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drei Kurzbeiträge aus dem Fair Trade Jahrbuch 1998 - 2000":
Worum geht es beim fairen Handel
Die menschliche Seite der Globalisierung
Der faire Handel ist ein Gegenentwurf zum vorherrschenden, neoliberalen Handelssystem. Diesem ist es trotz einer gewaltigen Zunahme der Handelsströme nicht gelungen, Armut und Hunger zu beseitigen und für die Mehrheit der Menschen in Süd und Nord eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu erreichen.
Ein offener, freier Handel wäre durchaus im Interesse der Entwicklungsländer, doch die heutige Realität ist weit von diesem Ideal entfernt. Der erbarmungslose Kampf der multinationalen Konzerne um weltweite Vormachtstellungen beweist, dass für die Schwachen kaum mehr als Brosamen zu holen sind.
Der faire Handel will diesem Misstand abhelfen, indem er den Produzenten aus benachteiligten Ländern Zugang zu den Märkten im Norden öffnet. Zugleich möchten die Weltläden den Handel nicht als unpersönlichen Warenaustausch betreiben, sondern als Verbindung zwischen Menschen und Kulturen, durch welche Respekt und Verständnis füreinander gestärkt werden.
Oft sind Menschen durch scheinbar konkurrierende ethische Kriterien verunsichert. Sollen sie nun lieber den einheimischen Bio - Landbau unterstützen oder Produkte aus benachteiligten Ländern kaufen, um den Mitmenschen dort zu einem Einkommen zu verhelfen?
Die Antwort ist klar und einfach: beides ist gleich wichtig! Die Weltläden befolgen das Motto :"Fair gegenüber Mensch und Umwelt". Es bedeutet, dass der faire Handel die weltweite Entwicklung ökologischer Methoden ermöglichen und fördern soll, also auch jene bei unseren Biobauern. In vielen Ländern des Südens bestehen ebenfalls vielversprechende Projekte oder Ansätze, die gepflegt und gefördert werden müssen.
Die Kriterien des fairen Handels
Für die claro fair trade AG bedeutet Fair Trade insbesondere Folgendes(1): |
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| (a) | Der Faire Handel leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, indem er die
Grundsätze Solidarität und Gerechtigkeit, Ressourcenschonung und Schutz vor
Umweltbelastungen mit den marktwirtschaftlichen Erfolgsfaktoren der Effizienz und
Effektivität auf allen Stufen der Wertschöpfungskette fördert und fordert. |
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| (b) | Der Faire Handel ist ein Prozess, der bei den Partner/innen im Süden und im Norden positive Entwicklungsimpulse auslöst. | ||
| (c) | Der Faire Handel unterhält Handelsbeziehungen mit wirtschaftlichen Randregionen
und marginalisierten Bevölkerungsgruppen in der ganzen Welt, die in der
momentanen Welthandelsordnung benachteiligt sind. Der Faire Handel schafft
ihnen einen Marktzugang und unterstützt sie bei der Realisierung ihres Potenzials. |
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| (d) | claro fair trade AG stellt folgende Anforderungen an die Produzentent/innen im Süden: | ||
| l | Die Produzenten-Organisationen im Süden verfügen über eine demokratische Arbeitsweise und achten auf transparente Entscheidungsprozesse. Sie haben das Potenzial für eine langfristige Aufbauarbeit und sind bereit, die Leitprinzipien des Fairen Handels zu akzeptieren. | ||
| ll | Die Produzent/innen im Süden verarbeiten nach Möglichkeit Rohstoffe aus lokaler Produktion, die nach ökologischen Kriterien erzeugt werden. | ||
