Conselho General da Tribo Sateré-Mawé (CGTSM)
Maués, Brasilien
- Geschichte/Strukturen der Organisation
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt
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Wie es zur Entstehung der Guaraná-Pflanze kam
Geschichte/Strukturen der Organisation
Im brasilianischen Amazonasgebiet leben heute über 165 indigene Völker; zwar steht ihnen ein eigenes Territorium zu, doch kümmert sich die Regierung weder um die Anerkennung, bzw. um die Verteidigung ihrer Rechte, die zwar seit 1988 konstitutionell verankert sind, doch u.a. von ausländischen Ölkonzernen verletzt werden. Sie sorgt auch nicht für den Aufbau von Infrastrukturen, die zur Verbesserung ihrer höchst prekären Lebensbedingungen führen könnten. Um so wichtiger ist die engagierte Arbeit der Vereinigung der indigenen Organisationen im Amazonasgebiet COIAB, die seit 1989 auf politischer Ebene für die Interessen der Indigenas eintritt. Eines der Mitglieder, das Volk der Sateré Mawé, gründete in den 1990er Jahren auf Initiative ihres traditionellen Ältestenrates den Conselho General da Tribo Sateré-Mawé, den Allgemeinen Rat des Volkes der Sateré Mawé”. Der CGTSM versteht sich als unabhängige, selbstbestimmte Organisation, besteht aus Vertretern von neun regionalen Vereinigungen und will die Ziele der COAIB unterstützen, bzw. im Stammesgebiet umsetzen. Parallel dazu schlossen sich die Frauen, die zwar innerhalb ihres Volkes hohes Ansehen geniessen, doch mangels Schulbesuch meist nur die indigene Tupi-Sprache sprechen und in ihrer traditionellen Rolle verhaftet bleiben, zur Vereinigung AMISM zusammen. Als erstes hat der CGTSM in Zusammenarbeit mit der COAIB Grundlagen zur eigenständigen Weiterverarbeitung und Vermarktung von Guaraná eingeleitet, um den Familien eine nachhaltige Verdienstquelle zu erschliessen.
| Die Sateré-Mawé, die sich selber Kinder des Guaraná nennen, leben nämlich im Ursprungsgebiet der Guaraná-Pflanze und haben als erste die belebenden Wirkstoffe der Samen entdeckt. Seit einigen Jahren sind Guaraná-Produkte auch in unseren Breitengraden beliebt. Weltweit wichtigster Umschlagplatz von Guaraná ist Manaus, eine Stadt im Amazonasgebiet;hier wie anderswo bleiben die Gewinne aus dem lukrativen Geschäft freilich in der Regel den lokalen „padrinhos”, Zwischenhändlern und multinationalen Firmen vorbehalten. |
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Im Gegensatz dazu verschafft der CGTSM den Produzentinnen höhere Preise und erwirtschaftet Gewinne, die dem Wohl der Gemeinschaft zugute kommen.
Dazu hat die Zusammenarbeit mit den italienischen Fair-Handelsorganisationen „Chico Mendes” und CTM entscheidend beigetragen. So exportiert heute der CGTSM Guaraná-Pulver und -Extrakt – wenn auch zur Zeit noch nicht in Eigenregie – nach Italien, wo diverse Fertigprodukte wie der Guaraná-Sirup und die Tupi Guaraná Pralinen, die claro anbietet, hergestellt werden (s. Aktuell Okt. 2003, „Das neue Produkt").
Als Verfechter von Prinzipien, die den Leitsätzen des Fairen Handels nahe stehen, hat der CGTSM kürzlich die Mitgliedschaft bei der /FAT beantragt.
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Ziele/Leistungen
Hauptziel des CGTSM ist es, Lebens-und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die den Sateré-Mawé ermöglichen, sich aus eigener Kraft aus Erniedrigung und sklavenähnlicher Abhängigkeit zu befreien, um als freie Menschen für das Überleben ihrer Kultur und ihrer Umwelt sorgen zu können. Mit dem Zugang zu würdigen Verdienstquellen und der Einführung von BIO-Landbau soll der Mangelernährung abgeholfen werden, unter der die meisten Familien leiden, denn ihr Territorium ist vielerorts von grossen ökologischen Schäden wie massiver Abholzung und Verschmutzung der Flussläufe heimgesucht; früher wurden diese vom Treiben der Kautschuk-Sammler verursacht, heute sind sie der Ölgewinnung durch internationale Petrolkonzerne anzukreiden...
Da Guaraná bei den Sateré-Mawé als Erwerbszweig und kulturelles Symbol im Mittelpunkt der Gemeinschaft steht, spielt deren Erzeugung, bzw. Vermarktung auch bei den Aktivitäten des CGTSM eine zentrale Rolle. Dieser unterstützt die Produzentenfamilien vor Ort, übernimmt den beschwerlichen Transport – per Boot – nach Manaus, und sorgt dort für die Weiterverarbeitung, die Qualitätskontrolle und die Vermarktung.
Ein Teil der Produktion ist weiterhin für den Lokalmarkt bestimmt. Exportgeschäfte müssen zur Zeit von einer Firma abgewickelt werden, doch plant der CGTSM zur Zeit, gemeinsam mit zwei weiteren indigenen Organisationen eine eigene Exportlizenz zu beantragen.
Ein weiteres Anliegen des CGTSM gilt der Aufwertung von Honig und Töpferei-en, die traditionell dem Eigenverbrauch vorbehalten sind, doch bereits für einige Familien Verdienstquellen darstellen.
