Hintergrund/Geschichte der Organisation
Ziele, Leistungen
Struktur
Produzentinnen
Hintergrund/Geschichte der Organisation
Das Provinz- und Handelszentrum CaravanT liegt etwa 160 km von La Paz entfernt, inmitten der dichten subtropischen Selva im nördlichen Teil der Yungas; bei gutem Wetter dauert die Fahrt 4 - 6 Stunden, bei Regen entsprechend länger; oft ist die Strecke gesperrt, regelmässig stürzen Lastwagen und Autobusse in die Schluchten.
Im Rahmen eines staatlichen Umsiedlungsprogrammes für verarmte Bergbauern und Minenarbeiter aus dem Altiplano entstanden auch hier in den 1960er Jahren zahlreiche "colonias", wie im Alto Beni in den südlichen Yungas, dem Einzugsgebiet des langjährigen Fair-Handelspartners El Ceibo. Die meisten Siedler haben freilich auch im "Gelobten Land" Mühe, ihr Leben zu bestreiten, da die versprochene finanzielle und technische Unterstützung der Regierung ausblieb. So werden auf den bewaldeten Hügeln mehr und mehr Flächen gerodet und mit Kaffee - zum Teil auch Koka - bepflanzt. Mangels Strassen und Transportmitteln waren und sind die Bauern für die Vermarktung ihrer Produktion in der Regel auf Zwischenhändler angewiesen.
Im Laufe der Jahre schlossen sich viele Siedler - gemäss ihren herkömmlichen Gepflogenheiten - zu Dorf- und Produktionsgenossenschaften zusammen. So kam es im August 1993 im Bezirk Carrasco, genauer gesagt in 5 Siedlungen (Nueva Llusta, Villa del Carmen, Nueva Canaan, Llusta Chica und Libertador Llusta) zur Gründung der Kaffeegenossenschaft Cenaproc (Central Asociados de Productores de Café). 1995 konnte in Nueva Llusta eine eigene Anlage für die Fermentierung der Kaffeebohnen eingeweiht werden.
In Zusammenärbeit mit anderen Kaffeegenossenschaften, darunter Coaine, einem weiteren Fair-Handelspartner, stieg Cenaproc bald darauf ins Exportgeschäft ein. Anfangs sorgte der nationale Exportverband FECAFEB für den Export, seit 1999 verfügt Cenaproc über eine eigene Exportlizenz.
Da die Voraussetzungen für biologisch-organischen Kaffee im entlegenen Gebiet von Carrasco sehr günstig sind und die traditionellen Anbaumethoden den erforderten Kriterien weitgehend entsprechen, kann der grösste Teil des Mitgliederkaffees seit 1998 zertifiziert werden. Mittelfristig will die Genossenschaft nur noch zertifizierten Kaffee vermarkten. Cenaproc ist Mitglied des nationalen Verbandes der ökologischen Agrarproduzentinnen AOPEB, dem auch die El Ceibo (Kakao) und Anapqui (Quinua) angehören.
Cenaproc wurde im April 1999 ins FLO-Register aufgenommen und hat im Jahr 2000 die zwei ersten Container zu Fair-Handelsbedingungen exportieren können. Der Mehrpreis, den claro und weitere Fair-Handelsorganisationen bezahlen soll zur Verbesserung der Infrastrukturen benutzt werden.
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Ziele/Leistungen
Oberstes Ziel der Genossenschaft ist es, die Abhängigkeit der Kleinbauern
von Zwischenhändlern und Exporteuren, bzw. deren Preismonopol zu verringern.
So unterstützt sie die Mitglieder in ihren Bestrebungen, hochwertigen BIO-Kaffee
zu produzieren und diesen auf dem Binnen- und dem Exportmarkt zu vermarkten.
Cenaproc sorgt auch für den Transport des Mitgliederkaffees in das organisationseigene
Lagerhaus in La Paz.
Ferner können die Mitglieder an Ausbildungskursen für Verwaltungsaufgaben und biologischen Landbau teilnehmen, falls sie bereit sind, die dabei erworbenen Kenntnisse in ihren Basisgruppen weiter zu vermitteln.
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Struktur
Cenaproc ist als Genossenschaft offiziell eingetragen; die demokratischen Strukturen
sind in den Statuten verankert.
Aufgenommen werden ausschliesslich Kleinbauern oder Kleinbäuerinnen, die
ein Stück Land besitzen. Ferner müssen sie sich ausdrücklich
mit einer Anzahl verbindlicher Regeln einverstanden erklären; dazu gehören
die überlieferten kulturellen Gepflogenheiten der unbezahlten Gemeinschaftsarbeit
und Solidarität ("Ayini") sowie die Teilnahme an allen Versammlungen.
Transparenz und Informationsfluss sind auf allen Ebenen vorbildlich geregelt. Die Mitglieder können jederzeit Einblick in die Geschäftsbücher und in weitere Berichte nehmen. Da jedoch die meisten nur über geringe Spanischkenntisse verfügen und oft weder lesen noch schreiben können, werden an den Versammlungen alle schriftlichen Dokumente vorgelesen und erläutert.
Die Generalversammlung findet einmal im Jahr statt; dabei werden zwei Drittel der Vorstandsmitglieder neu gewählt, die übrigen bleiben im Amt, um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten. Mitglieder, die der GV ohne Begründung fernbleiben, müssen einen Tag "Strafarbeit" leisten. Die Vorstandsmitglieder sind verpflichtet, alle Informationen, die in ihren internen Sitzungen zirkulieren, den anderen Mitgliedern weiterzuleiten.
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Produzentinnen
In der Gründungszeit umfasste Cenaproc 46 Mitglieder, darunter 6 Frauen;
seit 1999 ist die Zahl auf 93 Männer und 11 Frauen gestiegen. Sie stammen
aus verschiedenen indigenen Völkern des Altiplanos und sprechen überwiegend
Aymara und Quechua; die meisten sind Analphabetlnnen und nur wenige verstehen
Spanisch.
Ihre Siedlungen liegen verstreut auf insgesamt 7'200 Hektaren Land in einem
Gebiet, das mindestens zwei Stunden von Caranaví entfernt liegt und im
Inneren nur zwei einigermassen befahrbare Verbindungsstrassen aufweist.
Die meisten Familien besitzen 5 - 10 ha Land;
davon benutzen sie etwa die Hälfte für Grundnahrungsmittel wie Maniok,
Kochbananen und Mais sowie Gemüse und Zitrusfrüchte für den Eigenbedarf
oder den Lokalmarkt. Der Rest dient dem Anbau von Kaffee.
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