- Hintergrund
- Geschichte/Strukturen der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Volkstümliche Krippenkunst aus Peru
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Hintergrund
Peru gehört, trotz grosser Bodenschätze wie Silber, Gold, Petrol, zu den ärmsten Länder Lateinamerikas. Jahrelang zogen zudem blutige Auseinandersetzungen zwischen der Armee und der Guerillabewegung Sendero luminoso („Leuchtender Pfad") die Bevölkerung in Mitleidenschaft. Ganz besonders schlimm war die Lage auf dem Hochland bei Ayacucho. Die Angst vor Überfällen, Verschleppungen, Ermordungen durch Kommandos beider Fronten vertrieb viele Menschen in Stadtnähe, wo sie sich in grösserer Sicherheit fühlten als in ihren entlegenen Dörfern. Mehr als ein Drittel der Landesbevölkerung hat sich mittlerweile im Einzugsgebiet der Hauptstadt Lima nieder-gelassen. Dementsprechend wachsen slumartige Aussenquartiere ins Uferlose. Die Flüchtlinge sind meist Indigenas, die insgesamt etwa die Hälfte der Peruaner-Innen stellen: Viele versuchen mit dem Verkauf von Handwerksartikeln im informellen Sektor, bzw. an Touristen zu einer Verdienst- und Überlebensmöglichkeit zu kommen. Dabei handelt es sich um traditionelle Handwerkserzeugnisse, wie sie auf dem Hochland oft noch für den Eigenbedarf hergestellt werden.
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Geschichte/Strukturen der Organisation
Minka und Allpa sind nicht die einzigen einheimischen Organisationen, die sich für die Förderung der peruanischen, bzw. indigenen HandwerkerInnen einsetzen. Auch CIAP, die Central Interregional de Artesanos del Perú, die wie der Name andeutet Gruppen aus verschiedenen Landesgegenden vereint, ist seit vielen Jahren in diesem Bereich aktiv.
CIAP wurde 1992 von vier Handwerksgruppen gegründet. die zunächst Mitglied bei der Vermarktungsorganisation AIP (Artesania Intercomunal del Perú) waren, es aber vorzogen. eine eigene. auf demokratischen Grundlagen fussen-de, nicht gewinnorientierte Produzentenorganisation aufzubauen. Dabei wurde CIAP von der englischen Fair-Handelsorganisation Oxfam unterstützt. Zur Schaffung klarer Strukturen gründete CIAP 1994 die Handelsgesellschaft CIAP Commercial, im Jahr 2002 zudem die Exportfirma Intercrafts Perú. Mittlerweile umfasst die so genannte Familia CIAP auch eine alternative Tourismus-Organisation namens Pachamama sowie eine Spar- und Kreditgenossenschaft. Für die Koordination der verschiedenen Bereiche wird gemeinsam gesorgt; das Ziel der Selbstfinanzierung konnte schon früh erreicht werden.
Die Produzentenvereinigung CIAP ist offiziell als Nicht-Regierungsorganisation anerkannt; die angeschlossenen Mitgliedergruppen sind an der Generalversammlung mit zwei Delegierten vertreten. Alle zwei Jahre erfolgt die Wahl des Verwaltungsrats, der aus sechs Gruppenvertreterinnen besteht.
Im Inland arbeitet CIAP eng vernetzt mit Fair-Handelspartnern wie Minka: ferner ist die Organisation Mitglied bei der IFAT sowie der lateinamerikanischen Red Latinoamericana de Comercialización Comunitaria RELAAC, die von MCCH lanciert wurde.
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Ziele/Leistungen
CIAP's Hauptziel ist es, für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen — insbesondere Indigenas, Frauen und Jugendliche — Grundlagen zu einem würdigen Leben zu schaffen und zu festigen.
Dazu gehört nicht nur die Sicherung regelmässiger, korrekter Verdienstquellen, sondern auch die Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Gemeinschaftsarbeit, gegenseitige Hilfe u.a.m. sowie die Aufwertung und Anerkennung der indigenen Kulturen. Damit sollen auch Zeichen gegen die Dominanz der neoliberalen Weltordnung gesetzt werden. So geht es CIAP auch um die Förderung demokratischer Strukturen und gewaltfreier Verhaltensweisen innerhalb der Gruppen und auf der Ebene der Gemeinden. Die Unterstützung des traditionellen Handwerks — u.a. durch die Ausschaltung des Zwischenhandels, bzw. den Verkauf zu fairen Bedingungen — ist dabei ein wichtiges, doch nicht das einzige Mittel. CIAP legt gros-sen Wert auf die Befähigung der HandwerkerInnen eigenständig für die Organisation der Produktion, die Qualitätskontrolle und die Verpackung zu sorgen und schult die Mitglieder dementsprechend. Selbst bei der Abfertigung der Ware vor dem Export sind Vertreterinnen der Produzentengruppen beteiligt. Ferner werden die Gruppen bei der Durchführung verschiedenster kommunaler und sozialer Aktivitäten beraten und unterstützt: Schulbesuch der Kinder, bzw. Finanzierung von Schulmaterial und Kleidung, Fonds für Kleinkredite, Krankenversicherung für die Mitglieder und deren Familien, kulturelle Angebote insbesondere für Jugendliche, Einrichtung so genannter Volksküchen zur Verbesserung der Ernährungssituation, Frauenförderung und Bewusstseinsbildung ..
