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Alter Trade Corporation (ATC)
- Die ProduzentInnen
- Der faire Preis
- Brief aus Bacolod City
"Herrgott,
was ist dies für eine Ordnung! Zuerst kann da eine kleine Oberschicht mit
dem Zucker Millionen scheffeln, und sobald ein kalter Wind weht, ist sie nicht
bereit, selbst etwas vom Überfluß einzusetzen. Für sie sind wir
wie das Zuckerrohr, das gehauen und gemahlen wird. Nicht mehr. Keine Menschen.
Keine Arbeiter mit Rechten. Nichts. Einfach ein nützliches Unkraut im Zuckerzyklus."
Philippinischer Gewerkschafter
(Aus: Zum Beispiel Zucker, 1989, S. 20)
| Vom Beginn dieses Jahrhunderts bis zur Mitte der 70er Jahre exportierten die Philippinen aufgrund eines Sonderabkommens beinahe den gesamten Zucker in die USA. Doch Ende der 80er Jahre kam die entscheidende Wende und das Ende der Quotenregelung zugunsten der Philippinen. Die USA wollten ihren ehemaligen Verbündeten, den Präsidenten Marcos, unter Druck setzen. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Zucker, nachdem die Getränkeindustrie auf alternative Süßstoffe umstellte. Die Zuckerimporte der USA sanken daraufhin um 70%. Dies traf unter anderen die Philippinen. | ![]() |
Die ATC wurde 1986 von mehreren Personen des NGO-Netzwerkes "Negros Council for Peace and Development" (NCPD) als privates Vermarktungsunternehmen gegründet. Die Gründung des ATC war eine der Antworten auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Insel Negros im Zuge der Wirtschaftskrise der 80er Jahre. Der ATC sollte alternative Vermarktungswege für die von der Krise betroffenen ProduzentInnengruppen erschließen und diese vom Weltmarkt unabhängiger machen. Aus Gründen der politischen Tarnung - Volksbewegungen und ProduzentInnenorganisationen waren oft Ziel politischer Verfolgung und militärischer Übergriffe - wurde für den ATC die formale Struktur eines Privat-unter-nehmens gewählt. Höchstes Entscheidungsgremium des ATC ist das achtköpfige Management-Komitee (4 Frauen und 4 Männer). In diesem Komitee sind alle relevanten Sektoren des Unternehmens von der Produktion bis zur Verwaltung vertreten. Ziel des ATC ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der ProduzentInnen. Darüber hinaus sind die Umstellung auf organisch-biologische Produktion und die Interessensvertretung der kooperierenden ProduzentInnenorganisationen wichtige Anliegen des ATC.
| ... (ca. 500 Familien) sind Kleinbauern und Bäuerinnen und ehemalige ZuckerarbeiterInnen der Insel Negros, jener Insel auf der mehr als 50% der Bevölkerung von der Landwirtschaft und in erster Linie vom Zuckeranbau leben. Die Zucker-produzent-Innen der Insel Negros gehören der ärmsten und am meisten unterdrückten Bevölkerungsschicht an. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation nahmen sie brachliegendes Land in Besitz und unterstützten die Guerrillabewegung, wofür sie in der Folge nicht nur die Repression der LandeigentümerInnen sondern auch der Regierung und des Militärs zu spüren bekamen.Noch heute ist es für die kleinen ZuckerproduzentInnen beinahe unmöglich, legale Besitz-titel auf ihr Land zu bekommen. | ![]() |
Der von der ATC kalkulierte Preis beinhaltet
besser Preise für die ZuckerproduzentInnen (620,- Pisos / öS 310,- statt
der marktüblichen 320,- Pisos / öS 160,- pro Tonne) und höhere
Löhne und kostenlose medizinische Versorgung für die ArbeiterInnen im
Verpackungs-zentrum und der Mühle. Ein Teil der Erlöse fließen
in die Verbesserung der Infrastruktur (Trockenanlagen, Transporter, etc.) und
in einen Kredit-Fonds, aus dem die Produzen-tInnen unterstützt werden. Ein
anderer Teil dient der Subvention des Inlandsmarktes, der den ProduzentInnen gute
Preise und den KonsumentInnen günstige Produkte bietet.
Der
Mascobado von Alter Trade wird zu Bio Mascao Schokoladen verarbeitet.
| Mein Name ist Violeta Sumog-oy. Seit meiner Jugend werde ich als Bürgerin zweiter Klasse behandelt. Als ich 13 war und gerade in die Pubertät kam, verbot mir mein Vater, weiterhin zur Schule zu gehen; als Begründung meinte er, ich sei ja bloss ein Mädchen und habe kein anderes Ziel im Leben, als irgend-einmal zu heiraten. Deshalb wurde ich auf eine nahegelegene Hacienda geschickt, um dort mit dem Ern-ten von Zuckerrohr und Unkrautjäten meinen Unterhalt zu verdienen. Ein Jahr später verheiratete mich mein Vater mit einem Mann, den ich kaum kannte; als Gegenleistung bekam er ein paar Liter biti-biti, einen lokalen Branntwein. Da ich mich vor meinem Vater fürchtete, willigte ich ein. Sein Wort war wie ein Gesetz. So sicher und unerschütterlich wie der Vulkan Kanlaon, der den Ort beschattet, wo ich zur Welt kam und meine Kindheit verbrachte. Und genau so wie wir in ständiger Angst vor seinem Ausbruch leb-ten, so lebte ich in ständiger Angst davor, von meinem Vater verflucht zu werden. | ![]() |
Im Laufe der Zeit gelang es mir, meine familiären Verpflichtungen mit meinen politischen Aktivitäten zu verbinden. Heute schaue ich mit gemischten Gefühlen auf mein Leben zurück: ständige Angst und ein gewisser Stolz auf unsere Resultate halten sich die Waage. So musste ich zum Beispiel einmal 20 Tage lang hangen und bangen, bis meine ältere Tochter vom Militär freigelassen wurde; doch als ich nach Hause kam, war inzwischen meine andere Tochter verhaftet worden. Andererseits hatte ich als Vorsitzen-de der Hilonga Farm Workers’ Association (HIFAWA) 1997 die Gelegenheit, bei der Fairen Handelsfirma Alter Trade, der wir Zuckerrohr liefern, einen Kredit aufzunehmen, um den Erwerb von Landtiteln zuguns-ten unserer Organisation zu finanzieren. Da es uns an Erfahrungen fehlte, tauchten freilich zahlreiche Probleme auf: niedrige Ernten, Insektenbefall oder Konflikte mit Organisationsmitgliedern, die ihr Stück Land an Nichtmitglieder verpachteten. Doch insgesamt konnten wir einige Fortschritte verzeichnen. Inzwischen bin ich vom Vorsitz zurückgetreten, doch nehme ich weiterhin aktiv an unserer Organisation teil. Ich bin stolz darauf, wozu ich es als Frau in meiner Organisation gebracht habe, denn gewöhnlich schauen die Männer in der Hacienda Frauen nach wie vor scheel an. Um unsern Wert zu beweisen, sind wir als Frauen im Vergleich zu den Männern ganz besonders herausgefordert.
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