ALTER TRADE CORPORATION
Bacolod City, Negros (Philippinen)
organisch- biologischen Rohrzucker aus den Philippinen
Bio Mascao Schokoladen

- Alter Trade Corporation (ATC)
- Die ProduzentInnen
- Der faire Preis
- Brief aus Bacolod City

"Herrgott, was ist dies für eine Ordnung! Zuerst kann da eine kleine Oberschicht mit dem Zucker Millionen scheffeln, und sobald ein kalter Wind weht, ist sie nicht bereit, selbst etwas vom Überfluß einzusetzen. Für sie sind wir wie das Zuckerrohr, das gehauen und gemahlen wird. Nicht mehr. Keine Menschen. Keine Arbeiter mit Rechten. Nichts. Einfach ein nützliches Unkraut im Zuckerzyklus."
Philippinischer Gewerkschafter
(Aus: Zum Beispiel Zucker, 1989, S. 20)

Vom Beginn dieses Jahrhunderts bis zur Mitte der 70er Jahre exportierten die Philippinen aufgrund eines Sonderabkommens beinahe den gesamten Zucker in die USA. Doch Ende der 80er Jahre kam die entscheidende Wende und das Ende der Quotenregelung zugunsten der Philippinen. Die USA wollten ihren ehemaligen Verbündeten, den Präsidenten Marcos, unter Druck setzen. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Zucker, nachdem die Getränkeindustrie auf alternative Süßstoffe umstellte. Die Zuckerimporte der USA sanken daraufhin um 70%. Dies traf unter anderen die Philippinen. Alter Trade
Auf Negros, der Zuckerinsel der Philippinen, verlor eine Viertelmillion Menschen ihre Arbeit.Der Zuckeranbau wurde von den PlantagenbesitzerInnen eingestellt. Eine Hungersnot war die Folge. Verzweifelte ZuckerarbeiterInnen versuchten das brachliegende Land zu bebauen, wurden aber immer wieder vertrieben. Seither haben die Zuckerexporte für die Philippinen kaum mehr Bedeutung als Devisenbringer (ca. 1% der Exporteinnahmen). Für viele ArbeiterInnen auf Negros ist die Zuckerproduktion aber noch immer die einzige Möglichkeit, sich ein wenn auch kärgliches Einkommen zu sichern. Der so erzielte Tageslohn reicht gerade aus, um den täglichen Reisbedarf einer sechsköpfigen Familie zu decken. Die Folgen sind fatal: die Menschen sind unterernährt, Kinder sind zur Mitarbeit gezwungen, die Lebenserwartung der ArbeiterInnen beträgt gerade einmal 30 Jahre. Gesetze für eine Landreform stehen bereits seit Jahren zur Debatte. Ihre Umsetzung wurde von den LandbesitzerInnen - bis auf wenige Ausnahmen - jedoch bis heute verhindert. Gewerkschaften der ZuckerarbeiterInnen mußten immer wieder Opfer aus den eigenen Reihen beklagen. Trotzdem gelang es den ArbeiterInnen, ihre Lage durch gemeinsame Aktionen zu verbessern. Auf vielen Plantagen haben sie jetzt Zugang zu Land, um Lebensmittel für den eigenen Bedarf und den lokalen Markt anzubauen. Sie haben dieses Land zum Teil durch Besetzungen gewonnen. Jetzt haben die ArbeiterInnen zum ersten Mal genügend Nahrung und starten mit Hilfe der Gewerkschaft in den neu entstandenen Siedlungen Initiativen in den Bereichen Gesundheit und Bildung (Aus: Fair Trade Jahrbuch, 1998 - 2000, S.79).

