BIND
Bacolod , Negros (Philippinen)
- Hintergrund
- Geschichte der Organisation
- Initiatives for Negros Development
- Ziele/Leistungen
- Produzentinnen
- Zum Produkt
- „Fairer Handel schafft Netze und Beziehungen!”
- Für Emilia geht die Saat endlich auf!
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Hintergrund
Negros ist nicht nur als – einst äusserst fruchtbare – Zuckerinsel bekannt, sondern auch als Schauplatz bürgerkriegsähnlicher Zustände, bzw. blutiger Auseinandersetzungen zwischen der Armee und den Anhängern regierungsfeindlicher Gruppen während und nach der Diktatur des Präsidenten Marcos. Die bereits 1988 eingeführte Agrarreform, die vor allem den landlosen Zuckerarbeiterinnen zunutze kommen sollte, stösst nach wie vor auf Widerstand seitens der Grossgrundbesitzer, die etwa die Hälfte der oft brachliegenden Nutzflächen in Beschlag halten. Doch auch dort, wo der Boden verteilt wurde, bleibt er oft ungenügend genutzt, denn nur selten verfügen die neuen Eigentümer über das nötige Wissen und über die Mittel, diesen zu bewirtschaften. Manche haben sich den modernen Methoden der Grünen Revolution verschrieben, sind aber in kurzer Zeit in einen auswegslosen Schuldenzirkel geraten, da die neuen so genannten Hochertragssorten sowie deren Anbaubedingungen (künstliche Bewässerung, Dünger, sortenspezifische Pestizide und Insektizide) mit Kosten verbunden sind, für die Kleinbauern nicht aufkommen können, um so weniger als die Erträge, nach einer anfänglichen Erfolgszeit, stagnieren oder gar zurückgehen. Auf den lokalen Märkten erzielt der Reis ausserdem so niedrige Preise, dass die Bauern die Produktionskosten kaum decken können.
So lebt die Mehrheit der Landbevölkerung weiterhin in grösster Armut, sei's als landlose Zuckerarbeiterinnen und Taglöhner, sei's als unerfahrene Kleinbauern. Und die Zerstörung der natürlichen Umwelt, die zur Zeit des Zuckerbooms, bzw. der Entstehung riesiger Plantagen mit der Rodung der Regenwaldgebiete eingesetzt hatte und durch die Schattenseiten der Grünen Revolution verschlimmert wurde, erzeugt weitere, folgenschwere Schäden: Bodenerosion, Abholzung, Wasserverschmutzung, Verarmung der Biodiversität.
Doch gibt es auch auf Negros Alternativen. Mehrere einheimische und internationale Organisationen sind dabei, gemeinsam mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen neue Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung im sozialen, wirtschaftlichen und im ökologischen Bereich zu schaffen. Dazu gehört BIND, eine langjährige Partnerorganisation des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz HEKS.
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Geschichte der Organisation
BIND ist Ende der 1980er Jahre, zur Zeit des Bürgerkrieges, entstanden. Damals entschloss sich eine kleine Gruppe von politisch und sozial engagierten Leuten Bauernfamilien, die von der Armee aus ihren Heimatdörfern im südlichen Negros vertrieben worden waren, zu helfen. Wenig später nahm die Gruppe an einer Umweltschutzkampagne teil und setzte sich mit andern Organisationen für die Gründung eines „Grünen” Netzwerkes ein. Gleichzeitig wurden in zahlreichen Dörfern auf ganz Negros Kleinprojekte gestartet, die zur Nahrungssicherheit der Bevölkerung beitragen sollten. Parallel dazu erfolgten Studien, um die einzelnen Probleme zu analysieren. Dabei wurde deutlich, wie eng die Ursachen der Armut und der Zerstörung der Umwelt miteinander verbunden sind, und dass sich das eine nicht ohne das andere verbessern lässt. Deshalb verfolgt BIND einen ganzheitlichen Ansatz. Heute sorgen 29 Mitarbeiterinnen sowie sechs Freiwillige für die Durchführung von unterschiedlichen, jedoch komplementären Projekten, wobei die Vernetzung der Träger und Zielgruppen eine grosse Rolle spielt.Dies kommt auch im Namen der Organisation, die mittlerweile als Stiftung offiziell anerkannt ist, deutlich zum Ausdruck: BIND steht nicht nur für Broad
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Initiatives for Negros Development
(„breit gefächerte Initiativen für die Entwicklung von Negros"), sondern spielt auch auf die Bindungen und Verbindungen an, auf denen das Entwicklungsprogramm fusst.
