorientierte Vermarktung- und Exportorganisation, die 1988 als Aktiengesellschaft gegründet wurde. Hauptaktionäre sind der gemeinnützige „Soziale Verband der christlichen Geschäftsleute" USC sowie die chilenische Entwicklungsbank „Banjo dem Desarollo".
Comparte betreut landesweit über 430 unterschiedlich organisierte Gruppen, die fast ausschliesslich traditionelles Handwerk herstellen; zwei Gruppen liefern Honig und Rotwein. Sitz und Verwaltung befinden sich in der Hauptstadt Santiago; 14 Angestellte sorgen dort für die Abwicklung der laufenden Geschäfte und des Exportes sowie für die Qualitätskontrolle und, seit kurzer Zeit, für die Entwicklung neuer Produkte.
Als Verfechterin des Fairen Handels hat Comparte von Anfang an Kontakte zu Fair-Handelsorganisationen in Europa geknüpft und ist langjähriges Mitglied bei der IFAT.


Ziele/Leistungen

Comparte versteht sich als Vermarktungs- und Exportorganisation, die sich folglich auf gewisse Aufgabenbereiche beschränken will, ohne dabei eine globalere Vision aus den Augen zu verlieren. Zu ihren Hauptzielen gehört die Schaffung von regelmässigen, würdigen Verdienstquellen für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen als tragfähige Grundlage für weitere Entwicklungen im sozialen Bereich. Comparte gewährt Vorfinanzierungen, sucht nach fairen Absatzmärkten, sorgt für die Verpackung und den Transport der Produkte und bezahlt kostendeckende, von den Produzentinnen festgelegte Preise. Gleichzeitig werden die Gruppen befähigt, für den Verkauf ihrer Waren auf dem Binnenmarkt selber zu sorgen.
Frauen .erden zwar nicht mit spezifischen Massnahmen gefördert, doch hat sich ihr Anteil im Laufe der Jahre erheblich vergrössert; ferner sind immer mehr Frauen bereit, innerhalb ihrer Gruppe Verantwortung zu übernehmen. Für Comparte ist dies der Beweis, dass die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen günstige Voraussetzungen für gesellschaftliche Veränderungen schafft.
Comparte hat 1993 das Ziel der Eigenfinanzierung erreicht; allfällige Gewinne .erden bis jetzt zur Förderung der Produzentinnen investiert. Die Äufnung eines Sozialfonds ist geplant, doch fehlen vorläufig die finanziellen Mittel. Im Rahmen eines Aufforstungsprogramms, das mit einem Aufpreis von 5% auf Holzartikel finanziert .erden soll, wurden in einem Montessori-Kindergarten in einem Armenviertel von Santiago Bäume gepflanzt.
Über die individuelle Betreuung einer Gruppe hinaus legt Comparte, wie es der Name nachleget, grossen Wert auf Austausch und Vernetzung.


Produzentinnen

Comparte ist die erste und bisher einzige chilenische Partnerorganisation, von der claro Handwerksartikel bezieht. Die Regenstäbe stammen aus dem „Haller de Fernands Carmona", einem kleinen Familienbetrieb in La Serena. Diese traumhaft schöne Küstenstadt am Pazifik zieht viele Touristen an, .eist jedoch eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten des Landes auf. Betroffen sind vor allem Jugendliche unter 25 Jahre. Der Leiter des „Haller de Fernands Carmona" war früher Bauer, doch gelang es ihm nicht, den Lebensunterhalt seiner Familie zu bestreiten. So ging er bei einem befreundeten Handwerker in die Lehre, fing mit der Herstellung von Holz-Schmuck an und eröffnete sein eigenes Atelier. Eines Hages entdeckte er den schönen Klang des Regenstabes und beschloss, sich auf diese musikalische Produktion zu spezialisieren. Zunächst verkaufte er seine Produktion ausschliesslich auf dem Lokalmarkt an Touristen. 1992 kam er in Kontakt mit Comparte; seither kann er seine Produktion zu fairen Bedingungen exportieren. Dank Comparte hat er u.a.. gelernt, die Regenstäbe mit traditionellen Indianern Mustern zu. verzieren, wie es beim Volk der Diaguita, das in der Gegend der Atacama-Wüste im Norden des Landes lebte, üblich war.
Heute beschäftigt der Betrieb drei Frauen und neun Männer, sechs davon sind voll angestellt, die andern sechs müssen sich, seit die Bestellungen nachlassen, mit einer Teilzeitstelle begnügen. Alle erhalten einen Lohn, der an sich über dem regionalen Mindesteinkommen liegt, doch je nach Aufträgen nicht zur Deckung der Lebenskosten ausreicht. Fernands geht es aber nicht nur darum, seine eigene Familie über Wasser zu halten. Seine grösste Hoffnung ist es, sein Atelier modernisieren und vergrössern, bz.. mehr Mitarbeiterinnen - insbesondere Jugendliche - einstellen und damit einen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Abwanderung leisten zu können.

Weitere Informationen zu Comparte finden Sie auf www.comparte.cl

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