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Alter Trade Corporation (ATC)

Die ATC wurde 1986 von mehreren Personen des NGO-Netzwerkes "Negros Council for Peace and Development" (NCPD) als privates Vermarktungsunternehmen gegründet. Die Gründung des ATC war eine der Antworten auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Insel Negros im Zuge der Wirtschaftskrise der 80er Jahre. Der ATC sollte alternative Vermarktungswege für die von der Krise betroffenen ProduzentInnengruppen erschließen und diese vom Weltmarkt unabhängiger machen. Aus Gründen der politischen Tarnung - Volksbewegungen und ProduzentInnenorganisationen waren oft Ziel politischer Verfolgung und militärischer Übergriffe - wurde für den ATC die formale Struktur eines Privat-unter-nehmens gewählt. Höchstes Entscheidungsgremium des ATC ist das achtköpfige Management-Komitee (4 Frauen und 4 Männer). In diesem Komitee sind alle relevanten Sektoren des Unternehmens von der Produktion bis zur Verwaltung vertreten. Ziel des ATC ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der ProduzentInnen. Darüber hinaus sind die Umstellung auf organisch-biologische Produktion und die Interessensvertretung der kooperierenden ProduzentInnenorganisationen wichtige Anliegen des ATC.

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Die ProduzentInnen

... (ca. 500 Familien) sind Kleinbauern und Bäuerinnen und ehemalige ZuckerarbeiterInnen der Insel Negros, jener Insel auf der mehr als 50% der Bevölkerung von der Landwirtschaft und in erster Linie vom Zuckeranbau leben. Die Zucker-produzent-Innen der Insel Negros gehören der ärmsten und am meisten unterdrückten Bevölkerungsschicht an. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation nahmen sie brachliegendes Land in Besitz und unterstützten die Guerrillabewegung, wofür sie in der Folge nicht nur die Repression der LandeigentümerInnen sondern auch der Regierung und des Militärs zu spüren bekamen.Noch heute ist es für die kleinen ZuckerproduzentInnen beinahe unmöglich, legale Besitz-titel auf ihr Land zu bekommen. Alter Trade 1
Nichts desto trotz konnte hier der Zusammenschluß der ProduzentInnen einige wichtige Erfolge und Verbesserungen für die Betroffenen erzielen. So sind die Zuckerproduzent-Innen heute im Besitz ihrer eigenen Mascobadomühle zur Verarbeitung des Zuckerrohrs. Die Verpackung des Mascobado erfolgt im Verpackungszentrum von Alter Trade in Bacolod. Die ArbeiterInnen des Zentrums (ca. 1600 Personen) gehören der armen städtischen Bevölkerung an.

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Der faire Preis

Der von der ATC kalkulierte Preis beinhaltet besser Preise für die ZuckerproduzentInnen (620,- Pisos / öS 310,- statt der marktüblichen 320,- Pisos / öS 160,- pro Tonne) und höhere Löhne und kostenlose medizinische Versorgung für die ArbeiterInnen im Verpackungs-zentrum und der Mühle. Ein Teil der Erlöse fließen in die Verbesserung der Infrastruktur (Trockenanlagen, Transporter, etc.) und in einen Kredit-Fonds, aus dem die Produzen-tInnen unterstützt werden. Ein anderer Teil dient der Subvention des Inlandsmarktes, der den ProduzentInnen gute Preise und den KonsumentInnen günstige Produkte bietet.
Der Mascobado von Alter Trade wird zu Bio Mascao Schokoladen verarbeitet.

