|
Central Apicola Cooperativa Geschichte der Organisation |
![]() |
Die claro fair trade AG (ehemals 0S3) bezieht seit Ende
der 1980er Jahre Blütenhonig aus Uruguay. In den ersten Jahren stammte
er von Mitgliedern der nationalen Vermarktungsorganisation Calforu; für
den Export sorgte der Consejo Uruguayo de Bienestar Social. Anfangs wurden dabei
soziale Zielsetzungen berücksichtigt, doch mit der Zeit nahmen die kommerziellen
Interessen überhand. Deshalb gründeten 22 Imkergruppen 1992 eine eigene
Zentrale, die Central Apicola Cooperativa (CAC), 1998 konnte CAC ein kleines
Büro in Montevideo erwerben; beschäftigt sind gegenwärtig 4 Angestellte.
Im folgenden Jahr gelang es der Organisation mit Unterstützung durch die
staatliche Entwicklungsinstitution Corporcacion Nacional de Desarrollo, eine
eigene Abfüllanlage in Betrieb zu nehmen. Bis 2004 ist der Staat mit 23
% des Kapitals beteiligt, danach soll CAC alleinige Besitzerin sein. Der fertig
abgefüllte Honig wird im Inland und in Brasilien vermarktet.
CAC gehört heute zu den drei bedeutendsten Honigexporteuren Uruguays. Der
Grossteil der Produktion gelangt nach wie vor auf den konventionellen Markt,
doch ist es CAC gelungen, unter Berufung auf den Fairen Handel bessere Preise
als üblich zu erzielen.
CAC ist Mitglied des Dachverbandes PAUAL (Pequeños Apicultores Unidos de America Latina), dessen Gründung in den 1990er Jahren vom Fairen Handel unterstützt wurde. PAUAL vertritt die Interessen von zahlreichen lateinamerikanischen KleinimkerOrganisationen und hat sich inzwischen zu einer dynamischen, eigenständigen Organisation entwickelt, welche die Zielsetzungen des Fairen Handels teilt. Mehr dazu finden Sie auf http://www.geocities.com/paualweb/
Kooperativen haben in Uruguay eine lange Erfolgsgeschichte;
die aktive Beteiligung der Mitglieder ist dementsprechend hoch. CAC stellt dabei
keine Ausnahme darf ganz im Gegenteil. Die wesentlichen Entscheidungen werden
an den jährlich stattfindenden Generalversarnmlungen getroffen. Für
die laufenden Geschäfte sorgt der füntköpfige Verwaltungsrat,
der von der GV für zwei Jahre gewählt wird. Ihm zur Seite stehen die
Mitglieder des Finanzrates sowie das Management. Die GV beschliesst auch über
die Aufnahme von neuen Mitgliedergruppen.
Die Unterschiede zwischen den Gruppen, bzw. deren Mitgliedern, sind enorm; es
handelt sich sowohl um mittelgrosse, kleine und kleinste Imkerbetriebe. Doch
bei CAC herrschen für alle die gleichen Bedingungen, die gleichen Rechte
und Pflichten. Alle erhalten durchschnittlich 85 % des FOB-Preises.
Frauen sind im Prinzip gleichgestellt, doch sind sie kaum in den leitenden Gremien
vertreten.
CAC will mit Massnahmen zur Professionalisierung der Bienenzucht
sowie neuerdings zur Umstellung auf Bio-Produktion einen Beitrag zur Verbesserung
der Lebensbedingungen der Mitglieder und deren Familien leisten, Alifällige
Gewinne werden zu Gunsten der Mitglieder ausgeschüttet. Ferner sorgt CAC
für Ausbildung, Beratung und Vermittlung von kostengünstigem Zubehör.
Auf Organisationsebene achtet CAC auf Transparenz und Gewährleistung des
Mitbestimmungsrechtes, auf Vernetzung der Gruppen untereinander sowie auf aktive
Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung.
Der Mehrpreis aus den Verkäufen in Fair Handeiskanäle trägt zum
einen zur Finanzierung des Dienstleistungsangebots bei, zum andern fliesst er
in einen Sozialfonds, der den schwächsten Mitgliedern zugute kommt; seine
Verwaltung obliegt einem eigens ernannten Komitee, über die jeweilige Verwendung
wird im organisationseigenen Bulletin inforrniert.
CAC zählt zur Zeit dreizehn Mitgliedergruppen sowie sieben
Gruppen, die noch nicht fest aufgenommen sind, und vermarktet den Honig von
rund 700 Imkerlnnen. Dabei handelt es sich grösstenteils um Kleinbauern
und Landarbeiterinnen, die Bienenzucht als Nebenerwerb betreiben - doch stellt
dieser "Nebenerwerb" für mehr als 400 CAC-Mitglieder weit über
50 % ihres Gesamteinkommens dar !
Die Gruppen sind übers ganze Land verstreut, sie konzentrieren sich aber
vor allem im südwestlichen Departement Rio Negro, unweit der Grenze zu
Argentinien. Viele Mitglieder betreiben nebst der Bienenzucht auch etwas Landwirtschaft.
Für die Selbstversorgung pflanzen sie Kartoffeln und Gemüse an; daneben
halten sie etwas Vieh, um auf dem Lokalmarkt Milch und Fleisch anbieten zu können.
Die 43 Mitglieder der Imkergruppe Cafray leben im Departement Rio Negro, in der Nähe der Stadt Paysandu. Die Gruppe besteht seit 1982, hat sich aber erst nach der Militärdiktatur Ende der 1980er Jahren als Kooperative organisiert. Viele Arbeiten werden gemeinsam verrichtet; erfahrenere lrnker lernen die neueren an. Nebst der Honigproduktiofl hat sich Cafray auf die Herstellung von gepressten Wachsblättern für den Eigengebrauch und den Verkauf an CAC-Mitglieder spezialisiert.
Für die Kontrolle und Zertifizierung
der Bienenstöcke sowie der gesamten Verarbeitungskette des Bio-Honigs von
CAC ist die deutsche Kontrollstelle AGRECO zuständig, die bei der deutschen
Organisation Naturland1 akkreditiert ist.
Bio-Honig wird nach strengen Richtlinien produziert : Die Bienenstöcke
dürfen nicht in der Nähe von konventionell bewirtschafteten Flächen
stehen; der Mindestabstand muss drei Kilometer betragen. Weiter entfernen sich
die Bienen zur Honigsuche nur höchst selten. Ferner dürfen die Bienen
nur mit Honig aus der eigenen, bzw. aus zertifizierter Produktion oder in Ausnahmefällen
mit zertifiziertem Vollrohrzucker gefüttert werden und nicht, wie sonst
üblich, mit weissem Zucker. Ferner ist der Einsatz von Chemikalien, z.B.
im Fall von Krankheiten, streng verboten.
In der Schweiz kann Honig nicht mit der Knospe ausgezeichnet
werden, da gemäss Bio Suisse nicht mit letzter Sicherheit garantiert werden
kenne, dass der Honig ausserhalb biologisch angebauter Flächen gewonnen
wird.
![]()