Der Faire Handel trägt dabei entscheidend zu diesen Leistungen bei. z.B. mit Vorfinanzierungen. die CIAP den Mitgliedergruppen zum Ankauf von Rohmaterialien und Start der Produktion zur Verfügung stellt. Ferner erhalten sie für ihre Produkte 20% bis 30% mehr als im Zwischenhandel. Allfällige Gewinne werden zum einen den Gruppen ausgeschüttet. zum andern fliessen sie in die gemeinsame Spar- und Kreditkasse sowie in einen Fonds, den die Gruppen bei finanziellen Engpässen beanspruchen können.
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Produzentinnen
CIAP betreut 20 Gruppen im Hochland von Ayacucho, Puno und Arequipa sowie im Einzugsgebiet von Lima. darunter zwei Anwärter auf die Mitgliedschaft. welche zur Zeit die obligatorische zweijährige Probezeit absolvieren. Die Aufnahmebedingungen umfassen: Einhaltung der Lieferfrist, transparente Buchhaltung. demokratische Gruppenstruktur. reguläre Wahl der Leiterinnen sowie pünktliche Bereitstellung des Geschäftsberichtes. CIAP besucht die Gruppen sehr oft. um gemeinsam allfällige Probleme zu lösen oder auch den Preis für ein neues Produkt zu kalkulieren.Die Mitglieder stellen in der Regel traditionelles Kunsthandwerk her, je nach Region Keramik, Alpakaprodukte, Steinschnitzereien, Retablos, Teppiche, Musikinstrumente und Schmuck. Da sich aber auch der faire Markt ständig ändert und die Produktion dementsprechend angepasst werden muss, versucht CIAP, eine Brücke zu schlagen zwischen den Marktbedürfnissen und den Handwerker-Innen, ohne dass diese ihre Kultur und Identität aufgeben...
| Die Herstellung der Krippe und Krippenfiguren, die claro im Sortiment führt, erfolgt in den Gruppen Tawaq, Ichimay Wari und Rasuwillka. Bei Tawaq („Talleres Asociados Wari Ayullu de Quinua") handelt es sich um einen Zusammenschluss von 27 Familienbetrieben, deren Angehörige aus Quinua, einem kleinen Dorf in der Nähe von Ayacucho, stammen und zur Zeit des Krieges nach Lima geflüchtet sind. Hier pflegen sie die Tradition der so genannten „Quinua"-Keramik weiter, für die sie seit der „Wari"-Zivilisation, die der Inka-Zeit vorausging, berühmt sind. Ebenso bekannt sind ihre kunstvollen Retablos und Krippenfiguren. |
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Mehr zu CIAP und detaillierte Beschreibungen der Mitgliedergruppen finden Sie auf www.ciap.org (auf spanisch, englisch und französisch).
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Volkstümliche Krippenkunst aus Peru
Krippendarstellungen wie sie in Europa seit dem Mittelalter populär sind, kamen im 16. und 17. Jahrhundert überall dort auf, wo im Kielwasser der „conquistadores” katholische Missionare die eingeborenen Bevölkerung zum Christentum bekehren wollten. Biblische Darstellungen waren bei der Missionsarbeit eine willkommene Hilfe, denn damals konnten sich die Missionare – meist Jesuiten – noch kaum mit der einheimischen Bevölkerung, durchwegs Indigenas, verständigen. Und so ist bis heute die Krippenkunst vor allem dort verbreitet, wo die Jesuiten tätig waren.
Da die Missionare anfangs nur selten an einem Ort verblieben, zur Zelebrierung der Messe jedoch ein Altar unerlässlich war, liessen sie so genannte Retablos („Tischaltäre") herstellen, die ohne weiteres auf dem Rücken oder auf einem Maultier selbst in unwegsame Gebiete transportiert werden konnten. Dabei handelt es sich um handliche, trag- und klappbare Schreine; die Aussenseiten der Flügel weisen in der Regel reich verzierte Ornamente und Blumenmotive auf, die kunstvolle Bemalung im Innern verquickt religiöse Themen mit Elementen aus dem Alltagsleben und der indigenen Tradition. Mit der Zeit wurden der Bemalung kleine Figuren zugesellt, die das biblische Geschehen wie in einem Miniaturtheater in Szene setzen. Doch tragen die Heiligen Drei Könige keine Krone, sondern die hohen Hüte der einheimischen Notabeln, während das Heilige Paar und die Hirten oft in die traditionellen Ponchos eingehüllt sind...
In Peru entwickelte sich Ayacucho zum Zentrum dieser volkstümlichen Kunst. Anfangs wurde meist Pinienholz für den Kasten und Gips oder Mehl für die Figuren benutzt; heute kommen die verschiedensten lokal vorhandenen, natürlichen Rohmaterialien zur Anwendung.
Dargestellt werden nach wie vor kleine Szenen oder komplexe. manchmal über mehrere Etagen bevölkerte Darstellungen des Lebens und der Geschichte der Menschen auf dem peruanischen Hochland; dabei kommt Elementen aus der religiösen Tradition der Indigenas — insbesondere Sonne, Mond und Mutter Er-de (Pacha Mama) — ein wichtiger Platz zu. In der Zeit des Bürgerkrieges ermöglichte diese Volkskunst vielen Künstler-Innen, ihre Ängste und Hoffnungen auszudrücken und mit der einheimischen Bevölkerung zu teilen. Und noch heute spielen die Retablos eine wichtige kulturelle und soziale Rolle.
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