BIND gilt inzwischen national und international als beispielhaft für biologischen Landbau und nachhaltige Entwicklung. So wurde die Organisation von der FAO mit dem Sekretariat des „Internationalen Jahres der Berge” (2002) betraut. Seit Beginn wird BIND vom HEKS in mehreren Bereichen unterstützt und finanziert; dazu gehört nebst Projekten zur Ernährungssicherheit und zur Förderung der Landwirtschaft ein Stipendienprogramm, das BIND lanciert hat und Jugendlichen aus armen Bauernfamilien eine umfassende Ausbildung in ökologischer Landwirtschaft ermöglichen soll. Ferner hat das HEKS in mehrjähriger Arbeit das Fair Trade-Programm von BIND mit aufgebaut (s. Kasten) und den Kontakt zu claro fair trade hergestellt. So konnte claro im Spätsommer 2004 erstmals weissen Langkornreis aus Negros importieren und ins Sortiment aufnehmen.
| Aufforstungsprogramme wie die Kampagne „eine Million Bäume für Negros” sind Massnahmen, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Vernetzung wird auf allen Ebenen angestrebt. Im Ausbildungs- und Forschungszentrum Kampo Verde („grünes Feld") werden Kurse durchgeführt, alte Landsorten aufbewahrt und weitergezüchtet, mit neuen Anbaumethoden experimentiert. Doch handelt es sich auch für unzählige Menschen um einen wichtigen Treffpunkt. Ähnlich verhält es sich mit der Einrichtung von Marktständen sowie des ersten BIO- Laden s in Bacolod; über ihre Funktion als Vermarktungshilfe hinaus verkörpern sie die Brücke, die BIND zwischen Dorfgruppen aus verschiedenen Gegenden sowie zwischen der Land- und der Stadtbevölkerung schlagen möchte. Vermehrt setzt sich BIND heute auch in der Lobby-Arbeit gegen die Liberalisierung von Handel und Landwirtschaft sowie gegen die Machenschaften der Transnationalen Konzerne ein. Dabei kann die Organisation ein hieb- und stichfestes Argument anführen: ihre Alternative ist nicht nur zukunftsweisend, sondern hat bereits konkrete Früchte gezeitigt! |
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Produzentinnen
Die Entwicklungsprogramme von BIND kommen heute gegen 10'000 Familien auf Negros zugute, überwiegend Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die in einer Dorfgruppe organisiert sind. 16 Dorfgruppen haben sich mit BIND's Unterstützung zum Dachverband NGPA (Negros Green Producer Association) vereint, der seit 2003 offiziell als NGO anerkannt ist und künftig einen grossen Teil der Aufgaben im Bereich des Fairen Handels, die BIND jetzt noch erfüllt, selbständig ausführen wird. Dazu gehört nebst dem Ausbau des BIO- Laden netzes auch die Verwaltung des fairen Reisprojekts.
An diesem Projekt sind zur Zeit 700 Bauern – darunter 400 Frauen – beteiligt, die in verschiedenen, oft sehr entlegenen Gebieten auf Negros leben, Mitglied einer Dorfgruppe sind und nach BIO-Richtlinien Gemüse, Obst und Reis für die Selbstversorgung und den Verkauf im Greenshop- Laden und auf eigenen Marktständen erzeugen. Dank einer neuen, von BIND eingeführten und weiter entwickelten Anbaumethode und der Wahl traditioneller Landsorten sind die Erträge deutlich gestiegen; heute kann bis zur doppelten, mancherorts gar drei-fachen Menge geerntet werden! Was und wie viel verkauft wird, bestimmen die Bauern selber. Auch der Verkaufspreis wird von ihnen gemeinsam festgelegt, wobei sie dem lokal üblichen Preis und ihren effektiven Kosten Rechnung tragen. BIND bezahlt den Bauern überdies eine „Fair Trade”- sowie eine BIO-Prämie, holt den frisch geernteten Paddy-Reis mit einem kleinen Pick-up ab und lässt ihn in einer kleinen Mühle bei Bacolod zu weissem Reis weiterverarbeiten. Fünf Prozent der Gewinne fliessen in einen Projektfonds, über dessen Verwendung die Bauern selber bestimmen.
