Carrefour des Artisans
Natitingou, Benin
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt
In der Gegend von Natitingou, im gebirgigen Nordwesten des westafrikanischen
Staates Benin, lebt das Volk der Betammaribé (zu deutsch: Lehmbauer)
noch heute weitgehend in den traditionel len Gesellschaftsstrukturen und Wohnhäusern,
den so genannten Tata, auch wenn es in den 1950er Jahren in kurzer. Zeit von
weissen Missionaren genötigt wurde, sich zu zivilisieren. Einige traditionelle
Kenntnisse, Fertigkeiten und Gepflogenheiten wurden seither tatsächlich
vernachlässigt oder gar vergessen; so auch die Kunst, rituelle Schmuckstücke
aus Gräsern herzustellen.
In den 1980er Jahren leitete die deutsche Entwicklungshelferin Barbara Gugel
Schritte zu einer eigentlichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Reh
abilitierung der Betammaribé ein. Als erstes entstand das Frauen projekt.
Tèbeniketè ("Die ersten, die Schmuck aus Gräsern hergestellt
haben); die Wiederbelebung des traditionellen Handwerks sollte einen Beitrag
zur Rückbesinnung auf die eigene Kultur leisten sowie den Frauen
ein lebenswichtiges Ein kommen verschaffen. Als überzeugte Verfechterin
des Gerechten Handels knüpfte Barbara gleichzeitig Beziehungen zu gepa,
der deutschen Fair-Handelsorganisation, und claro (damals noch 0S3) an. Bereits
1987 wurden die ersten Arm- und Halsbänder zu fairen Bedingungen exportiert.
Bald schon konnte in Natitingou ein eigenes Gebäude eingerichtet werden,
das seinem Namen, Carrefour des Artisans, Ehre trägt. In der Tat
handelt es sich inzwischen nicht nur um ein Begegnungszentrurn und Ausstellungs-,
bzw. Verkaufslokal für Tèbeniketè; Heute umfasst das Vermarktungsprojekt
weitere Handwerksgruppen, die in verschiedenen Landesgegenden tätig sind.
Barbara Gugel ist im Frühling 2000 in ihrer Wahlheimat gestorben; während
ihrer langen Krankheit hat sie ihre Nachfolger geschult und bis ins Einzelne
dafür gesorgt, dass der Carrefour des Artisans unter der Leitung von jungen
Einheimischen weiter besteht.
Hauptziel des Carrefour des Artisans ist es, einen Beitrag zur
nachhaltigen Entwicklung benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu leisten;
Frauen und Jugendliche sollen dabei ganz besonders gefördert werden. Kern
des Projektes ist die Herstellung, bzw. der Verkauf von traditionellem Handwerk
zu einem Preis, der zum einen den Produzentlnnen ein existenzsicherndes Einkommen
sowie dem Carrefour des Artisans eine kostendeckende Marge verschafft, zum andern
diverse Projekte finanziert. Die Preisstruktur, die von Anfang an für die
Frauenorganisation Tèbeniketè aufgestellt wurde, gilt heute auch
für die neuen Mitgliedergruppen: 40% des Preises kommt den Produzentlnnen
zugute, 30% werden dem Carrefour des Artisans vergütet. Die restlichen
30% fliessen in die eigentliche Entwicklungsarbeit; in den ersten Jahren wurden
verschiedene Kleinprojekte zugunsten der Betammaribè durchgeführt:
Weg- und Brückenbau, Baumschulen, Mühlen, Getreidebanken... Mit der
Zeit verlagerte sich die Unterstützung verstärkt auf kulturelle und.
bildunsbezogene Projekte wie Förderung von dorfeigenenen Schulen, Alphabetisierungskurse
in Ditammari, der Sprache der Betammaribè und Herstellung von Lernmaterial;
auch die Erarbeitung der ersten schriftlichen Grammatik in Ditammari wurde ausschliesslich
aus den Schmuckverkäufen im Fairen Handel finanziert! Heute konzentriert
sich der Carrefour des Artisans auf die Einrichtung und den Unterhalt von Schülerheimen
in Natitingou für Kinder und Jugendliche aus armen Bauernfamilien, um ihnen
eine Schul- oder Berufsausbildung zu ermöglichen und sie dabei zu betreuen.
Der Carrefour des Artisans fördert mehrerere Handwerksproduzentlnnen, die verschiedenste Gegenstände herstellen. claro fair trade bezieht Grasschmuck von der Frauenorganisation Tèbeniketè, die zwei Dorfgruppen - Kouaba und Bonkournbé - vereint.
Die Frauen stammen aus dem Volk der Betammaribé sie leben in abgelegenen, ländlichen Gebieten, wö die Böden karg und trocken sind, sodass die Ernte der Grundnahrungsmittel Hirse, Mais, Maniok, Yam, Erdnüsse nur knapp zur Selbstversorgung reicht. Verdienstquellen gibt es weit und breit keine. Die Flechtarbeit für Tèbeniketè ist die einzige Möglichkeit, etwas Bargeld zu verdienen.
Seit der Gründung von Tèbeniketè in den 1980er Jahren ist die Mitgliederzahl auf rund 500 Frauen angewachsen; in Natitingou sind ausserdem 5 Männer und 5 Frauen mit der Verarbeitung von geflochtenen Grasbändern und verschiedenen Accessoires zu Halsketten und Modeschmuck beschäftigt.
Ein ausführlicher Bericht zu Tèbeniketè, erschienen im Info-Bulletin n° 83 der Association romande des Magasins du Monde (September 2001) wird Ihnen auf Anfrage gerne zugestellt (Joachim Ehrismann, claro -Kommunikation, Tal. 032 3560772).
Traditionell dienen die Grasbänder als Schmuck der jungen BetammaribèMänner, insbesondere anlässlich der Initiationsfeiern; gewöhnlich werden sie am Handgelenk, am Oberarm sowie am Fussgelenk getragen. Frauen verwenden sie vor allem als Stirnbänder, Schulterrienien und Hüftgürtel oder auch als Armreifen. Jedes Schmuckstück trägt eine symbolische Bedeutung; die unterschiedliche Kombination der Naturfarben Rot, Weiss, Schwarz gibt über den sozialen Rang des Schmuckträgers oder der Schmuckträgerin Bescheid. Für den Verkauf im Inland und den Export stellt Tèbeniketè auch Modeschmuck aus chemisch eingefärbten Gräsern her; ferner wird Wert auf die Entwicklung neuer Modelle gelegt, wobei seit kurzem auch Perlen oder Metallelemente aus anderen Kulturkreisen zur Verwendung kommen.,
Dezember 2001/ep
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