ASDSP/Lao Farmers' Products
Laos                            (Reis), siehe auch --> claro Reisdossier

- Hintergrund
- Organisation
- Leistungen
- Produzentinnen
- Produkt


Hintergrund

In der sozialistischen Volksrepublik Laos, einem kleinen, dünn besiedelten, trotz dramatischer Abholzung noch immer stark bewaldeten Bergland in Südostasien, leben etwas über 5 Millionen Menschen; sie gehören 68 verschiedenen Ethnien an. Mehr als 80 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft - fast ausschliesslich zur Selbstversorgung -tätig; Reis ist das wichtigste Produkt. Seit Jahren bringen Holzexporte die meisten Devisen ein. Das Potential an Wasserkraft, der zweitwichtigsten Devisenquelle, ist mit 3 % zu wenig ausgenutzt; 90 % der Produktion werden ausserdem nach Thailand ausgeführt, so dass nur sehr wenige Menschen in Laos - vorwiegend in der Hauptstadt Vientiane-. über Strom verfügen.


Organisation

Die einheimische Association pour le Soutien au Développement des Sociétés Paysannes (ASDSP) entstand anfangs der 90er Jahre mit dem Ziel, Bergbauem im Norden des Landes, die unter besonders schwierigen Bedingungen für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen, in verschiedener Hinsicht zu unterstützen. Eine der wichtigsten Massnahmen war und ist die Erhaltung der natürlichen Ressourcen, insbesondere der Schutz der Waldgebiete unter der Devise "Nachhaltige Landwirtschaft anstatt Brandrodung". Dazu gehört nebst der Einführung ökologischer Anbaumethoden der Bau kleiner Staudämme aus Steinen, die mit Drahtgittem zusammengehalten werden. Diese Technik erfordert weder grosse finanzielle Mittel noch spezielle Fachkenntnisse und kann problemlos von der Bevölkerung erlernt, bzw. umgesetzt werden. Ausserdem trägt die Bewässerung auch zur Erhaltung des Waldbestandes bei, da die Bauern nicht mehr auf den traditionellen Wanderfeldbau und die damit verbundene Brandrodung angewiesen sind.
Im Laufe der Zeit baute ASDSP einige Regionalstellen auf, die für die Koordination der verschiedenen Projektbereiche sorgen.
Im Hinblick auf grössere Transparenz sowie zur Erlangung einer eigenen Exportlizenz wurde 1994 in Vientiane die Genossenschaft Lao Farmers' Products gegründet; sie besteht aus den Vertreterinnen der Bauemgruppen und der Regionalstellen.


Leistungen

ASDSP hat von Anfang an auch Anstrengungen zur Erschliessung neuer Verdienstquelien unternommen. Zum einen soll der Lebensunterhalt der Bauernfamilien durch diversifizierte Einkünfte zusätzlich verbessert, zum anderen die Finanzierung der Staudämme (bereits sind es 30) möglichst eigen5tändig gesichert werden. Als erstes beschloss ASDSP aus den einheimischen Früchten - wildwachsende Pomelos und Tamarinden sowie Ananasfrüchte, die seit eh und je in der Nähe der Häuser angebaut werden - Nutzen zu ziehen, bzw. diese zu Konfitüre, Saft und Sirup zu verarbeiten. Die Früchte werden von den Bauemfamilien im Wald gesammelt oder im eigenen Obstgarten geerntet, vor Ort zu Melasse gekocht, in Vientiane in den Anlagen von Lao Farmers' Products weiterverarbeitet und in Gläser abgefüllt. Inzwischen bietet die Organisation auch Schwarztee und lila Reis an. Die Fertigprodukte werden im Inland sowie im benachbarten Thailand über den claro-Partner Green Net zu korrekten Preisen vermarktet; exportiert werden sie ausschliesslich an die europäischen Fairen Handelsorganisatiorien in Frankreich, Belgien und Deutschland. Dank der Gewinne ist ASDSP heute nicht mehr von (teuren) Krediten abhängig sondern kann den Bau der Staudämme eigenständig finanzieren.