| lll | Unternehmen mit lohnabhängigen Mitarbeiter/innen garantieren die Einhaltung der Kernkonventionen der ILO (Organisationsfreiheit, Recht auf kollektive Lohnverhandlungen, Diskriminierungsverbot, Verbot missbräuchlicher Kinderarbeit, Verbot von Zwangsarbeit) und der nationalen Gesetzgebung. Sie richten die Arbeitsplätze in einer sicheren und gesunden Umgebung ein (Schutzkleidung, Schutz vor gesundheits-schädigenden Einflüssen, Lüftung usw.). Sie bezahlen existenzsichernde Löhne. |
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| lV | Sofern Kinder im Produktionsprozess mitwirken, darf ihre Mitarbeit weder ihre Gesundheit noch ihre Schulausbildung beeinträchtigen. | ||
| V | Die Unternehmen im Süden garantieren die Einhaltung der Leitprinzipien des Fairen Handels auch gegenüber ihren Zulieferanten (Sub-Contractors und informell organisierte Produzent/innen). | ||
| (e) | Für die Umsetzung und Einhaltung der Kriterien des Fairen Handels garantiert die claro fair trade AG den Produzent/innen einen ökonomischen Beitrag. Dieser umfasst unter anderem höhere Abnahmepreise, Vorfinanzierungen, kontinuierlicher Kompetenzaufbau und spezifische Beratung bezüglich Produktion, Weiterverarbeitung und Vermarktung von marktgerechten Produkten sowie berechenbare, langfristig stabile Beziehungen und Produktentwicklungen. | ||
| (f) | Der Faire Handel achtet auf einen begrenzten Zwischenhandel und grösstmögliche
Transparenz in der Wertschöpfungskette. Ein möglichst grosser Teil der
Wertschöpfung soll von den Produzent/innen erzielt werden. |
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| 1 | Die in FINE vereinigten europäischen Organisationen definieren die Kriterien des Fairen Handels
wie folgt: "Fair Trade stellt einen alternativen Zugang zum konventionellen Welthandel dar und fördert soziale Gleichstellung, wirtschaftliche Sicherheit und ökologisches Handeln. Über einen erleichterten Marktzugang für benachteiligte Produzent/innen und mittels Bewusstseinsarbeit und Kampagnen leistet Fairer Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fairer Handel arbeitet auf Werte und Ziele hin, welche eine Verbesserung des Lebensstandards sowie eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Einfluss gewährleisten. Fairer Handel heisst Partnerschaft zwischen allen in den Handelsprozess Einbezogenen und auf allen Stufen, seien dies Produktion, Handel oder Konsum." |
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Exportorganisationen, Lieferanten und Produzentlnnenorganisationen
Diese Organisationen bestätigen die Grundsätze des Fairen Handels indem sie eine schriftliche Erklärung abgeben oder durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.
Der faire Handel von 1860 bis 1998
Es ist schwierig,
den fairen Handel bis zu seinen Anfängen zurückzuverfolgen. Das Label
"Max Havelaar" verdankt seinen Namen einem Buch aus dem Jahre 1860.
Darin prangert der Autor die Ungerechtigkeiten im Kaffeehandel zwischen Indonesien
und den Niederlanden an. Hundert Jahre später kam der Direktor von Oxfam
- UK auf einer Reise nach Hongkong auf die Idee, Handwerksprodukte chinesischer
Flüchtlinge in Oxfam-Läden zu verkaufen. Der erste Artikel war ein ausgestopftes
Nadelkissen.
1964 gründete Oxfam die erste alternative Handelsorganisation
(ATO -Alternative Trading Organisation).
Zur gleichen Zeit begannen niederländische
Dritte-Welt-Gruppen, Rohrzucker zu verkaufen mit der Botschaft "Mit dem Kauf
von Rohrzucker verhelfen Sie armen Ländern zu einem Platz an der Sonne des
Wohlstands". Später kamen auch Handwerksprodukte aus dem Süden
dazu, und 1969 öffnete der erste Weltladen.