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Violeta Sumog-oy
Mein Name ist Violeta Sumog-oy. Seit meiner Jugend werde ich als Bürgerin zweiter Klasse behandelt. Als ich 13 war und gerade in die Pubertät kam, verbot mir mein Vater, weiterhin zur Schule zu gehen; als Begründung meinte er, ich sei ja bloss ein Mädchen und habe kein anderes Ziel im Leben, als irgend-einmal zu heiraten. Deshalb wurde ich auf eine nahegelegene Hacienda geschickt, um dort mit dem Ern-ten von Zuckerrohr und Unkrautjäten meinen Unterhalt zu verdienen. Ein Jahr später verheiratete mich mein Vater mit einem Mann, den ich kaum kannte; als Gegenleistung bekam er ein paar Liter biti-biti, einen lokalen Branntwein. Da ich mich vor meinem Vater fürchtete, willigte ich ein. Sein Wort war wie ein Gesetz. So sicher und unerschütterlich wie der Vulkan Kanlaon, der den Ort beschattet, wo ich zur Welt kam und meine Kindheit verbrachte. Und genau so wie wir in ständiger Angst vor seinem Ausbruch leb-ten, so lebte ich in ständiger Angst davor, von meinem Vater verflucht zu werden. alter trade3
Am Anfang verspürte ich überhaupt keine Liebe zu meinem Mann. Doch allmählich lernte ich, ihn als Vater unserer sechs Kinder zu lieben. Aber 1985, 15 Jahre nach unserer Heirat, verschwand er plötzlich, ohne jede Nachricht. Dann wurde bekannt, dass er geflohen war, weil er einem Mann über 2000 Pesos gestohlen und ihn darauf getötet hatte. Nachts weinte ich, bis mich der Schlaf überwältigte. Meine ältes-te Tochter war erst 12. Wir hatten kein Geld und nichts zu essen!
So begann ich, in La Carlota City als Haushelferin zu arbeiten. Doch musste ich schon bald meine Stelle aufgeben, da sich niemand bereit erklärte, auf meine Kinder aufzupassen. Deshalb kehrte ich auf die Zuckerrohrfelder zurück. Mein Taglohn reichte allerdings überhaupt nicht aus. Sieben Jahre nach der Flucht meines Mannes drängten mich Armut und Einsamkeit in die Arme eines neuen Partners. Die Armut in unserer Gegend war auch der Grund für das Aufkommen zahlreicher stark engagierter Gruppen. Bald schloss ich mich mit mehreren Nachbarn und Nachbarinnen einer solchen Organisation an. Mit der Unterstützung unserer Gruppe gründete ich 1992 zusammen mit meinen LeidensgenossInnen eine Gewerkschaft, welche die Interessen der ZuckerrohrarbeiterInnen vertrat. Nach zähen Verhandlun-gen mit den Landlords konnten wir 1994 im Rahmen eines Regierungsprogramms 31 Hektar Land für uns gewinnen.

Im Laufe der Zeit gelang es mir, meine familiären Verpflichtungen mit meinen politischen Aktivitäten zu verbinden. Heute schaue ich mit gemischten Gefühlen auf mein Leben zurück: ständige Angst und ein gewisser Stolz auf unsere Resultate halten sich die Waage. So musste ich zum Beispiel einmal 20 Tage lang hangen und bangen, bis meine ältere Tochter vom Militär freigelassen wurde; doch als ich nach Hause kam, war inzwischen meine andere Tochter verhaftet worden. Andererseits hatte ich als Vorsitzen-de der Hilonga Farm Workers’ Association (HIFAWA) 1997 die Gelegenheit, bei der Fairen Handelsfirma Alter Trade, der wir Zuckerrohr liefern, einen Kredit aufzunehmen, um den Erwerb von Landtiteln zuguns-ten unserer Organisation zu finanzieren. Da es uns an Erfahrungen fehlte, tauchten freilich zahlreiche Probleme auf: niedrige Ernten, Insektenbefall oder Konflikte mit Organisationsmitgliedern, die ihr Stück Land an Nichtmitglieder verpachteten. Doch insgesamt konnten wir einige Fortschritte verzeichnen. Inzwischen bin ich vom Vorsitz zurückgetreten, doch nehme ich weiterhin aktiv an unserer Organisation teil. Ich bin stolz darauf, wozu ich es als Frau in meiner Organisation gebracht habe, denn gewöhnlich schauen die Männer in der Hacienda Frauen nach wie vor scheel an. Um unsern Wert zu beweisen, sind wir als Frauen im Vergleich zu den Männern ganz besonders herausgefordert.

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