Produzentinnen

Die Mitglieder von ASDSP leben in den Bergregionen Kasi und Vangvien; sie gehören mehrheitlich dem Volk der Lao sowie den Minderheiten Kmou und H'mong an. Ursprünglich besiedelten diese Halbnomaden ausschliesslich hoch gelegene Bergtäier; da das Land infolge der Brandrodung und des Bevölkerungswachstums knapp geworden ist ziehen neuerdings zahlreiche Familien in die Niederungen. Seit Jahrhunderten pflanzen sie im Wanderfeldbau Getreide und Mohn für den Eigengebrauch an; Gemüse und Früchte werden grösstenteils im Wald gesammelt. Tauschhandel war bis vor kurzem die wichtigste Wirtschaftsforrn. Doch trotz ihrer grossen Abgeschiedenheit müssen sich diese Bauernfamilien zwangsläufig "modernisieren". Dazu gehört auch die Notwendigkeit, über Geld zu verfügen. Dank der Unterstützung durch ASDPS ist heute nicht nur die Selbstversorgung sondern auch der Zugang zu Verdienstquellen gesichert.
In der Tat verfügen die Bauemfamilien dank der Staudämme über schlammreiches Wasser, mit dem sie ihre unzähligen winzigen Parzellen ganzjährig bewässern können ohne die Böden auszulaugen. Bisher konnten sie nur einmal im Jahr ihre Grundnahrungsmittel - vor altem Reis und Mais - ernten; heute bringen sie zwei, manchmal sogar drei Ernten ein. Dies eriaubt nicht nur die Verbesserung und Sicherung ihre Ernährungslage; der Verkauf der Uberschüsse bringt auch Bargeld ein, mit dem sie Medikamente sowie den Schulbesuch der Kinder bezahlen können.
Bei Lao Farmers' Products sind gegenwärtig 20 ArbeiterInnen fest angestellt; ihr Lohn liegt deutlich über dem offiziellen Mindestlohn.


Produkt

In der Hit-Parade der weltweiten Reissorten-Vielfalt steht Laos, laut der UN-Organisation FAO, an 2. Stelle. Tatsächlich werden hier Hunderte von Reissorten angebaut und sorgsam aufbewahrt. Jede Sorte ist das Resultat einer jahrhunderteiangen Züchtung und besitzt ihre ganz spezifischen standortgerechten Eigenschaften und Vorteile; jede zeichnet sich je nachdem durch Ihre hohen Erträge, ihre Widerstandskraft, ihren Ernährungswert, ihren Geschmack oder ihre Farbe (weiss, gelb, aschgrau, rot, lila, schwarz...) aus.
Für den Export des ersten fairen Reises aus Laos wird bei Lao Farmers' Products eigens eine Mischung hergestellt, da reiner lila Reis, der beim Kochen schwarz-violett wird, in unseren Breitengraden wohl kaum Anklang fände. Die Reismischung enthält deshalb nur 20 % an lila Klebereis; beigemischt werden zwei Alltagssorten (je 40 %) nämlich der leicht aromatische Vangvien-Reis sowie weisser Klebereis. Vangvien-Reis gehört zur Familie der Mandannreise, der Hauptspeise der meisten asiatischen Völker. Klebereise sind in Laos noch beliebter. Weisser Klebereis liefert das tägliche "Brot". Lila Klebereis wird traditionell nur für festliche Anlässe angebaut. Einerseits gilt er auch in Laos als besonders fein schmeckende und farbige Exklusivität, andererseits handelt es sich um eine wenig ertragreiche Sorte. Im Zuge der weltweiten Tendenz, Sortenvielfalt durch - angeblich produktivere Einförmigkeit zu ersetzen, besteht die Gefahr, dass auch der lila Klebereis vernachlässigt oder gar ausgemerzt wird.

Die Mitglieder von ASDPS möchten diesen kostbaren Reis weiterhin hegen und pflegen. Sie hoffen auch, dass sie Mittel und Wege finden, um ihren Reis, den sie bereits unter Befolgung ökologischer Richtlinien anbauen, mit einer - vorläufig zu teuren - Bio-Zertifizierung ausloben zu können.


home