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Zum Produkt
Einmal mehr bietet claro fair trade ein Pionierprodukt an, das noch nicht alle technischen und administrativen Hürden überwunden hat. So trägt der philippinische Reis noch kein BIO-Label, obwohl der Anbau strikte nach biologischen Richtlinien erfolgt. Der Aufbau der ersten einheimischen Zertifizierungsorganisation OCCP ist ebenfalls – auch dank der aktiven Beteiligung von BIND! — schon weit gediehen, doch lässt deren offizielle Akkreditierung auf sich warten. Ferner muss der Reis vorläufig als Bulk-Ware verschifft und in der Schweiz abgepackt werden. Auf Negros gibt es noch keine Verpackungsinstallationen, die den hiesigen strengen gesetzlichen Vorschriften in Sachen Hygiene und Qualitätssicherung entsprechen!
Oktober 2004/ep
Mehr zu BIND erfahren Sie auf www.bindnegros.com sowie auf www.heks.ch (Stichwort Projekte).
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„Fairer Handel schafft Netze und Beziehungen!”
Immer öfters verlegen sich Fair-Handels-partner wie Green Net in Thailand (s. claro Aktuell Febr. 2003) auch auf die faire Vermarktung ihrer Produkte 'im eigenen Land. BIND begeht damit auf den Philippinen neue Wege. Um neuen Exportabhängigkeiten vorzubeugen und die Ernährung der einheimischen Bevölkerung langfristig zu sichern, soll überdies der Verkauf auf dem Binnenmarkt vorrangig bleiben. Doch werden die Prinzipien des Fairen Handels konsequent eingehalten: direkter Einkauf von kleinbäuerlichen Erzeugnissen, vom Produzenten bestimmte, zumindest kostendeckende Preise, bei Bedarf Transporthilfen und Beratungen beispielsweise im Qualitätsbereich. Für BIND bietet der Faire Handel ferner die Gelegenheit, Produzentinnen und Kundinnen auf die Ungerechtigkeiten des konventionellen Handels und der Globalisierung aufmerksam zu machen sowie bei der Stadtbevölkerung Verständnis für die schwierige Situation der Kleinbauern zu wecken. „Fairer Handel schafft Netze und Beziehungen” fasst Eva de La Merced, Gründerin und Leiterin von BIND, zusammen.
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Für Emilia geht die Saat endlich auf!
| Wie unzählige Menschen auf Negros arbeiteten Emilia Dalisay und ihr Mann jahrelang für einen Hungerlohn auf einer Zuckerrohrplantage. Als sie 1997 endlich ihren Anspruch auf ein eigenes Grundstück geltend machen konnten, hatten beide von Landwirtschaft keine grosse Ahnung. Anfangs pflanzte die Familie Hochertragssorten, wie ihnen empfohlen wurde. Doch die Ausgaben für das teure Saatgut, Kunstdünger und Pestizide waren höher als die Erträge, so dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als Geld zu leihen und mit hohen Zinsen zurückzuzahlen. Von den 70 geernteten Säcken gingen jedes Jahr 50 an den Geldverleiher... Doch dank der Unterstützung durch BIND gelang es der Familie, wie vielen andern auf Negros, den Schuldenzirkel zu brechen. Eines Tages kam Emilia in Kontakt mit BIND und erfuhr, dass sie an einem Ausbildungsprogramm für die Nutzniesser der Landreform teilnehmen konnte. In diesem Rahmen besuchte sie die so genannte „Schule im Reisfeld”.Dort lernte sie, das eigene Saatgut aufzubewahren und weiterzuzüchten und wurde mit der neuen Anbaumethode SRI (System of Rice Intensification), die BIND | ![]() |