Mit den Gewinnen – bisher hauptsächlich aus der Guaranà-Vermarktung - unterstützt der CGTSM verschiedene Projekte, die sich gegenseitig ergänzen. So wird Jugendlichen, die eine höhere Schule besuchen wollen, um später ihr Volk kompetent unterstützen zu können, ein Stipendium gewährt. Die Frauenvereinigung AMISM, die im Hinblick auf die Förderung der indigenen Frau Alphabetisierungs- und Weiterbildungsprogramme organisiert und für die Anerkennung ihrer Rechte kämpft, kann entsprechende Mittel beanspruchen. Zur Förderung der Selbstversorgung unterstützt der CGTSM die Einführung des BIO-Landbaus; dazu braucht es auch Beratungen und Ausbildungen.
Als aktives Mitglied des Klimabündnisses setzt sich der CGTSM ferner mit zahlreichen einheimischen und internationalen Organisationen nicht nur für das Überleben der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet, sondern auch für die Erhaltung des Regenwaldes und dessen aussergewöhnlicher Artenvielfalt ein. In diesem Rahmen nimmt auch die Unterstützung des kleinbäuerlichen BIO-Landbaus, bzw. die Anprangerung von Grossplantagen, Gentechnik und Patentierung von Lebewesen einen wichtigen Platz ein.
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Produzentinnen
Der Lebensraum der Sateré-Mawé liegt, etwa 300 km von Manaus entfernt, im Becken der zwei Flussläufe Andirà und Marau und erstreckt sich auf knapp 800'000 Hektaren. Das Volk zählt schätzungsweise 7000 Menschen; mehrere Familien haben sich in benachbarten Ortschaften niedergelassen oder sind nach Manaus abgewandert und versuchen dort, mit der Herstellung von Kunsthandwerk und der Vorführung traditioneller Tänze ihren Unterhalt zu bestreiten. Doch die meisten leben mitten im Regenwald in 66 dorfähnlichen Gemeinschaften und ernähren sich wie eh und je vom Jagen, Fischen und Sammeln wildwachsender Pflanzen; Feldfrüchte wie Maniok und Süsskartoffeln gehören ebenfalls zu den Grundnahrungsmitteln. Guaranà - ursprünglich eine wilde Liane - wird schon lange auf Lichtungen angebaut und spielt in allen Lebensbereichen der Sateré-Mawé eine äusserst wichtige Rolle, und zwar sowohl im Alltag als bei religiösen Zeremonien sowie Anlässen wie die Generalversammlung des CGTSM - kurz, überall dort, wo es darum geht, mit sich und mit den anderen in Harmonie zu stehen... Von grosser kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung ist die Herstellung von Töpferwaren für den Eigengebrauch sowie neuerdings auch für den Verkauf an Touristen.
Das faire Guaranà-Projekt beschäftigt zur Zeit rund 425 Familien; für die Ernte und Erstverarbeitung der Früchte kann ihnen der CGTSM etwa fünfmal mehr bezahlen, als sie im konventionellen Handel erhalten würden.
| Die Samen werden noch heute von Hand aus der Frucht gelöst und anschliessend in den traditionellen Tonöfen getrocknet und leicht geröstet. Die Weiterverarbeitung zu Pulver erfolgt in Manaus. Aus den Schalen wird dort zudem das Extrakt gewonnen, das Getränken wie dem fairen Guaranito zugrunde liegt Guaranà ist inzwischen in ganz Brasilien als eine Art National-Getränk beliebt und wird seit den 1990er Jahren weltweit als Pulver sowie als Bestandteil von Tees, Riegeln, Kaugummis, Kautabletten und so genannten Energy-Drinks verwendet. |
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Weitere Informationen finden italienischkundige Leserinnen auf http://mauri.web.pianet.it/
Juli 2004/ep
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Wie es zur Entstehung der Guaraná-Pflanze kam
Die Entstehung der Guaraná-Pflanze ist von vielen Legenden umrankt. So wird bei den Sateré-Mawé folgendes erzählt:
Einst lebte ein besonders tugendhaftes Paar. Ihr Sohn war so gutherzig, dass er bei den Leuten der Gemeinschaft als Schutzengel galt. Seinem heilsamen Einfluss war es zu verdanken, dass alle glücklich und zufrieden lebten. Doch dies missfiel dem bösen Geist Jaruparì, der voller Neid ,und Eifersucht darüber nach-sann, was er dagegen unternehmen könnte. Eines Tages kletterte der Junge auf einen Baum, um sich eine Frucht zu pflücken. Jaruparì sah, dass er ganz all ein war, verwandelte sich schnell in eine Schlange und biss ihn. Bald darauf fand man den Jungen leblos zu Füssen des Baumes, mit weit geöffneten, noch immer vor Güte strahlenden Augen, und einem friedvollen Gesichtsausdruck. Alle waren verzweifelt und prophezeiten grosses Unheil. Plötzlich unterbrach ein Lichtstrahl das allgemeine Wehklagen, und eine grosse Stille trat ein, bis die Mutter des Jungen verkündigte, Tupan, der gute Geist, sei zu ihnen gekommen, um ihnen seinen Schutz zu verleihen. Dazu sei es nötig, die Augen des Jungen zu vergraben; diese würden dann eine heilige Pflanze hervorbringen, die den Mawé für alle Zeiten Speise und Trank sichern und ihre Krankheiten heilen könne.
Trotz dieser guten Nachricht blieben die Leute untröstlich über den Verlust ihres Schutzengels; so weinten und weinten sie, und das Grab wurde von ihren Tränen benetzt. Bald darauf entspross eine ganz besondere Kletterpflanze, deren leuchtende Beeren den Augen des Jun gen ähneln und Heilkräfte bergen, die an seine Wohltätigkeit erinnern. Die Pflanze erhielt den Namen Guaraná und wird noch heute hoch in Ehren gehalten.
claro fair trade AG, 2552 Orpund, August 2004