Seit den Anfängen vor
40 Jahren hat sich der faire Handel enorm ausgeweitet. Heute gibt es etwa 70 Importorganisationen
in 16 europäischen Ländern, weitere in Australien, Kanada, Japan und
den USA). Sie beziehen die Produkte direkt von den Produzentengruppen im Süden
und setzen sie über vielerlei Kanäle ab: Weltläden, Solidaritätsgruppen,
Versandhandel, Bioläden, lokale Märkte und zunehmend auch institutionelle
Einrichtungen wie Kantinen, Geschäfte, Behörden u.a. 1990 wurde die
EFTA (European Fair Trade Association)
gegründet. Sie repräsentiert 12 Importorganisationen mit einem Umsatzanteil
von 2/3 der fair gehandelten Produkte in Europa.
Seit
den 70er Jahren sind überall in Europa Weltläden entstanden. Mehr als
3.000 sind es nun, von denen 2.500 über 16 nationale Zusammenschlüsse
im Netzwerk europäischer Weltläden (Network
of European Wortd Shops - news!) vertreten sind.
1989 wurde die erste
internationale Vereinigung des alternativen Handels (International
Föderation of Alternative Trade - IFAT) gegründet, die ATOs aus
Afrika Australien, Europa, Japan, Nord- und Südamerika organisiert. Ziel
der Importorganisationen, Läden und Solidaritatsgruppen ist es. fairgehandelte
Produkte zu verkaufen. das Bewusstsein für die schlechten Produktions- und
Handelsbedingungen der Produzenten im Süden (und manchmal auch im Norden)
zu starke» sowie für Verbesserungen einzutreten.
Bis Mitte der
8oer Jahre agierte die Fair-Handels-Bewegung hauptsächlich m Umfeld derer,
die sich für eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Nord und Süd
einsetzten. Danach weitete sich der faire Handel auch auf kommerzielle Kanäle
aus, wobei er sich auf den Grosshandel mit Insti-tutionellen Absatzkanälen
stützte. Dieser Trend führte 1988 zur Schaffung des ersten Siegels für
fair gehandelte Produkte in den Niederlanden - Max Havelaar. Kommerzielle Händler,
die die Kriterien des fairen Handels sowie externe Kontrollen durch die Siegelorganisation
akzeptieren, erhalten ein Siegel und setzen ihre Produkte über ihre kommerziellen
Kanäle ab.
Bald entstanden weitere Labelorganisationen wie TransFair
International (mit begründet von der EFTA) und Fair Trade Foundation. Seit
April 1997 werden alle Siegel des fairen Handels von FLO
koordiniert - der International Fair Trade
Labelling Organisation in 12 europäischen Ländern sowie Kanada,
Japan und den USA.
Was macht den fairen Preis aus?
Vorschläge der EFTA an die EU zur Förderung
eines gerechten Welthandels
Vorzugsbehandlung für fair gehandelte Produkte
Die EFTA ist der Auffassung, daß der faire Handel am besten gefördert wird, wenn die Unternehmen einen Anreiz zu verantwortlichem Handeln statt Sanktionsdrohungen erhalten. Positive Anreize könnten günstigere Importzölle und Mehrwertsteuersätze für Produkte mit einem Fair Handels Siegel sein. Die Mitgliedsstaaten der EU sollten Schritte für Steuervorteile für fair handelnde Unternehmen einleiten, Startkapital für ATOs bereithalten, Subventionen zur Finanzierung der Personalkosten gewähren (z.B. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) u.a.m.Ein gemeinsamer Ansatz zur Förderung des fairen Handels durch die EU und Ihre Mitgliedsstaaten
Große Unterstützung hat der faire Handel von der Europäischen Kommission für Bewußtseinsbildungs Programme bekommen. Dieser Ansatz sollte fortgesetzt werden. Ebenso notwendig ist aber auch, daß die Kommission ihre Ressourcen innerhalb ihrer Einrichtungen und untereinander koordiniert, um Mittel zur Förderung der Produzenten im fairen Handel freizumachen (Kredite, technische Unterstützung, Ausweitung der Kapazitäten, Teilnahme der Produzenten an internationalen Foren) sowie zur Förderung der fairen Handelsorganisationen im Norden (Finanzierung von Studien zum möglichen Anreiz der Reduzierung der Mehrwertsteuer oder Einfuhrzölle; Verteilung von Information über wechselnde EU Richtlinien; leichtererzugang zu Informationen über die Rohstoffmärkte und absehbare Krisen; Werbung für den fairen Handel und Marketing fair gehandelter Produkte).Anerkennung der Siegel des fairen Handels
Die EU sollte bestehende Fair Handels Siegel anerkennen, die nun weltweit von der FLO koordiniert werden. Eine solche Anerkennung würde das Ansehen der Siegel erhöhen und sie für die Unternehmen attraktiver machen. Die EU sollte dieses Anliegen innerhalb der WTO vertreten.
