Asociación Chajul, El Quiché/Guatemala

- Hintergrund/Geschichte der Organisation
- Struktur
- Ziele/Leistungen
- Produzentlnnen
- Zum Produkt


Hintergrund/Geschichte der Organisation

In San Caspar Chajul, einem Dorf im westlichen Hochland Guatemalas, entstand bereits 1975 eine Kleinbauernvereinigung mit dem Ziel, Rohkaffee gemeinsam zu vermarkten; doch wurde sie, wie unzählige andere Organisationen, die sich für die Interessen von Kleinbauern und Indigenas einsetzten, ein paar Jahre später als "kommunistische Genossenschaft" von der Armee konfisziert und zerstört. Uber 400 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Mehrheit der Bevölkerung der Region floh ins Gebirge oder nach Mexiko.

Cajul
Schätzungweise 40 % der Frauen und gegen 90 % der Männer werden seither vermisst. Ende der 1980er Jahre kehrte ein Teil der überlebenden Flüchtlinge zurück und gründete, in Zusammenarbeit mit einem katholischen Priester, die Asociación Chajul, die seit 1988 offiziell anerkannt ist und über eine eigene Exportlizenz verfügt. Chajul wurde anfangs 1991 ins FLO-Kaffeeregister aufgenommen und produziert neuerdings zertifizierten BIO-Kaffee.


Struktur
Die Generalversammlung findet zweimal jährlich statt; sie vereint die Vertreterinnen der Basisgruppen, darunter 300 Frauen. Da die Dorfgemeinschaften weit auseinanderliegen und meist nur zu Fuss erreichbar sind, ist der 10- köpfige Verwaltungsrat für die wichtigsten Entscheidungen der Organisation verantwortlich. Auf Dorfebene wird ebenfalls ein Verwaltungsrat ernannt; daneben gibt es zahlreiche Komitees, die im Auftrag der Mitglieder in verschiedensten Bereichen tätig sind: Verwaltung, Gesundheit, Erziehung, Frauenförderung, Kreditwesen, Umweltschutz sowie Neubelebung und Aufwertung der traditionellen Werte und Kenntnisse.


Ziele/Leistungen
Hauptziel der Vereinigung ist die nachhaltige Entwicklung der indigenen Dorfgemeinschaften; dabei sollen vor allem Verbesserungen auf finanzieller Ebene sowie im Gesundheits- und Bildungsbereich getroffen werden. Chajul bietet den Mitgliedern zahlreiche Dienstleistungen an; dazu gehören Transport und Verarbeitung des Rohkaffees sowie Vermarktung voq Kaffee zu korrekten Preisen; Apotheken mit Heilkräutergärten, Gesundheitsberaterinnen und eine Naturheilklinik; Gemeinschaftsläden; Stipendien für den Schulbesuch von etwa 50 Kindern. Den Erwachsenen steht ein Biidungszentrum zur Verfügung, in dem bis zu 100 Personen Kurse zu folgenden Themen besuchen können biologische Landwirtschaft und Anbau von Kaffee, Gemüse, Hellkräutern; Bienen- und Viehzucht, Waldwirtschaft, Buchhaltung... Ein Menschenrechtsbüro führt Untersuchungen und Beratungen durch und hilft den zurückgekehrten Flüchtlingen beim Erwerb von Landtiteln. Ein Radio sendet die Informationen bis in die abgelegensten Dörfer. Ein Gemeinschaftsfonds gewährt günstige Kredite. Frauenförderung ist für Chajul ebenfalls sehr wichtig. 300 Frauen nehmen an der Generalversammlung teil; vor kurzemwurde erstmals eine Frau in den Verwaltungsrat gewählt. In den Dörfern entstanden Fräuengruppen, die sich mit Handwerk, Gesundheitsvorsorge oder diversen landwirtschaftlichen Tätigkeiten befassen. 75 Frauen konnten an Weiterbildungskursen im Textilbereich teilnehmen und lernten so, ihre Stoffe auch auf dem internationalen Markt abzusetzen.
An diesen Einrichtungen und Leistungen ist auch der Faire Handel beteiligt, denn die Mehrpreiszahlungen tragen entscheidend zu deren Finanzierung bei.


Produzentlnnen
Die Vereinigung zählt in den Gemeinden Chajul, Cotzal und Nebaj in äusserst abgelegenen Dörfern rund 1700 aktive Mitglieder, davon etwa 550 - meist verwitwete - Frauen; über 850 bauen zertifizierten Kaffee an. Fast alle gehören dem Volk der Maya-lxil an, das in der Provinz El Quiché heimisch und für seine kunstvoll gewebten "huipils" (die typischen guatemaltekischen Trachtenblusen) berühmt ist. Die meisten Familien bewirtschaften weniger als eine Hektare Land; zur Selbstversorgung bauen sie Mais, Bohnen und Bananen an und züchten etwas Vieh. Der Verkauf von Kaffee und handgewobenen Stoffen ist die einzige Möglichkeit, Bargeld zu verdienen. Dank der Kaffee-Exporte an Fair-Handelsorganisationen kann Chajul den Bauern Vorfinanzierungen gewähren, so dass sie nicht mehr gezwungen sind, teure Kredite aufzunehmen.

Befahrbare Strassen sind in dieser Gegend selten. Die meisten Dorfgemeinschaften können nur zu Fuss oder mit einem Lasttier erreicht werden; viele Mitglieder müssen bis zu 12 Stunden marschieren, um ihren Kaffee in die Zentrale zu liefern oder an der Generalversammlung teilzunehmen.

Dank der vorbildlichen Betreuung durch Chajul, zu der die Fair-Handelsorganisationen einen wesentlichen Beitrag leisten, lassen sie sich aber nicht entmutigen, umso mehr als sich ihre Mühe auch im buchstäblichen Sinne auszahlt. Insgesamt erhalten sie nämlich rund 70 % des fairen Kaffeepreises; 20 % benutzt die Organisation zur Deckung der Dienstleistüngen an die Mitglieder, und 10 % fliessen in den Gemeinschaftsfonds. Somit kommt ihnen direkt und indirekt der gesamte Preis zugute.


Zum Produkt
Seit mehr als einem Jahrhundert gehört Kaffee, nebst Bananen, Zuckerrohr und Tabak, zu den wichtigsten Exportgütern Guatemalas.

Die Mitglieder der Alociaciön Chajul produzieren besten Arabica-Kaffee aus Hochlandlagen. 90 % des Kaffees wird exportiert; der grösste Teil geht an den Fairen Handel. Der Rest - ausschliesslich BIO-Kaffee - ist für den lnlandmarkt bestimmt.

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