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faire Preise

Zusammensetzung des Verkaufspreises

Auch im konventionellen Handel haben nicht nur die Eigentümer und Manager, sondern auch die Arbeitnehmer an der Wertschöpfung teil - hier als Beispiel die Zusammensetzung des Verkaufspreises bei konventionell gehandeltem Kaffee:

 44,9 % Steuern, Zölle, Frachtkosten
 23,7 % Einzelhandel
 17,8 % Händler und Röster
 8,5 % Plantagenbesitzer
 5,1 % Löhne der Arbeiter

Zum Vergleich die Preiszusammensetzung beim deutschen Kaffee - Fairtrader "El Rojito":


 Was macht den fairen Preis aus?

Der wohl bekannteste Aspekt des gesamten fairen Handelssystems ist der "faire Preis". Wie alle anderen Kriterien ist auch der faire Preis das Ergebnis eines Diskussionsprozesses. Er soll die Produktionskosten einschließlich Sozial- und Umweltkosten vollständig decken und den Produzenten einen menschenwürdigen Lebensstandard sowie Zukunftsinvestitionen erlauben. In der Regel übernehmen die Importorganisationen die von den Produzenten vorgeschlagenen Kalkulationen. Im Falle von Rohstoffen wie Kaffee oder Kakao, deren Preis an den internationalen Warenbörsen bestimmt wird, zahlt der faire Handel den Weltmarktpreis - der wenig Beziehung zu den Produktionskosten hat - zuzüglich eines Aufschlages. Unabhängig von den Marktschwankungen wird ein Mindestpreis vereinbart. Liberale Volkswirtschafter behaupten, dieser Eingriff in den Markt sei "unfair" und führe zur Produktionssteigerung bei Waren, bei denen schon ein Überangebot herrsche.

Das Konzept eines gerechteren Austausches zwischen Nord und Süd ist jedoch nicht neu. Der Ökonom lohn Maynard Keynes schlug in den 4oer Jahren vor, daß ein angemessener Handelspreis sich nicht am niedrigstmöglichen Niveau orientieren solle, sondern an einem Niveau, das den Produzenten "einen ihren Lebensbedingungen angemessenen Ernährungs- sowie sonstigen Standard" ermögliche; "es liegt gleichermaßen im Interesse aller Produzenten, daß der Preis für eine Ware nicht unter dieses Niveau gedrückt wird, und die Verbraucher haben kein Recht, dies zu erwarten". Die Einbeziehung der sozialen und der Umweltkosten in den Produktepreis steht schon lange auf der Tagesordnung internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Sie bildet den Eckstein der "Ökosteuer" der Umweltbewegungen.

Die Praxis von fast 40 Jahren fairen Handels hat gezeigt, daß nur sehr wenige Produzenten aufgrund des höheren Preises die Produktion ausgeweitet haben - angesichts der winzigen Parzellen Land, die sie besitzen, und des Mangels an Arbeitskapital und Ressourcen ist dies so gut wie ausgeschlossen.

Faire Preise für die Produzenten bedeuten nicht immer höhere Preise für die Verbraucher - etwa die Hälfte der fair gehandelten Produkte liegen preislich höher als der Marktpreis, die andere Hälfte liegt darunter. Manche Produkte sind äußerst wettbewerbsfähig - wie die kürzlich in den Niederlanden und der Schweiz auf den Markt gebrachten fair gehandelten Bananen. Möglich ist dies durch das Fehlen des Zwischenhandels in der Vertriebskette und die unschätzbare Mithilfe der Freiwilligen der Bewegungen. Nicht alle Verbraucher erwarten einen niedrigeren Preis als den, der den Produzenten einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht Untersuchungen haben ergeben, daß die Menschen m Europa in der Wahl der Produkte zunehmend kritischer werden und zunehmend bereit sind, für Produkte, welche für wichtige Kriterien erfüllen, einen höheren Preis zu zahlen. So erklären sich 68 % der Verbraucher in Großbritannien zur Zahlung eines Mehrpreises bereit, in Schweden sind es 64 %. In Großbritannien kennen mittlerweile 86 % der Verbraucher den fairen Handel, in Schweden, den Niederlanden und Belgien betragen die Anteile 84, 66 und 62 %.

Zu dem Kritikpunkt, daß der faire Handel durch seine naturgemäß höheren Preise die finanziell schwächeren Konsumenten in Europa ausgrenze, ist Folgendes zu sagen: die Marginalisierung von Menschen und ganzen Bevölkerungsgruppen in Europa wird durch dieselben Ungleichgewichte verursacht, die auch Kleinproduzent/innen im Süden ausgrenzen. Diese Kritik sollte also nicht dem fairen Handel gelten, sondern den Ursachen für die Ungerechtigkeiten, die der faire Handel ja gerade zu bekämpfen versucht.

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