Förderung von nachhaltigem Handel
und Entwicklung
zwischen Nord und Süd
Fairer Handel und Entwicklungspolitik
Im Jahr 2000 läuft das vierte Lome Abkommen zwischen der EU und den AKP Staaten aus, das die Vereinbarungen der EU mit diesen Ländern bezüglich Handel und Hilfe regelt. Dies ist die ideale Gelegenheit, die Beziehungen der EU zu allen Entwicklungsländern zu überdenken und die Prinzipien des fairen Handels in ihre Entwicklungspolitik einzubeziehen. Die Grundsätze des fairen Handels könnten als Modell für eine kohärente Handelspolitik mit Blick auf folgende Eckpunkte dienen:Abschaffung der EU-Importbarrieren
Die EFTA fordert die Abschaffung aller Maßnahmen, die die nachhaltige Entwicklung im Süden durch den Handel behindern, wie die altgemeine Agrarpolitik (CAP), Quotensysteme, Tarifeskalation usw. Sie befürwortet ein Präferenzsystem, das den unterschiedlichen Entwicklungsstand der Produzenten in verschiedenen Erzeugerländern berücksichtigt und marginalisierten Gemeinschaften erlaubt, ihre Position im Handel zu verbessern.Faire Produzentenvertretung
Die EFTA tritt für die Teilnahme der Produzenten an internationalen Verhandlungen zum Handel mit Rohstoffen ein. So sollte etwa die lateinamerikanische Vereinigung kleiner Kaffee-produzenten. die Frente Solidario, einen Sitz bei der internationalen Kaffee-Organisation haben, und die Produzenten sollten in den führenden Gremien von WTO, UNCTAD usw. vertreten sein. Die Situation der Rohstoffmärkte ist verwirrend: Protektionismus der Märkte im Norden, sinkende und unvorhersehbare Preise Und Handelsbedin-gungen; Spekulation und Konzentration des Marktes in den Händen der multinationalen Konzerne - all dies zwingt Produzenten, ihr Land zu verlassen und in die Stadt zu ziehen. In den letzten zwei Jahren haben EFTA und die Bewegung des fairen Handels zwei spezielle Themen für ihre Kampagnen ausgewählt. Die Forderungen dieser im folgenden beschriebenen Kampagnen sind an sich schon wichtig. Sie dienen aber auch als Symbol für die Fülle der zu lösenden Probleme bei allen Rohstoffe."Keep Chocolate Pure" - Haltet die Schokolade rein
Die Entwicklungspolitik der EU darf nicht von der Macht der multinationalen Konzerne ad absurdum geführt werden. Die EU muß ihr geltendes Verbot der Verwendung anderer Pflanzenfette außer Kakaobutter bei der Schokoladenproduktion aufrechterhalten. Das Schicksal von u Millionen Menschen in West-afrika, die vom Kakao leben, darf nicht dem Profit einer Handvoll Muttis geopfert werden.
Das europäische Kaffeeabkommen